Stuttgart 21 Stresstest geht in die Verlängerung

An Heiner Geißler scheiden sich die Geister: Der FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke ist sich nicht mehr sicher, ob er der Sache dient, OB Schuster hingegen schon. Foto: dpa
An Heiner Geißler scheiden sich die Geister: Der FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke ist sich nicht mehr sicher, ob er der Sache dient, OB Schuster hingegen schon. Foto: dpa

Die Schweizer Gutachter benötigen mehr Zeit für die Prüfung der bahninternen Fahrplansimulation. Erst Ende Juli soll ihr Testat präsentiert werden.

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Stuttgart - Am Freitagvormittag hatte es im Stuttgarter Rathaus bei einer weiteren Vorbesprechung zum Stuttgart-21-Stresstest wieder hektische Pendeldiplomatie gegeben. In getrennten Gesprächen mit Vertretern der Bahn, Projektbefürwortern und -gegnern lotete Heiner Geißler die zeitlichen Spielräume aller Parteien aus. Während die Bahn auf den Start des Vergabeverfahrens am 15. Juli pochte, hatte das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 damit gedroht, der geplanten Veranstaltung am 14. Juli fernzubleiben, falls man nicht mehr Zeit bekomme, die Unterlagen der Bahn und das SMA-Gutachten zu prüfen.

Um 11.30 Uhr verkündete Geißler das Ergebnis seiner Besprechungen: Der Termin 14. Juli ist vom Tisch, weil die mit der Begutachtung der bahneigenen Fahrplansimulation beauftragten Schweizer Verkehrsexperten der Firma SMA ihr Testat erst am 21. Juli fertigstellen könnten. Das Gutachten soll dann zunächst den Projektträgern Land, Stadt und Region übergeben werden. "Ende Juli, voraussichtlich acht Tage später, kann dann die öffentliche Präsentation des Stresstests stattfinden", sagte Geißler. Auf einen exakten Termin habe man sich aber nicht verständigt. Vor der Übergabe des SMA-Papiers soll es zudem am 19. Juli eine weitere Informationssitzung geben, bei der die Schweizer offenbar bereits die Grundzüge ihrer Expertise den Projektbefürwortern und -gegnern vorstellen.

Keine positive Vergabe vor der Präsentation

Geißler gab zudem bekannt, dass die Bahn zwar wie angekündigt das Vergabeverfahren für den Bau des Fildertunnels sowie einer weiteren Röhre "aus rechtlichen Gründen" am 15. Juli einleiten werde. Zunächst werde die Bahn allerdings jenen Bietern schriftlich absagen, die dabei nicht zum Zug gekommen sind. "Es findet aber keine positive Vergabe vor der Präsentation statt", so Geißler. Im Klartext: den Zuschlag für den Tunnelbau wird die Bahn erst erteilen, wenn SMA der Bahn ihr Zeugnis ausgestellt hat. Mit dem Stresstest muss der Konzern laut dem Schlichterspruch von Geißler nachweisen, dass der geplante S-21-Tiefbahnhof eine um 30 Prozent höhere Leistungsfähigkeit hat als der Kopfbahnhof.

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Brigitte Dahlbender, sagte im Anschluss an die Sitzung, es gebe zu denken, dass die Bahn die Vergabe der Bauaufträge "nun doch verschieben kann". Sie kritisierte, dass in den Funktionstest weder eine Störfallsimulation noch ein Notfallkonzept und auch nicht die künftige Nutzung der Gäubahn einbezogen sei. Die Nachfragen des Bündnisses hätten dazu geführt, dass SMA eigene Erkenntnisse gewonnen habe und nun mehr Zeit zur Prüfung brauche.

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