Stuttgart 21 Wohin mit den Eidechsen von Untertürkheim?

Der Abstellbahnhof für Stuttgart 21 ist noch nicht genehmigt. Am Freitag leitet die Bahn das entsprechende Verfahren ein. Größter Stolperstein: Auf den Bauflächen leben bis zu 6500 streng geschützte Eidechsen, die umgesiedelt werden müssen – wohin ist unklar.

Niedlich anzusehen und in Stuttgart zahlreich anzutreffen: die Mauereidechse. Foto: dpa
Niedlich anzusehen und in Stuttgart zahlreich anzutreffen: die Mauereidechse. Foto: dpa

Stuttgart - Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs von Untertürkheim sollen einmal jene Züge gepflegt und gewartet werden, die nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 die Stadt ansteuern. Dafür will die Deutsche Bahn in dem Neckarvorort einen Abstellbahnhof bauen. Doch für den entsprechenden Abschnitt hat sie nach wie vor keine Baugenehmigung. Die soll am Ende des Verfahrens stehen, das der Schienenkonzern am Freitag überhaupt erst in Gang setzt. Dann sollen die entsprechenden Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt (Eba) eingereicht werden.

Die Experten der Genehmigungsbehörde werden sich nicht nur mit eisenbahntechnischen Fragen auseinandersetzen müssen. Denn dort, wo die Bahn ihren Abstellbahnhof bauen möchte, liegen heute schon Gleise – und zwischen denen fühlen sich Eidechsen besonders wohl. Auf bis zu 6500 Tiere schätzt die Bahn die Population in Untertürkheim. Die Tiere stehen unter Artenschutz. Wie mit ihnen umzugehen ist, muss daher in dem Verfahren beim Eba geklärt werden.

Finanzierung, Planung, Proteste: Die zehn wichtigsten Fakten zu Stuttgart 21 sehen Sie im Video:

Gentests bei den Eidechsen

Bereits geklärt werden konnte hingegen die Frage, um welche Eidechsen genau es sich in Untertürkheim handelt. Denn Mauereidechse, das ist die Art in Untertürkheim, kann sich von Mauereidechse unterscheiden. Nach Angaben eines Projektsprechers gab es ein ursprüngliches Vorkommen, das sich nach und nach mit aus Italien zugewanderten Tieren vermengte. Diese sollen auf Güterzügen als blinde Passagiere ihren Weg über die Alpen gefunden haben. Genauen Aufschluss über die Herkunft brachten Gentests bei diesen Tieren.

Diese Art von Untersuchung legt auch ein Leitfaden nahe, den die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) im Jahr 2014 veröffentlicht hat. In dem „Praxisorientierte Umsetzung des strengen Artenschutzes am Beispiel von Zaun- und Mauereidechsen“ überschriebenen Papier heißt es unter anderem in einem Forderungskatalog: „Bei Umsiedlungen, Wiederansiedlungen und Neuansiedlungen ist darauf zu achten, dass nur die autochthone genetische Linie in die Natur ausgebracht wird. Da phänotypische Bestimmungen falsch sein können, ist eine Bestätigung mittels Genanalyse durchzuführen.“ Im Klartext: Nur ursprünglich vorkommende Arten dürfen umgesiedelt werden. Das Erscheinungsbild kann trügen, Sicherheit bringt nur der Blick ins Erbgut.