Stuttgart 21 Optimismus bei der Netz AG

Von Jörg Nauke 

Die private Netz AG, die den Stuttgarter Hauptbahnhof weiterführen will, möchte Direktverbindungen im Land erhalten.

 Foto: dpa
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Stuttgart - Die private Stuttgarter Netz AG, die beabsichtigt, den Hauptbahnhof weiterzuführen, falls die Bahn mit Stuttgart 21 in die Tiefe ginge, verspürt Rückenwind: Zwar halten Bahn und Stadt die Forderung nach einem Entwidmungsverfahren (gemäß Paragraf 11 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes), bei dem das Unternehmen Bedarf am Weiterbetrieb anmelden könnte, für unbegründet. Doch beide Projektpartner haben im Kaufvertrag über die freiwerdenden Gleisflächen, immerhin für ein Drittel des 117 Hektar großen Areals, genau dieses Vorgehen fixiert: "Die Stilllegung des Bahnbetriebs bedarf der Zustimmung durch das Eisenbahnbundesamt (§ 11 AEG)."

Der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Dietrich betonte ausdrücklich, es handele sich bei dem im Vertrag genannten Passus aber nicht etwa um die von der Netz AG beanspruchten Gleisanlagen, sondern um Flächen der Gäubahn, die ursprünglich für Stuttgart 21 freigeräumt werden sollten. Alexander Kirfel, Aufsichtsratschef der Netz AG, vertritt aber die Ansicht, die Bahn werde sich vor Gericht schwer damit tun, die anderen auf den Hauptbahnhof zuführenden Strecken anders behandeln zu wollen als die Gäubahn.

Millionenbeträge

Die Netz AG ist ein Zusammenschluss von Privatbahnen wie die Aschaffenburger NBE Group und die SIS in Ellwangen. Kirfel ist Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, das in Berlin 30 Güterbahnen vertritt. Spekulationen, die Netz AG könnte sich den Bahnhofsbetrieb nicht leisten, kontert Kirfel: "Wir haben nicht ohne Grund die Rechtsform der AG gewählt. Sollte sich eine Übernahme von Teilen des Bahnhofs konkretisieren, würden wir einen Prospekt herausgeben und über den Verkauf von Aktien an Dritte Kapital gewinnen." Er rechne mit Millionenbeträgen innerhalb kurzer Zeit. Man könne die Anlagen aber auch pachten. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass beim Pachtzins der Verkehrswert maßgeblich ist.

Fakt sei auch, dass man im Hauptbahnhof "nicht nur zwei Dampfsonderzüge pro Jahr" fahren lassen wolle. Man werde dort auch keine Güterzüge abstellen. Neben einer Linie nach Berlin sei daran gedacht, diverse Nahverkehrsverbindungen weiterhin oben zu führen. Kirfel nennt den dieselgetriebenen Neigetechnik-IRE von Stuttgart über Sigmaringen nach Aulendorf, der nicht in den Tiefbahnhof einfahren dürfte und so in Tübingen "gebrochen" werden müsste. Für die Fahrgäste bedeutete dies: umsteigen. Gleiches gelte für den IRE Stuttgart-Ulm-Lindau, da eine Elektrifizierung der Südbahn nicht in Sicht sei. In der Summe würden 400.000 Einwohner ihre Durchbindung nach Stuttgart verlieren, falls der Kopfbahnhof wegfiele, so Kirfel.