Stuttgart 21 S-21-Projektpartner agieren am Flughafen vorsichtig

Von  

In die Frage, wie der Flughafen an den neuen Stuttgarter Tiefbahnhof angebunden werden könnte, ist nach dem Vorschlag der S-21-Gesellschaft neue Dynamik gekommen. Aber nur hinter den Kulissen.

Die Neubaustrecke der Bahn wird links der Autobahn liegen. Könnte an dieser Stelle auch der Bahnhalt für den Flughafen und die Filder entstehen? Foto: Manfred Storck
Die Neubaustrecke der Bahn wird links der Autobahn liegen. Könnte an dieser Stelle auch der Bahnhalt für den Flughafen und die Filder entstehen? Foto: Manfred Storck

Stuttgart - Das Bekanntwerden eventueller Alternativszenarien für Stuttgart 21 am Flughafen hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Bei den Gedankenspielen wird die Möglichkeit ausgelotet, den Flughafenbahnhof nördlich der Autobahn zu bauen. Anders als in den derzeit gültigen oder zur Genehmigung vorgelegten Plänen würden dort sämtliche Fern- und Regionalzüge an einem Bahnsteig halten können.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) moniert, dass es am Flughafenbahnhof „ganz offensichtlich Verzögerungen“ gebe. „Ein Baustart ist nicht in Sicht. Aus Sicht des Landes und der Flughafengesellschaft brauchen wir zeitnah eine gute Anbindung des Flughafens“, erklärt Hermann auf Anfrage. Der Minister erteilt aber Änderungen keine grundsätzliche Absage. „Das Land wird keinen Plänen zustimmen, die das Projekt Flughafenbahnhof verzögern, verschlechtern oder verteuern. Verbesserungsvorschläge werden wir in diesem Sinne genau prüfen. Klar ist in jedem Fall, dass hiervon alle Projektpartner profitieren müssten.“ Dem Vernehmen nach werden die Projektpartner am 11. Dezember zu einem Gespräch zusammenkommen. Dabei sollten aber keinesfalls die neuen Überlegungen im Mittelpunkt stehen, sondern stattdessen eine Bestandsaufnahme der Chancen, aber auch der Risiken der bisher verfolgten Lösungen diskutiert werden.

Der Verkehrsclub Deutschland will vier Gleise

Im Rathaus hat man genaue Vorstellungen, davon, wie dieser Termin ablaufen soll: „Die Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm hat zu einer Sitzung zur Flughafenanbindung eingeladen. Wir erwarten, dass diese Besprechung lösungsorientiert sein wird“, sagt ein Stadtsprecher. Kurz und bündig fällt die Stellungnahme der Flughafengesellschaft aus. Zum jetzigen Zeitpunkt wolle man sich nicht äußern.

Matthias Lieb, Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), verweist auf seine Forderung, einen autobahnnahen Flughafen mit zusätzlichen Bahnsteigen auszurüsten. „Ein Bahnhof mit vier Bahnsteigkanten ermöglicht es auch, zusätzliche Züge an Messetagen am Flughafenbahnhof beginnen und enden zu lassen“, hieß es dazu bereits in der Stellungnahme des Verbands im Genehmigungsverfahren für die Ergänzung der bestehenden S-Bahn-Station um ein weiteres Gleis, die Lösung „Drittes Gleis“.

Beim Regionalverband ist man entsetzt

Thomas Bopp (CDU), Regionalpräsident und einer der Väter dieser Variante, will die nun aufgekommenen Überlegungen nicht kommentieren, „zumal sie in keiner Weise mit den geschlossenen Verträgen in Einklang zu bringen sind“. Thomas Leipnitz, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Regionalfraktion, zeigt sich „entsetzt“ über die Gedankenspiele und erklärt, dass mit dem Verzicht auf das dritte Gleis auch die Grundlagen „für die Beteiligung des Verbands am Flughafenbahnhof in Höhe von 20 Millionen Euro entfallen“.

Für diese Variante läuft derzeit das Genehmigungsverfahren. Als sie im März 2015 von den S-21-Projektpartnern beschlossen wurde, sah vor allem die Region ihre Interessen mit Blick auf den S-Bahn-Verkehr am Airport gewahrt. „Aus Sicht der Region sei es ein Erfolg, dass der S-Bahn-Halt auf den Fildern auch künftig ausschließlich der S-Bahn zur Verfügung stehe“, hieß es damals in einer Mitteilung. Allerdings nährt ein Gutachten im Auftrag des Landesverkehrsministeriums aus dem vergangenen Jahr Zweifel an dieser Sichtweise. Die Fachleute weisen darauf hin, dass Intercity- und die angekündigten Metro­polexpress-Züge (MEX) keinesfalls ausschließlich über das neu geschaffene Gleis 3 am Flughafen geführt werden können, da dies „zu Kreuzungskonflikten im Zu- und Ablauf führt“. So schlägt das Gutachten vor, die S-Bahnen von und nach Filderstadt zusammen mit den nordwärts fahrenden MEX-Linien 1 und 11 an ein und demselben Bahnsteig unter den Terminals halten zu lassen. Am Flughafen endende S-Bahnen nehmen einen weiteren Bahnsteig in Beschlag. Am dritten Gleis schließlich würden alle Intercityzüge sowie die südwärts fahrenden MEX-Linien 1 und 11 halten. Für den Bau des dritten Gleises muss der Bereich vor den Flughafenterminals über einen längeren Zeitraum aufgegraben werden, da der unterirdische Haltestellenbau nur in offenen Gruben hergestellt werden kann. Dieser Bereich wird heute vor allem von parkenden Autos sowie dem Individualverkehr, der Flugpassagiere bringt und abholt, genutzt.