Stuttgart 21 Neue Kostenexplosion bei Stuttgart 21

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Der Umbau des Stuttgarter Bahnknotens könnte bis zu 7,6 Milliarden Euro kosten und erst 2024 fertig werden. Diese Zahlen stehen in einer Vorlage für den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn.

Knapp 60 Prozent der Tunnel für Stuttgart 21 sind gegraben. Nun steigen wieder die Kosten. Foto: dpa
Knapp 60 Prozent der Tunnel für Stuttgart 21 sind gegraben. Nun steigen wieder die Kosten. Foto: dpa

Stuttgart - Stuttgart 21 droht nochmals mehr als eine Milliarde Euro teurer zu werden als bisher angenommen. Zudem könnte das Projekt erst im Jahr 2024 in Betrieb gehen, drei Jahre später als bislang anvisiert. Das verlautet aus Kreisen des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn. Entsprechende Unterlagen hat die Bahn nun an die Konzernaufseher verschickt, die am 13. Dezember bei ihrer Sitzung über den Umbau des Stuttgarter Bahnknotens beraten sollen. Bislang lag der Finanzierungsrahmen bei 6,5 Milliarden Euro. Im Dezember 2021 sollten erste Züge durch den Tiefbahnhof und das fast 60 Kilometer lange Tunnelgewirr von Stuttgart 21 fahren. Diese neuerliche Kostensteigerung sowie das Eingestehen eines nicht einhaltbaren Terminplans dürfte die Diskussion über das Milliardenvorhaben erneut aufflammen lassen. Derzeit sind knapp 60 Prozent der Tunnelstrecken unter Stuttgart und auf den Fildern vorgetrieben.

Gesamtwertumfang steigt auf 7,6 Milliarden Euro

Der Aufsichtsrat der Bahn wird bei der Sitzung Mitte Dezember über die aktualisierten Kosten von nun 7,6 Milliarden Euro beraten. Bislang steht dieser Wert bei rund 5,98 Milliarden Euro, der zusammen mit einem Risikopuffer in Höhe von 539 Millionen Euro den Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro ergibt. Finanziert durch Beiträge der Projektpartner in Land, Stadt und Region sowie durch den Bund und die EU rund 4,5 Milliarden Euro. Um das Verjähren eventueller Ansprüche zu vermeiden, hatte die Bahn im Dezember vergangenen Jahres die Projektpartner auf eine finanzielle Beteiligung an den Mehrkosten verklagt.

Zuletzt hatte der Aufsichtsrat der Bahn im Herbst 2016 die intern erhobenen Zahlen von externen Gutachtern überprüfen lassen. Die kamen damals zur Überzeugung, dass die Schlussrechnung für Stuttgart 21 zwischen 6,3 und 6,7 Milliarden liegen könnte. Nun hat die Bahn das Projekt im Hinblick auf Zeit- und Kostenpläne abermals von Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft pwc sowie des Ingenieurbüros Emch+Berger durchleuchten lassen – mit ernüchterndem Ergebnis.

Bahn macht steigende Baupreise geltend

Bei der Kostenentwicklung verweist die Bahn auf die zuletzt stark anziehenden Baupreise. Bereits nach dem jüngsten Lenkungskreis hatte Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla von einer Ausschreibung berichtet, die im Sommer Angebote des Baugewerbes brachte, „die exorbitant von unseren Ansätzen abwichen“. Zudem heißt es bei der Bahn, der Markt sei satt, die Zahl der abgegebenen Angebote gehe signifikant zurück. Aber auch bei bereits vergebenen Aufträgen muss die Bahn nochmals draufsatteln. Denn an einigen Stellen muss die zunächst geplante Bauweise geändert werden. In einigen durch Anhydrit führenden Tunnel, eine Gesteinsformation die bei Berührung mit Wasser zu quellen beginnt, etwa hat der Sachverständige den Einbau von deutlich mehr Bewehrungsstahl empfohlen als angenommen. Das verteuert den Bau und verschleppt ihn überdies.

