Stuttgart 21 Kefer attackiert S-21-Projektpartner

Von Thomas Braun 

Die Bahn beharrt auf einer Inbetriebnahme des Stuttgarter Tiefbahnhofs 2021. Die Planer der DB Netz rechnen hingegen mit einem Jahr Verspätung. Bahnvorstand Kefer beklagt in seinem Quartalsbericht die mangelnde Kooperationsbereitschaft von Stadt und Land.

Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer stellt am Mittwoch in Berlin den Gremien den Quartalsbericht zu Stuttgart 21 vor und muss sich mit widersprüchlichen Informationen zum Projekt auseinandersetzen. In der folgenden Bilderstrecke dokumentieren wir die Geschichte des Bahnprojekts. Foto: Steinert 35 Bilder
Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer stellt am Mittwoch in Berlin den Gremien den Quartalsbericht zu Stuttgart 21 vor und muss sich mit widersprüchlichen Informationen zum Projekt auseinandersetzen. In der folgenden Bilderstrecke dokumentieren wir die Geschichte des Bahnprojekts. Foto: Steinert

Stuttgart - Der Aufsichtsrat der Bahn muss sich auf seiner Sitzung am Mittwoch in Berlin mit widersprüchlichen Informationen zum Projekt Stuttgart 21 auseinandersetzen. Im Quartalsbericht zu S 21, den Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer dem Gremium vorstellt, ist weiterhin von einer angestrebten Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs im Jahr 2021 die Rede. Mit hoher Wahrscheinlichkeit (80 Prozent) werde es aber 2022. Die Planungsrunde der DB Netz geht dagegen jetzt schon in ihrer Übersicht der Bahn-Großprojekte von einem weiteren Jahr Verspätung aus (die StZ berichtete). Entsprechend werde sich voraussichtlich auch die Bauzeit der ICE-Trasse Wendlingen-Ulm um ein Jahr verlängern, so die Strategen der DB Netz.

Projektsprecher Wolfgang Dietrich hat am Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats dagegen nochmals versichert, der neue Bahnhof werde 2021 in Betrieb gehen. Die zeitliche Diskrepanz ist aber nicht der einzige Punkt, der zu Irritationen Anlass gibt. Obwohl die Stadt mehrfach betonte, ein Komplettabriss der alten Bundesbahndirektion komme nicht in Frage, heißt es im aktuellen Quartalsbericht, über einen Wegfall des Direktionsgebäudes und entsprechende Alternativen sei man in der Diskussion mit den Projektpartnern.

Kefer kritisiert Verunsicherung der Bürger durch Politiker

Apropos Projektpartner: an Stadt und Land lässt Kefer in dem Papier, das der StZ vorliegt, kein gutes Haar. OB Fritz Kuhn (Grüne), Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) würden beim Thema Grundwassermanagement mit Äußerungen zur „Verunsicherung der Bürger durch fehlerhafte Behauptungen“ und damit zur „Provokation von Einwendungen“ beitragen, heißt es in dem Dokument.

Zitiert ist als Beleg etwa ein Schreiben Kuhns an Kefer, in dem der OB Aufklärung über die Beschaffenheit der Gründungspfähle des Bahnhofsturms verlangt hatte. Der Stadt attestiert der Bahnvorstand unter dem Stichwort „behördlicher Schwergang“ zudem, sie trage zum schleppenden Baufortschritt „durch fehlende Personalbereitstellung“ für die Überwachung der geplanten Grundwasserabsenkung bei. Die Forderung des Baubürgermeisters nach einem Gutachten über die Gefahr eines Hangrutsches am Ameisenberg verursache zudem eine Verzögerung „zeitkritischer Baumaßnahmen“ und führe zur „Diskreditierung der Projektmitarbeiter und des Projekts“.

Auch beim Thema Brandschutz ist Kefer in höchstem Maße unzufrieden mit der Kooperation zwischen den Projektpartnern. So trage die öffentliche Kritik an den zum Zeitpunkt der Planfeststellung gültigen gesetzlichen Anforderungen an den Brandschutz dazu bei, „nicht gerechtfertigte Ängste“ in der Bevölkerung zu schüren.

Bahn sieht stetig steigende Zustimmung

Gleichwohl sieht die Bahn eine stetig steigende Zustimmung der Bürger im Land zu Stuttgart 21 seit der Volksabstimmung 2011. Sie beruft sich dabei neben von ihr in Auftrag gegebenen Erhebungen auch auf eine Emnid-Umfrage aus dem Februar 2013, die 67 Prozent Zustimmung zu dem Projekt ergeben hatte. Die Bürgerumfrage der Stadt, bei der zuletzt eine knappe Mehrheit der befragten Stuttgarter dem Milliardenvorhaben ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hatte, wird in dem Aufsichtsratspapier nicht erwähnt.