Stuttgart 21 Plakatwand statt City-Tower

Von Jörg Nauke 

Die Hochhauspläne hinter dem Hauptbahnhof liegen auf Eis. Mit dem Baubeginn in diesem Jahr wird es nichts. Werbetafeln sollen die Kapitalkosten decken.

So soll der City-Tower an der Ecke Wolfram-/Heilbronner Straße aussehen. Foto: Heiss 2 Bilder
So soll der City-Tower an der Ecke Wolfram-/Heilbronner Straße aussehen. Foto: Heiss
Stuttgart - Das Hochhausprojekt auf dem sogenannten A-1-Gelände an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße bereitet Eigentümern, Vorbesitzern, Architekten, der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat aus mehreren Gründen Probleme. Mit dem Baubeginn in diesem Jahr wird es nichts. Vom Schwebezustand profitiert der Stadtmöblierer Kai Ilg, denn er hat vom Eigentümer des 1947 Quadratmeter großen Eckgrundstücks die Erlaubnis erhalten, dort für zunächst zwei Jahre ein 26 Meter hohes Baugerüst aufstellen zu dürfen, das zwölf Meter über die Stützmauer an der Heilbronner Straße hinausreicht. Daran sind drei Werbetafeln mit je 15 mal elf Meter Fläche befestigt, so Rainer Grund vom Baurechtsamt. So ist das Dreieck an der Kreuzung optimal vermarktet.

In einer nichtöffentlichen Sitzung des Technikausschusses sind in dieser Woche die Aspekte, die einen Bau dieses markanten Gebäudes aus zwei verschachtelten Kuben gegenwärtig verhindern, thematisiert worden. Die Zwischennutzung des Areals als Werbeplakatstandort ist von der Verwaltung als "Katastrophe" bezeichnet worden. Es werde dadurch der Eindruck erweckt, das A-1-Gelände sei ein verlassener Hinterhof. Geeignete Maßnahmen zur Vermarktung sähen anders aus. Rechtlich ist diese Nutzung aber nicht zu beanstanden. Weil die Beamten nicht auf die Idee gekommen waren, ein Eigentümer könnte statt Häuser Plakatständer errichten, wurde das im Bebauungsplan nicht ausgeschlossen.

Tobias Fischer, Vorstandsmitglied des Eigentümers Schwäbische Wohnungs AG, bittet um Verständnis. Er sagt, mit den Erlösen könne er wenigstens zum Teil die Zinsen für das ungenutzte Grundstück bezahlen, das etwa zwölf Millionen Euro wert sein dürfte. Laut Werbeexperten bringt ein solches Banner dem Stadtbmöblierer bei guter Auslastung 600.000 Euro Bruttomiete pro Jahr.

Ausblick auf Baugrube


Die Wohnungs AG und das Hamburger Bankhaus Wölbern hatten das Gelände 2007 von der Deutschen Bahn Services Immobilien AG erworben. Im Oktober 2008 präsentierten sie das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs, den das Büro Grüntuch und Ernst gewonnen hat. OB Schuster freute sich damals über einen "angemessenen Auftakt an dieser markanten Ecke". Damals wie heute ist aber noch offen, ob auf dem Baufeld 7 der Brache hinter der LBBW ein Fünfsternehotel mit 240 Zimmern entstehen wird oder ein Wohnturm mit 100 Einheiten.

Tobias Fischer verweist auf damals getroffene Aussagen: Es gehe erst los, wenn sich auch die Grundstücksnachbarn südlich und östlich seines Eckareals zum Bau entschieden haben. Diese Abstimmung sei notwendig, weil man etwa gemeinsame Zufahrten anlegen müsse. Auch sollten die potenziellen Mieter oder Hotelgäste "nicht in eine Baugrube schauen".

Im Technikausschuss ist aber auch die Forderung Fischers nach einem weiteren Stockwerk diskutiert worden. Dies sei mit höheren Baukosten begründet worden, sagen Beteiligte. Ursprünglich seien sogar zwei zusätzliche Etagen gefordert worden. Eine Mehrheit dafür zeichnet sich aber nicht ab. Man wolle kein Exempel statuieren. Überhaupt sei das Hochhaus in der präsentierten Form nicht genehmigungsfähig, erfuhr der Technikausschuss. Beim Entwurf würden die Baugrenzen überschritten. Die Verwaltung weist jede Verantwortung von sich. Wäre sie vom Eigentümer mit der Vorprüfung beauftragt worden, hätte es diese Panne nicht gegeben.

Am Dienstag hieß es zudem, der Eigentümer hätte sich mit dem Plan verspekuliert, sein Grundstück mit einer eigenen Einfahrt zu erschließen. Nun sei das Areal überhaupt nicht mehr erreichbar, da auch die Option einer Erschließung über die geplante private Wagenladungsstraße nicht mehr bestehe. Der Grund für die Isolation des Baufelds 7: der Käufer habe sich mit der DB Services Immobilien nicht über eine Beteiligung am Bau der privaten Erschließungsstraße einigen können. Die Bahntochter habe ihn daraufhin mit einem Federstrich vom internen Straßennetz abgehängt.

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