Weitere Verzögerungen zeichnen sich vor allem am Bahnhofstrog ab. Dort hat die Bahn bis heute keine Genehmigung, die geänderten Pläne für die Fluchtwege umsetzen. Davon ist aber der aufwendige Bau der sogenannten Kelchstützen abhängig, die einmal das Dach der Bahnsteighalle bilden sollen. Die Bahn betreibt das entsprechende Änderungsverfahren seit Mai 2016. Allein für den Umbau des Bahnknotens lässt die Bahn aktuell an 13 Stellen die ursprünglichen Pläne ändern. Dies bedarf jeweils der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde Eisenbahn-Bundesamt.

Artenschutz und Genehmigungen bereiten Probleme

Auch die Probleme mit dem Artenschutz bekommt die Bahn nicht in den Griff. Weiterhin ungeklärt ist, wohin die mehreren tausend streng geschützten Eidechsen hin umziehen sollen, die auf jenem Areal in Untertürkheim vermutet werden, auf dem einmal ein neuer Abstell- und Wartungsbahnhof entstehen soll. Zudem ist die Bahn beim Bau der Tunnel nach Bad Cannstatt von einer Ausnahmegenehmigung der EU-Kommission abhängig. Das Brüssler Spitzengremium muss das Fällen von sechs Bäumen nahe Schloss Rosenstein genehmigen, wo die Röhren aus der Innenstadt wieder ins Freie kommen.

Im Juni 2016 hatte der damalige Infrastrukturvorstand Volker Kefer schon vor einer deutlich späteren Fertigstellung des Projekts gewarnt. Um den Inbetriebnahmetermin 2021 einhalten zu können, müssten bis zu zwei Jahre Verzug aufgeholt werden müssen. Dies ist nicht nur nicht gelungen, stattdessen haben sich weitere Verzögerungen eingestellt.

39 Kommentare Kommentar schreiben

Mal richtig den Artikel lesen !!!!: Da steht im ersten Satz ::>>>>Der Umbau des Stuttgarter Bahnknotens "könnte" bis zu 7,6 Milliarden Euro kosten und erst 2024 fertig werden <<<<<< Ob es so kommt muss man erst mal sehen ob es so kommt . Aber auch wenn es bis zu 7,5 Milliarden kosten SOLLTE bringt das unser Land auch nicht an den rand des Ruins..

Mehrkosten: "Unser Land" wird sich an den Mehrkosten nicht beteiligen. Was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen?

Sie geben: wohl bevorzugt fremdes Geld aus ? Oder handeln mit ebensolchem ? " das Land"- hier kann nur der Staat gemeint sein - hat sicher schon wieder einen Etat aus Steuergeldern wie bei der Bankenrettung 2008 in petto ? Wenn Sie schon mit Optionen spielen, müssen Sie auch die Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen lernen : Im Falle des sog. „Projektes S 21 „ waren bislang noch ALLE Kosten-und Zeitangaben des Bauträgers und der letztlich Verantwortlichen UNRICHTIG. Vorsichtig ausgedrückt.

Vergessen Sie ganz einfach ihr "KÖNNTE". Das passiert, wenn man sich nur auf eine Quelle verlässt. Wie beim anderen Artikel schon geschrieben. In der Wirtschaftswoche online vom 30.11.2017 steht folgendes: "Die Gesamtkosten von Stuttgart 21, so das Gutachten für die Bahn, könnten auf 7,9 Milliarden Euro steigen. Eine Summe von 7,6 Milliarden Euro gilt als sicher. " - 7,6 Mrd Euro sind also schon mal sicher. Und da man wohl maximal 50% beim Projekt Stuttgart21 erstellt hat, bleiben nochmals mindestens 7 Jahre für weiter Kostensteigerungen und Terminverschiebungen. Es ist noch reichlich Luft nach oben. --- Und dann gibt es ja auch noch die Aussage eines DB AG Rechtsanwaltes und eines CDU-Bundestagsabgeordneten, welche die 10 Mrd Euro schon nennen. Nachzulesen bzw. -sehen bei ARD-PlusMinus vom 20.07.2016. Und wenn ein DB AG Mitarbeiter so etwas behauptet, ist es sicherlich gewichtiger wie wenn es der BRH oder ein Vieregg&Rössler oder auch ich sage. --- Und noch was. Beim Unterschreiben des Finanzierungsvertrages sollte S21 ~3 Mrd Euro kosten und es gab einen Risikopuffer von 50% der Baukosten. Nur, der Risikopuffer wurde wohl vor allem für Planungsmängel aufgebraucht.

