Stuttgart 21 Stahlkolosse fressen sich durch Filderböden

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Bei den Erdbauarbeiten im Rahmen von Stuttgart 21 kommen bei Neuhausen Scraper zum Einsatz. Mit den Maschinen wird die neue A 8-Anschlussstelle Esslingen vorbereitet.

Ein Scraper (links) im Einsatz. Zur Not schiebt ihn der Bulldozer an. Foto: Michael Steinert
Ein Scraper (links) im Einsatz. Zur Not schiebt ihn der Bulldozer an. Foto: Michael Steinert

Neuhausen - Gewaltige Erdmengen werden bewegt, um in Fahrtrichtung Karlsruhe die neue Anschlussstelle Esslingen zur A 8 zu bauen. Weil der Zugverkehr auf der neuen Trasse Stuttgart-Ulm künftig über die Auf- und Abfahrt geleitet wird, muss bis zu sieben Meter tief in die Erde gegraben werden. Ist alles fertig, dann gelangen Autofahrer unter einer Eisenbahnbrücke hindurch auf die Autobahn. Der bestehende Anschluss Esslingen auf der nördlichen Seite der A 8 wird aufgegeben.

Gut die Hälfte des Aushubs bleibt auf der Baustelle

Seit dem Herbst laufen die Erdbauarbeiten für die rund sechs Kilometer lange Eisenbahnstrecke im Abschnitt „Filderbereich bis Wendlingen“ bereits. In der jetzigen Phase kommen fünf sogenannte Scraper zum Einsatz. Diese auch Schürfzüge genannten Baumaschinen mit einem Leergewicht von 45 Tonnen hobeln quasi den Boden ab. Der Koloss schaufelt den Aushub in einen riesigen Kübel, und im Bauch des Scrapers kann die Erde an die Stelle gebracht werden, so sie hin soll.

Wie der Projektingenieur Marco Büscher bei einem Vororttermin gegenüber Pressevertretern erklärt, werden bis zu 60 Prozent des Aushubs im Bereich der Baustelle für die Arbeiten wieder eingesetzt. Ein Teil der nicht benötigten Erde wird nach Schlattstall und Erkenbrechtsweiler gebracht, um die dortigen Steinbruchgruben für Renaturierungszwecke zu füllen. Einen anderen Teil des fruchtbaren Bodens nehmen laut Marco Büscher zwei Landwirte auf den Fildern ab, bei einem von ihnen seien das immerhin circa 8000 Kubikmeter Erde.

Bis zum Jahresende sollen die Erdarbeiten fertig sein

Das entspricht in etwa dem Volumen, das die Scraper-Kolonne auf der Baustelle binnen zwei Tagen abträgt. „Bis zu 4800 Kubikmeter werden täglich bewegt“, sagt der Bahningenieur Marco Büscher – das sind knapp 10 000 Tonnen. Ist der Aushub abgeschlossen – bis zum Jahresende oder bis Anfang des neuen Jahres sollte dies der Fall sein – kann mit dem Straßenaufbau begonnen werden.

Die Erdbauarbeiten werden von der französischen Firma Vinci ausgeführt, die den Zuschlag bei einer europaweiten Ausschreibung bekommen hatte. Ihr gehören auch die Scraper, die in Deutschland nur noch äußert selten zum Einsatz kommen. Inzwischen sind diese Maschinen, die in den 1990er-Jahren Marco Büscher zufolge noch verbreitet waren, weitgehend von Hydraulik-Baggern verdrängt worden, die sich bei hartem Gestein leichter tun. Hier jedoch auf den lehmigen Filderböden zeigten die Schürfzüge ihre Stärken. Nicolas Grass, Erdbauleiter bei Vinci, formuliert es so: „Der Scraper ist unschlagbar bei solchen lockeren Böden.“

Ein noch schwererer Bulldozer schiebt den Scraper an

Manchmal allerdings ist selbst der Gigant aus Stahl auf fremde Hilfe angewiesen. Immer wenn der Scraper nicht weiterkommt, dann springt ihm ein 60 Tonnen schwerer Bulldozer zur Seite. Das Kraftpaket schiebt den Scraper an und sorgt so dafür, dass sich letzterer die Erde wie vorgesehen einverleiben kann. Die Scraper und Bulldozer bewegen sich rasch auf der Baustelle. Die Arbeiter bilden ein eingespieltes Team, und die Koordination klappt entsprechend.

Im Dauereinsatz bei der in diesen Tagen herrschenden Trockenheit ist auch ein Traktor mit Wasserwagen. Alle paar Minuten fährt das Gespann auf der Baustraße die Autobahn entlang, um der Staubentwicklung entgegenzuwirken. Diese Maßnahme dient der Sicherheit der Autofahrer und dem Schutz der benachbarten landwirtschaftlichen Produktion, erläutert der Projektingenieur Marco Büscher.

Bombenfunde stehen nicht zu erwarten

Bisher sind die Erdarbeiten in dem Abschnitt ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Bombenfunde seit in diesem Bereich übrigens nicht zu erwarten, erklärt Marco Büscher. Untersuchungen wie beispielsweise eine Luftbildauswertung hätten „keinerlei Verdachtsflächen“ ergeben, sagt der Ingenieur.