Stuttgart 21 Stadt muss Autos vor dem Bahnhof dulden

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Der Umbau des Bonatz-Baus in Stuttgart ist genehmigt. Im Jahr 2019 soll es damit losgehen. Das Rathaus hat sich im Genehmigungsverfahren vergebens gegen die Möglichkeit gewehrt, dass Autos vor den Bahnhof fahren dürfen.

Das Eisenbahn-Bundesamt kommt zum Schluss, dass die geplanten Eingriffe beim Umbau des Bonatzbaus denkmalrechtlich zugelassen werden können. Foto: Ingenhoven/Deutsche Bahn
Das Eisenbahn-Bundesamt kommt zum Schluss, dass die geplanten Eingriffe beim Umbau des Bonatzbaus denkmalrechtlich zugelassen werden können. Foto: Ingenhoven/Deutsche Bahn

Stuttgart - Vom Jahr 2019 an sollen Teile des Bonatz-Baus abgerissen und neu aufgebaut werden. Entsprechende Pläne der Bahn genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt nun. Die Stadt Stuttgart hat sich im Verfahren nicht mit allen Forderungen durchsetzen können.

Die nun genehmigten Pläne sehen vor, das historische Gebäude in den beiden Bereichen zwischen der zum Arnulf-Klett-Platz führenden Mittelhalle und der Großen Schalterhalle einerseits und der Kleinen Schalterhalle andererseits zu entkernen und neu aufzubauen. Der Neubau soll zudem um zwei Geschosse höher werden. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Bahnhofs soll Strom produzieren. Nicht entschieden hat die Bundesbehörde über die von der Bahn angestrebte Nutzung der neuen Räume als Hotel. Diese Frage sei mit den jeweils zuständigen Behörden zu klären.

Das Eisenbahn-Bundesamt verweist auf Beschlüsse von 2005

Gleichwohl nimmt die angestrebte Hotelnutzung breiten Raum in dem Eba-Beschluss ein. Im Verfahren hatte das Stadtplanungsamt einer geplanten Hotelvorfahrt im Bereich des Arnulf-Klett-Platzes und der Schillerstraße eine Absage erteilt. Diese, so das Argument der Stadt, würde „die vorgesehene weitere städtebauliche Entwicklung der Schillerstraße im Zuge der Herausnahme dieser Straße aus dem Cityring-Konzept und der anschließenden Verkehrsberuhigung stark beeinträchtigen“.

Eine Sichtweise, der sich das Eba nicht anschloss. Vielmehr verwies die Bonner Behörde darauf, dass in der den Planungen zugrunde liegenden Genehmigung aus dem Jahr 2005 festgelegt sei, „dass die verkehrliche Erschließung des Hauptbahnhofes Stuttgart unter anderem durch den Arnulf-Klett-Platz als Verknüpfungspunkt“ und dass die Zu- und Abfahrt zu diesem „wiederum über das den Bahnhof ringförmig umgebende Straßennetz erfolgt und dass an den Verknüpfungspunkten, also auch dem Arnulf-Klett-Platz als Bahnhofsvorplatz und Vorfahrtsbereich, die Einrichtungen zur Abwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs sowie des motorisierten Individualverkehrs angeboten werden“. Wie die Stadt mit dieser Entscheidung umgeht, blieb am Donnerstag unklar. Für die Beantwortung entsprechender Fragen benötigte das Rathaus etwas länger.

 

 

Auch zu Aspekten des Denkmalschutzes äußert sich das Eba. Der wuchtige Bau wird als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ geführt. Und obwohl der aktuelle Plan vorsieht, die Bereiche links und rechts der Mittelhalle abzureißen und komplett neu aufzubauen, bleibe „der Bonatz-Bau in seiner jetzigen Form und Funktion als Bahnhofsgebäude erhalten. Die das Stadtbild prägende Fassade wird durch diese Maßnahme nicht verändert“, befindet das Eba. Den zum Umbau anstehenden Gebäudebereichen, die sich zum einen zwischen der Großen Schalterhalle und dem Mitteleingang sowie zwischen der Kleinen ­Schalterhalle und dem Mitteleingang befinden, kommt „in der bisherigen Form eine nur untergeordnete Bedeutung zu“. Das Eba kommt zum Schluss, „dass die Eingriffe denkmalrechtlich zugelassen werden können“.

Umbaupläne haben Kritik herorgerufen

Peter Dübbers, der Enkel des Bahnhofserbauers Paul Bonatz, konstatierte, der geplante Umbau lasse das Gebäude zum „Potemkin’schen Dorf“ verkommen. Er drang allerdings mit seiner Kritik nicht durch. Vom Eba musste er sich sagen lassen, dass das von seinem Großvater entworfene Gebäude „im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert und modernisiert“ worden sei. „Der Urheber Paul Bonatz zeigte sich gegenüber Modernisierungen zu Lebzeiten offen“.

Kritik an den Umbauplänen, insbesondere an der Tatsache, dass Hotelräume und weitere Einkaufsmöglichkeiten im BonatzBau entstehen sollen, war bereits im Juni aufgekommen. Hannes Rockenbauch, Fraktionsvorsitzender von SÖS/Linke-plus im Gemeinderat, monierte damals, „dass öffentlicher Raum in bester Lage privatisiert wird“.