Und?: wollen Sie uns mit Ihrem Kommentar ernsthaft sagen Sie glauben nicht es wird teurer und wird später fertig? Haben Sie sich den Zustand der Baustelle des Tiefbahnhofs in Stuttgart mal angesehen? Wenige seit vielen Monaten angefangene Säulen, teilweise noch gar keine Baugrube, daneben wurde gerade erst angefangen alte Sachen im Untergrund abzureisen. Genehmigungen des Brandschutzes / Rettungswege fehlen weiter, daher kann da derzeit gar nicht viel weiter gebaut werden. Wie soll das Projekt da noch rechtzeitig fertig werden ohne teurer zu werden. Die mindestens 7,6 Milliarden werden an anderer Stelle fehlen, außerdem zahlt das am Ende der Steuerzahler egal ob Bund oder Bahn zahlen müssen. Die Verzögerungen behindern Stadt und Bahnkunden über viele Jahre. "Könnte" bedeutet übrigens auch es kann noch teurer werden und noch länger dauern.

Logische Folge: Jeder Häuslebauer kann ein Lied davon singen: Das Preisniveau in der Baubranche ist in den vergangenen Jahren leider exorbitant gestiegen. Hätten zu einem früheren Zeitpunkt alle an einem Strang gezogen, anstatt das Projekt zu behindern, hätten aktuelle Kostensteigerungen geschmälert werden können. Und: Solange es die Gesellschaft legitimiert, dass die Umsiedelung einer einzigen Eidechse 8600€ kostet, darf m.E. ein Hauptbahnhof kosten was er will! Achtung: Auch ich bin ein Amphibienfreund…

wer hat das Projekt denn behindert?: Falls Sie die lange zurück liegenden Demos und Blokaden meinen, die haben sicher nichts mit den heutigen Problemen zu tun. Damals war die Planung doch noch gar nicht soweit um richtig losbauen zu können. Durch die Verzögerungen konnten sogar noch sinnvolle Verbesserungen in das Projekt eingearbeitet werden. Übrigens wurde früher von Bahn- und Politikbefürworterseite immer gesagt viele Aufräge seien schon zum Festpreis vergeben, es könne daher kaum teurer werden. Hat da wer gelogen? Hätte man einen anderen Architekt genommen wäre der Bau heute deutlich weiter, aber es musste ja unbedingt ein kaum baubares Säulendach mit hell gefärbtem Spezialbeton sein, statt wie üblich einfach die gewünschte Farbe später anzustreichen und ein normales Bahnsteigdach mit erprobten Stützen zu nehmen.

Baupreissteigerungen: Aktuell (2017 ) 3,5 % / anno. Mehrkosten seit der zuletzt eingestandenen Gesamtwertaufblähung 05/2012 von 4,526 MRD € auf 6,5 Mrd € ( +300 Mio ungedeckter Scheck aus einzutreibenden Beteiligungen der Projektpartner Land, Region, Stadt ) : minimal 1,1 MRD €. Anm.: Die Anstiege der Baupreise der letzten 5 Jahre war eben nicht linear. Welchen Anteil hat das Thema Baupreissteigerung an der Verteuerung ? Wie teuer ist das Projekt dann wirklich ? Einfacher Dreisatz. Für jeden Häuslebauer. Zumindest für solche, die die Mondzahlen " 8500 € für 1 Eidechse , Ausstiegskosten von aktuell 7 MRD € und bestimmte , zum wiederholten Male unrealistische Wirtschaftsprüfungsgesellschafterzahlen auch als solche erkennen. Und nicht auf Politversprechen ( " Festpreise, 80 % fertige Vertragsabschlüsse schon seit 7 Jahren ! ) hereinfallen wollen, sondern juristisch wasserdichte Verträge schliessen. Von wegen "Fortfall der Vertragsgrundlagen" mit Regreßpflichtigkeit des Verursachers.

