Stuttgart 21 Özdemir fordert „mea culpa“ der S-21-Verfechter

Von mil 

Vor der Beratung über Stuttgart 21 im Verkehrsausschuss des Bundestages gehen die Wogen hoch. Der Ausschussvorsitzende Cem Özdemir (Grüne) fordert eine Entschuldigung der S-21-Befürworter – und nimmt seinen Parteifreund Winfried Hermann in Schutz.

Cem Özdemir sieht Stuttgart 21 jenseits des „point of no return“ Foto: dpa
Cem Özdemir sieht Stuttgart 21 jenseits des „point of no return“ Foto: dpa

Stuttgart - Am Montag diskutiert der Verkehrsausschuss des Bundestages auf Antrag der Linken über „Ausstieg und Umstieg bei Stuttgart 21“, wie der Tagesordnungspunkt überschrieben ist. Im Vorfeld der Sitzung fordert der Vorsitzende des Ausschusses, der Stuttgarter Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir, eine Entschuldigung derer, die das Vorhaben befürwortet haben. „Es würde den Projekttreibern von damals gut zu Gesicht stehen, wenn von ihnen jetzt ein ,mea culpa‘ käme. Die Kritiker hatten bisher in fast allen Punkten recht“, so Özdemir gegenüber unserer Zeitung. Einen Ausstieg hält er nicht mehr für möglich, betont aber, dass an den bestehenden Planungen nachgebessert werden müsse. „Der point of no Return ist längst erreicht. Wir müssen nun nach vorne schauen und darauf achtgeben, dass kein infrastrukturelles Nadelöhr entsteht.“ Stellvertretend nennt der Bundestagsabgeordnete den großen Ausbau der Wendlinger Kurve, wo neue und bestehend Infrastruktur miteinander verknüpft werden und den Flughafenanschluss.

Unterstützung für Landesverkehrsminister Hermann

Zuletzt hatte Özdemirs Parteifreund, der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann geklagt, „wir geben einen Haufen Geld aus und versenken einen Bahnhof und haben dadurch keinen Vorteil“. Mit den Aussagen zog Hermann harsche Kritik auf sich. Özdemir kontert: „Es ist absurd, dass die Projektbefürworter nun auf Winfried Hermann einprügeln, anstatt zu schauen, dass das Projekt nun zu einem guten Abschluss kommt.“ Im Übrigen sei man ja auch bei der Bahn nicht mehr von dem Vorhaben begeistert. Özdemir erinnert in diesem Zusammenhang an den Auftritt von Bahn-Chef Richard Lutz im April vor dem Gremium. „Niemand bei der Bahn würde das heute wieder so bauen. Als wir zuletzt mit der Bahnspitze darüber sprachen, konnte ich nicht viel Euphorie für das Projekt erkennen.“

Außerdem im Video: Wann hat die Planung für Stuttgart 21 begonnen? Was wir das Projekt am Ende kosten? Sehen Sie die zehn wichtigsten Fakten im Video.

Neben den Ausschussmitgliedern diskutieren am Montag auch von den Fraktionen benannte Sachverständige. Dazu zählen unter anderem S-21-Chef Manfred Leger, Regionalpräsident Thomas Bopp, der Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb und Thilo Sarrazin. Özdemir: „Thilo Sarrazin kennt das Projekt aus seiner Zeit bei der Bahn. Das muss man zur Kenntnis nehmen, auch wenn es schwerfällt, es von dem zu trennen, was er sonst so von sich gibt.“