Stuttgart 21 Neue Zahlen heizen Diskussion über Filderbahnhof an

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Immer weniger Fernzüge halten an den Flughafenbahnhöfen in der Republik. Das geht aus Zahlen der Bundesregierung hervor. Die Grünen warnen vor diesem Hintergrund vor einer Fehlinvestition auf den Fildern.

Warten auf den Zug und eine Entscheidung, wie Stuttgart 21 rund um den Flughafen verwirklicht wird. Foto: dpa
Warten auf den Zug und eine Entscheidung, wie Stuttgart 21 rund um den Flughafen verwirklicht wird. Foto: dpa

Stuttgart - Die Zahl der Fernverkehrszüge, die an einem der Flughafenbahnhöfe in Deutschland haltmachen, ist stark rückläufig. Das geht aus Daten hervor, die die Bundesregierung auf Anfrage unter anderem des Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel aus Filderstadt (Kreis Esslingen) vorgelegt hat. Die Grünen wollten wissen, wie sich die Zugfrequenz seit dem ersten Betriebsjahr der jeweiligen Bahnhöfe bis heute entwickelt hat. Diese sank am Düsseldorfer Airport von 51 täglichen Abfahrten im Jahr 2000 auf heute noch 37. Am Flughafen Leipzig/Halle ist nicht einmal mehr die Hälfte des ursprünglichen Angebots übrig geblieben: Statt 34 halten nur noch 16 Züge. Moderater fällt der Rückgang in Köln/Bonn aus mit heute 13 gegenüber 16 Abfahrten im Jahr 2004. Einzig der Fernverkehrshalt am größten deutschen Flughafen in Frankfurt/Main konnte deutlich zulegen. Fuhren dort 1999 noch 80 Züge pro Werktag ab, sind es heute deren 177. Der dortige Bahnhof sei „wichtiger Umsteigebahnhof innerhalb des Schienenpersonenfernverkehrs“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Die gibt auch Auskunft über geplante Bahnhöfe an Flughäfen: Neben dem Halt am Berliner BER sei noch jener am Stuttgarter Manfred-Rommel-Flughafen in der Planung.

Mit Blick auf die rückläufigen Zahlen der haltenden Züge warnt Matthias Gastel vor dem Vorhaben auf den Fildern, für das die Arbeiten noch nicht begonnen haben. Solche Bahnhöfe liefen Gefahr, als unsinnige Investitionsgräber zu enden. „Dasselbe Schicksal droht auch den geplanten Bahnhöfen am Flughafen auf den Fildern, von denen weder die Kosten noch die Anzahl der voraussichtlich haltenden Fernverkehrszüge bekannt sind“, erklärt Gastel, bahnpolitischer Sprecher seiner Fraktion.

In der Antwort der Bundesregierung heißt es zum Fahrplankonzept auf den Fildern: „Detaillierte Aussagen zur konkreten Ausgestaltung des Zugangebots können erfahrungsgemäß frühestens zwei Jahre vor der Inbetriebnahme getroffen werden.“ Nach jetzigem Stand soll Stuttgart 21 im Jahr 2025 in Betrieb gehen. Was der Abschnitt rund um den Flughafen kostet, sei noch unklar, erklärt die Regierung. „Im Hinblick auf noch nicht abgeschlossene Vergabeverfahren“ könnten dazu „derzeit keine Angaben gemacht ­werden“.

Keine Auskunft zu Kosten und Bedienung des Filderbahnhofs

Alternativszenarien existieren

Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz, hatte jüngst die Kosten für den 27 Meter tief unter der Messepiazza geplanten Fern- und Regionalbahnhof auf 750 Millionen Euro taxiert. Zusätzlich wird die bestehende S-Bahn-Station am Flughafen um ein drittes Gleis erweitert, auf dem die Gäubahnzüge Richtung Bodensee, Schwarzwald und Schweiz halten sollen.

Vor knapp einem Jahr hatte unsere Zeitung über Gedankenspiele der für Stuttgart 21 zuständigen Projektgesellschaft (PSU) berichtet, den Flughafenanschluss anders als bislang geplant zu ordnen. Dabei würde ein Bahnhof nördlich der Autobahn 8 direkt an der Neubaustrecke etwa in Höhe des Bosch-Parkhauses entstehen. Dank eines Tunnels unter dem Flughafenvorfeld hindurch würden auch die Gäubahnzüge dort halten, die bisher vorgesehene Aufteilung wäre vom Tisch. Vor allem der Regionalverband hatte diese Lösung abgelehnt, da mit ihr am Flughafen nicht die gewünschte regionale Verkehrsdrehscheibe samt kurzer Umsteigewege entstehe. Aus der Bahnzentrale hieß es unmissverständlich: „Die Überlegungen der PSU sind nicht vom Vorstand autorisiert.“

Gericht befasst sich mit vorliegender Planung

Womöglich müssen die Planer trotzdem nochmals von vorn beginnen: Am 20. November verhandelt der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg über Klagen gegen die bisherigen Entwürfe.