Stuttgart 21 Stadt verbietet der Bahn Bohrungen im Gipskeuper

Von Jörg Nauke 

Die Deckschicht des Mineralwassers darf nicht angetastet werden. Auch die Befürworter des Projekts Stuttgart 21 im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats stimmen den Grünen zu.

Der Gemeinderat möchte nicht, dass die Bahn im Schlossgarten tiefer bohrt, als ursprünglich geplant. Foto: Archiv 9 Bilder
Der Gemeinderat möchte nicht, dass die Bahn im Schlossgarten tiefer bohrt, als ursprünglich geplant. Foto: Archiv

Stuttgart - Der Technikausschuss des Gemeinderats hat am Dienstag einstimmig die Forderung der Grünen unterstützt, der Bahn das Anbohren der Grundgipsschichten ausdrücklich zu verbieten. Das Anbohren schließt der Planfeststellungsbeschluss von 2005 ohnehin aus; gestattet wären punktuelle Eingriffe an der Oberfläche. Die Stadträte sahen sich aber zur Aussage gezwungen, da im elften Änderungsverfahren für den S-21-Tiefbahnhof die Bahn nicht nur 250 bis 300 zusätzliche Bohrpfähle (ein Plus von acht Prozent) beantragt hat, sondern bei der Haltestelle „Staatsgalerie“ diese Pfähle bis zu sechs Meter tief in den Gipskeuper rammen will.

Der Gemeinderat will ins Verfahren eingebunden werden

Diese Deckschicht verhindert, dass das unter Druck stehende Mineralwasser nach oben schießt. Alternative Planungen, so heißt es im Grünen-Antrag, seien „der Stadt zur Prüfung und zur Freigabe vorzulegen“. Die Frage, ob eine Verengung des Grundwasserleiters unter dem Bahnhof um 25 Prozent bei Starkregen ausreichend sei, hat die Verwaltung am Dienstag geklärt. Der Abflussdurchmesser sei auf ein Hochwasser ausgelegt, das nur alle 200 Jahre zu erwarten sei. Ein Mitarbeiter des Umweltamts führte zudem aus, dass der Grundwasserspiegel künftig in Stuttgart wegen der prognostizierten Trockenheit tendenziell sinken werde. Starkregen produziere in erster Linie Oberflächenwasser.

Die Ursache für die Planänderung ist der wenig tragfähige Untergrund. Die Bahn spricht von „nur gering tragfähigen bindigen Talablagerungen, durchsetzt mit organischen Bestandteilen und torfigen Einlagerungen“. Im südlichen Bahnhofsbereich ergäben sich „trotz Inanspruchnahme günstiger Berechnungsannahmen sehr große Setzungen“.

Im Ausschuss wurde auch über eine bis zu einer Tiefe von 40 Metern mit Talablagerungen und Bodenbrei verfüllte Senke gesprochen. Die Doline soll eine Ausdehnung von zehn mal zehn Metern haben. Für sie sei eine „entsprechend reduzierte Bettung zu berücksichtigen, was die Setzungsproblematik weiter verschlechtert“, räumt die Bahn ein. Der Ausschuss hat von der Stellungnahme der Verwaltung am Dienstag Kenntnis genommen. Eine Woche zuvor hatten sich die Grünen verweigert, weil Bürgermeister Matthias Hahn (SPD) weder die kritische Stellungnahme seines Umweltamts noch die Begründung der Bahn für die Umplanung präsentiert hatte. Hahn bedauerte dies am Dienstag und kündigte eine bessere Information an. Peter Pätzold (Grüne) sieht sich durch den Beschluss darin bestärkt, Bahn und Verwaltung auch künftig auf die Finger schauen zu müssen. Noch in der Vorwoche hatten die Projektbefürworterparteien kritische Nachfragen als unangemessen bezeichnet, weil sie nur eines zum Ziel hätten: das Projekt zu verzögern.

Sinneswandel bei Befürwortern

Davor warnt auch der für CDU, FDP und Freie Wähler antretende OB-Kandidat Sebastian Turner. Er hatte am Samstag gesagt, die Zeiten der Debatten über Gipskeuperschichten sind vorbei“. Auf Nachfrage betonte er nun: „Ich werde als OB die Bahn antreiben, dass sie alle Anforderungen beim Grundwasser und auch zum Schutz des Mineralwassers erfüllt.“

Sonderthemen