Stuttgart 21 und der Käferkot Bahn wird Anzeige wegen Betrugs erstatten

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An zwei für Stuttgart 21 gefällten Bäumen sind nach Ansicht eines Gutachters in manipulativer Absicht Kotpillen des Juchtenkäfers angebracht worden. Die Bahn wird Anzeige wegen Betrugs erstatten.

In diesem Baumstumpf wurde die Flasche mit Kotpillen gefunden Foto: dpa
In diesem Baumstumpf wurde die Flasche mit Kotpillen gefunden Foto: dpa

Stuttgart - Die manipulierten Kotfunde an zwei für das Bahnprojekt Stuttgart 21 gefällten Bäumen am Rosensteinportal, die auf das Vorhandensein von streng geschützten Juchtenkäfern hinweisen sollten, haben unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die Bahn wird nach Angaben eines S-21-Sprechers wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Artenschutzrecht Anzeige bei der Polizei erstatten. Zudem prüft sie zivilrechtliche Schritte, weil durch den aus ihrer Sicht erfolgten Versuch der Zeitverzögerung der Arbeiten ein hoher Schaden entstanden sei. Auch Regierungspräsidium und Eisenbahnbundesamt als Naturschutz- und Genehmigungsbehörden wurden von der Bahn eingeschaltet.

„Kein Verdacht auf eine Straftat“

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft greift zunächst nicht ein. „Wir sehen keinen Verdacht für irgendeine Straftat“, sagte eine Sprecherin. Auch wenn eine Anzeige, wie von der Bahn angekündigt, vorliege, wäre dies nicht automatisch ein Anlass dafür, Ermittlungen aufzunehmen, sagte sie. Bisher sehe man aufgrund der Medienberichte „keinerlei Ermittlungsansatz“.

Die S-21-Projektkritiker bestreiten den Manipulationsvorwurf vehement und sprechen von einer „Fake-Fäkalien-Nummer und Kot-Kampagne der Bahn“. Der Schriftsteller Wolfgang Schorlau, ausgewiesener S-21-Gegner, meinte auf Facebook nur: „Dengler hat bereits ermittelt. PR-Aktion der Bahn. War leicht herauszufinden“. Dengler heißt der Detektiv in Schorlaus Kriminalromanen.

Kritiker: „Fake-Fäkalien-Nummer“

Auf der 405. Montagsdemonstration der S-21-Kritiker sagte der Parkschützer Eberhard Linckh laut vorab verteilter Presseinformation am Abend: „Die ganze Sache stinkt und steht in einer Linie mit den Pflastersteinen, die erfunden wurden, um die Opfer der Polizeigewalt vom 30. September 2010 zu Tätern zu stempeln“. Die Bahn wolle damit nur von „ihren gigantischen Problemen ablenken“, weil sie „mit ihrem Projekt in der Öffentlichkeit keinen Stich mehr machen kann und die S-21-Befürworter wahrgenommen werden als das, was sie sind: Blender, Lügner, Stadt-, Bahn- und Parkzerstörer.“ Die S-21-Projekt-GmbH verweist hingegen darauf, dass nach der vom Eisenbahnbundesamt genehmigten Fällung von sechs, nach einer Nachkontrolle sieben potenziell mit Juchten- oder Rosenkäfern besetzten Bäumen von einem unabhängigen Gutachter festgestellt worden sei, dass an zwei Bäumen keinerlei Besiedlungsspuren von Käfern gefunden, an deren Fuß aber Kotpillen entdeckt worden seien.

Für den Gutachter gibt es „keine Zweifel an einer gezielten Manipulation“. Die Bahn will sich auch mit der im Winter 2013/2014 erfolgten Kartierung von Juchtenkäferverdachtsbäumen an anderen Stellen im Rosensteinpark beschäftigten – vor allem am Zwischenangriff Ehmann-straße. Die Bahn müsse handeln, nachdem der unabhängige Gutachter von einer ­Manipulation ausgehe, „das richtet sich in keiner Weise gegen den Artenschutz“, sagte der S-21-Sprecher.

Zweifel an der Aussagekraft von Kotfunden gibt es nicht nur in Stuttgart. Als man an einem geplanten Windkraftprojekt auf dem Gütschkopf bei Oberwolfach (Ortenaukreis) Kötel von Auerhahnküken entdeckte, wurde das Vorhaben von Behörden gestoppt. Die Projektbetreiber vermuteten aber, dass da die menschliche Hand im Spiel gewesen sei. Und im Münstertal war unerwartet ein Auerhahn an möglichen Windkraftstandorten aufgetaucht – wie sich später herausstellte ein zahmes Tier.