Stuttgart 21 Die S-21-Kritiker haben einen ganz anderen Verdacht

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)
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Hans Heydemann und seine Mitstreiter von den Ingenieuren 22 hegen indes einen ganz anderen Verdacht. Sie vermuten, dass die Leitungen gezielt gespült worden seien, um die hohe Belastung zu verdecken und nun bei Messungen wieder normale Werte zu erreichen. Dabei stützen sie sich auf Beobachtungen in der vergangenen Woche, als verschiedene Einsätze der für das S-21-Grundwassermanagement tätigen Firma Hölscher für Aufsehen im Stuttgarter Osten gesorgt hatten. Mitarbeiter des Unternehmens ließen am Montag, 26. Mai, an der Kernerstraße (oberhalb der Werastraße) und an der Sängerstaffel im Bereich der Urbanstraße Wasser ins öffentliche Kanalnetz ab. S-21-Gegner dokumentierten das Vorgehen auf Fotos und Videos.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie Arbeiter am Ende des oberirdischen blauen Rohrleitungssystems kurz vor dem grauen Technikkasten, der mit Messgeräten ausgestattet ist, einen Schlauch anschließen, in dem dann Wasser aus dem System in einen naheliegenden Gully geleitet wird. Eine Sprecherin des S-21-Kommunikationsbüros bestätigt die Maßnahmen, weist aber die Vermutung der Ingenieure 22 und anderer Anwohner zurück, dass die Spülung das Ziel gehabt habe, belastetes Wasser abzulassen. „Ein Zusammenhang der Aktionen mit den Behauptungen der Ingenieure 22 besteht nicht“, sagte sie auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung. Ihren Angaben zufolge handelte es sich „um eine Spülung der Infiltrationsleitungen, die standardmäßig nach Abschluss der Montage beziehungsweise grundsätzlich vor der Inbetriebnahme an den einzelnen Rohrleitungssträngen erfolgt. Hintergrund ist die Reinigung von Montagerückständen.“ Die Sprecherin bestätigte, dass „der beschriebene Regelprozess“ am Montag, 26. Mai, erfolgte, und zwar „an einem jetzt fertiggestellten Rohrleitungsstrang im Bereich der Werastraße/Urbanstraße im Kernerviertel.“ Hierbei sei Wasser am Ende der Rohrleitungen in den Abwasserkanal eingeleitet worden. „Diese Wassermengen werden dokumentiert und mit dem Kanalbetreiber verrechnet“, sagte sie.

Während die Bahn und die Stadt die Vorwürfe der Ingenieure 22 damit erneut als entkräftet ansehen, hat die Gruppe vor Wochen auch das Eisenbahnbundesamt, das Landesumweltministerium und das Regierungspräsidium informiert. „Von dort haben wir noch keine Reaktionen erhalten“, so Heydemann. Er wirft den beteiligten Stellen vor, sie wollten „auf die Schnelle“ von der Problematik ablenken. Doch auf Dauer lasse sich auch mit Spülaktionen der Rostbefall in den Rohren nicht vermeiden.

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