Netter Versuch....: aber die Bahn und ihre politischen Verbündeten haben uns mit ihren angeblichen Festpreisen vor der Volksabstimmung angelogen. Zitat aus der Broschüre zur VA: "…konnten die Kostenrisiken erheblich reduziert werden, da große Projektteile bereits zu *Festpreisen* vergeben wurden." Zudem gab es die Umweltbestimmungen, an die sich die Bahn wie jeder andere Häuslebauer auch halten muss, bereits vor S21 in unveränderter Form. Die Bahn hat die notwendigen Kosten in ihrer Rechnung schlicht unterschlagen. Und: Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, die Demos seien für die Kostensteigerung von 2,45 Mrd. auf 7,9 Mrd. (bzw. auf 10 Mrd.) verantwortlich? Netter Versuch, Herr Buck, netter Versuch...

7,6 Mrd Euro werden auch nicht reichen. Insideraussagen eines CDU-Bundestagsabgeordneten und eines DB-Rechtsanwaltes in PlusMinus. Anzuschauen bei www. youtube .com/watch?v=vTO8kY2aJpQ&feature=youtu.be .

Bemerkenswert: dass die Presseerklärungen des Aktionsbündnisses gegen S21 und anderer Initiativen *niemals* in der StZ zu lesen sind. Auszug aus der PM vom 29.11.: "Erneute Kostensteigerungen offenbaren grundsätzliche Krise von Stuttgart 21 …. Die genannten 1,1 Mrd.€ Mehrkosten sind allerdings wieder nur ein Teil der Wahrheit. Indirekt aus dem 2016 selbst beauftragten Gutachten von KPMG/Basler und direkt aus den Berichten des Bundesrechnungshofs wissen DB und politisch Verantwortliche, dass die Kosten längst auf 10 Mrd.€ zusteuern. Auch interne Zeitpläne der DB kalkulieren Verspätungen bis 2025/26 ein…. „Wir erwarten, dass die DB das nun vorliegende Gutachten von PWC umgehend der Öffentlichkeit zugänglich macht“, fordert von Loeper. Nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vom 7. November könne sich die DB nicht mehr hinter ihrer privaten Rechtsform verstecken .... Falls Bahn-Vorstand und Aufsichtsrat den Finanzrahmen, wie wohl vorgesehen, erneut erhöhen wollen, stelle sich „in dramatischer Weise die strafrechtliche Haftungsfrage“, so Jurist von Loeper .... Weder Artenschutz noch völlig überraschende Preissteigerungen für Bauleistungen, sondern die Fehlplanung des Projekts insgesamt ... Weiterhin fehlen der Bahn etliche Baugenehmigungen, allein im Bauabschnitt Tiefbahnhof waren 18 Planänderungen erforderlich, ein Ende ist nicht absehbar. Auf den Fildern beim Flughafenanschluß steht die Planung vor einer vollständigen Revision mit ganz neuen, Jahre dauernden Planfeststellungsverfahren.... Statt bei jeder Kostensteigerung routinemäßig Krokodilstränen zu vergießen, sollten sich die Verantwortlichen nicht weiter von der DB mit taktischen Teilzugeständnissen an der Nase herumführen zu lassen, sondern sich mit den längst vorliegenden Umstiegskonzepten auseinandersetzen. Insbesondere die grünen Verantwortungsträger in Stadt und Land müssen sich fragen, wie lange sie dieses unwürdige Spiel noch mit verantworten wollen. Bei einem Umstieg würden der Stadt viele weitere Jahre Verkehrschaos erspart, die Feinstaubbelastung ließe sich senken, dem Klima würden viele Millionen Tonnen Treibhausgase erspart, ein nicht mehr korrigierbare Engpass im Bahnverkehr würde vermieden und 3 bis 4 Mrd. € ließen sich einsparen."

S21-Kosten: Hätten Politiker wie Frau Razzavi Größe, würden Sie jetzt ihre Ämter zur Verfügung stellen. Aber eher fährt ein Zug in den Tiefbahnhof ein, als dass dies einem CDU-Politiker in den Sinn käme.

Es geht doch gar nicht darum, Ämter zur Verfügung zu stellen. Es würde doch schon mal reichen, wenn diese Politiker endlich mal die WAHRHEIT anerkennen würden und den falschen Aussagen von einst nicht neue Lügen hinterher schieben würden. Wenn diese Frau Razzavi heute behauptet, S21 wäre auf der Zielgeraden (nach akutellen Stand maximal bei 50%), dann ist das einfach eine dreiste Lüge einer verantwortlichen CDU-Politikerin. Wieso macht jemand so etwas, noch in einer Partei mit einem C im Namen?

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