Stuttgart 21 Schwächt der Tiefbahnhof die S-Bahn?

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Der Verkehrsclub Deutschland kritisiert die Werbebroschüre des Verbandes Region Stuttgart - Stuttgart 21 bringe Probleme für die S-Bahn.

 Foto: dpa (Symbolfoto)
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Stuttgart - Lauter gute Nachrichten über Stuttgart 21 hat der Verband Region Stuttgart (VRS) den Haushalten in der Region in die Briefkästen gesteckt. In der rund eine Million Euro teuren Werbebroschüre wird auch erklärt, dass das umstrittene Schienenprojekt das "Rückgrat der Region" - die S-Bahn - stärke und dieser neue Entwicklungschancen biete. Diese Botschaft ist bei Matthias Lieb, dem Landesvorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nicht gut angekommen: "Die S-Bahn wird durch Stuttgart21 störungsanfälliger und unzuverlässiger", hält der Kritiker des Projekts dagegen.

Für Lieb bringt der zwischen dem Hauptbahnhof und Bad Cannstatt geplante neue S-Bahn-Halt Mittnachtstraße keine neue S-Bahn-Qualität. "Die Mittnachtstraße ist ein neuer Engpass vor oder hinter der hochbelasteten Stammstrecke zwischen Schwabstraße und Hauptbahnhof." Heute seien im Berufsverkehr sechs Linien im 2,5-Minuten-Takt auf der unterirdischen Strecke unterwegs, die wegen S21 bis zur Station Mittnachtstraße verlängert werden solle. "Damit wird die Überlastung des S-Bahn-Systems in der Hauptverkehrszeit noch verstärkt", bemängelt Lieb.

Der VRS sieht die Dinge in seiner Werbebroschüre anders. Die S-Bahnen aus Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt könnten künftig auf eigenen Gleisen fahren, was die Fahrbahnstabilität verbessere. Auch im Neckartal werde die S-Bahn entlastet, weil Regionalzüge wegen S21 die Ferngleise nutzen können. Zudem könnten S-Bahnen später bei Störungen auch durch den neuen Fildertunnel zum Flughafen fahren. Das "zwischen der Station Mittnachtstraße und dem Hauptbahnhof vorgesehene Wendegleis" könne zudem kleinere Störungen im Betriebsablauf der S-Bahn flexibler behandeln.

Zusätzliche Haltestelle problematisch

Den Kritiker Lieb überzeugt das nicht. Für ihn kann das Wendegleis seine Aufgabe im Störfall gar nicht erfüllen, "weil es innerhalb der verlängerten und überlasteten Stammstrecke liegt". Der neue Halt Mittnachtstraße verursacht laut VCD zudem eine rund zweiminütige Fahrzeitverlängerung. Das bringe den gesamten S-Bahn-Fahrplan durcheinander und gefährde Anschlüsse, etwa mit der Schönbuchbahn in Böblingen und der Ammertalbahn in Herrenberg. Und auf der Gäubahn kämen sich Regional- und Fernzüge mit den S-Bahnen in die Quere. "Die Gutachter von SMA haben die Mittnachtstraße bereits 2008 als ,Landkarte der Probleme' bezeichnet."

Auch der beim Stresstest favorisierte Linientausch im S-Bahn-Netz löst für Lieb die Probleme nicht. Bis jetzt endeten die Linien S4 aus Marbach, S5 aus Bietigheim-Bissingen und S6 aus Weil der Stadt in der Schwabstraße. Dieser Idee folgend sollten die genannten Züge bis Filderstadt, Herrenberg und bis zum Flughafen, die Linien S1 bis S3 bis zur Schwabstraße fahren. "Diesen Tausch lehnt der VRS wegen der Fahrzeitverlängerungen für Umsteiger ab", so Lieb. Das Land hingegen fordere den Tausch, weil der Regionalverkehr mit diesem Konzept ohne große Streckenausbauten fahrbar sei.

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