Stuttgart 21 SMA-Chef verteidigt seine Kombivariante

Von Thomas Braun 

Werner Stohler, der Chef der SMA, spricht Tacheles zum Thema Kombilösung bei Stuttgart 21. Gerhard Heimerl kontert per Brief an Geißler.  

Werner Stohler, Chef der SMA, wehrt sich mit einem Faktenscheck gegen Behauptungen der Kombilösungsgegner. Damit gefährdet er seinen Ruf als unabhängigen Bahnfachmann. Foto: dpa 2 Bilder
Werner Stohler, Chef der SMA, wehrt sich mit einem Faktenscheck gegen Behauptungen der Kombilösungsgegner. Damit gefährdet er seinen Ruf als unabhängigen Bahnfachmann. Foto: dpa

Stuttgart - Noch vor Kurzem galt Werner Stohler, der Chef der Schweizerischen Verkehrsberatungsfirma SMA, als keiner Seite zuzuordnender Bahnfachmann. Seit Stohler mit dem Schlichter hat, sind zumindest die Befürworter von Stuttgart 21 nicht mehr ganz so begeistert. Sie haben das Konzept nach kurzer Prüfung verworfen. Mit einem "Faktenscheck" wehrt sich Stohler nun gegen eine Reihe von Behauptungen und "Falschaussagen", die er in dem Prüfbericht ausgemacht haben will.

Südflügel: In dem Bericht hieß es, der Südflügel müsse bei der Kombilösung ebenso abgerissen werden wie bei S21. Stohler widerspricht; dies sei vermutlich nicht der Fall. Die geringere Breite des Tiefbahnhofs lasse den Erhalt zu.

Bäume: Diese müssten im Schlossgarten ebenso gefällt werden wie bei S 21, so die Projektpartner. Aber bei Weitem nicht so viele, kontert Stohler.

Planungszeit: Die Befürworter sagen, durch die Kombilösung würde ein Zeitverlust von mindestens zehn Jahren entstehen, weil neue Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren nötig seien. Für Stohler ist dies schlicht "eine nicht bewiesene Behauptung und deshalb zu prüfen".

Stadt- und Parkerweiterung: Bahn, Stadt und Region behaupten, bei der Kombivariante ließen sich die Parkerweiterung sowie der geplante neue Stadtteil nicht realisieren. Dies sei nicht richtig, entgegnet Stohler. Auch bei seiner Variante könne etwa die Fläche des heutigen Abstellbahnhofs anderweitig genutzt werden.

Kosten: Laut Schätzungen der Projektbefürworter wäre die Kombilösung mit 5,2 Milliarden Euro teurer als Stuttgart 21 mit offiziell maximal 4,5 Milliarden Euro. Der SMA-Chef hält einzelne Posten in dieser Prognose für zu hoch angesetzt und rechnet mit 2,5 bis drei Milliarden Euro.

Prompt reagierte der an der Prüfung beteiligte frühere Leiter des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Stuttgart, Gerhard Heimerl. In einem Brief an Geißler weist er den Vorwurf der Falschaussage vehement zurück. Die auf seine Idee von 1998 zurückgehende Variante weise ein deutlich schlechteres Kosten-Nutzen-Verhältnis als Stuttgart 21 auf.