Bahnverkehr in Stuttgart Stuttgart 21 kämpft am Flughafen mit Verspätungen

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Für die Inbetriebnahme der Gäubahnanbindung an den Flughafen im Rahmen von Stuttgart 21 nennt die Bahn keinen Termin. Der Verkehrsminister warnt, die Züge aus dem Süden könnten für Jahre in Vaihingen enden.

OB Fritz Kuhn, Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Verkehrsminister Winfried Hermann und Regionalpräsident Thomas Bopp (v.r.) informieren nach dem Lenkungskreis. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
OB Fritz Kuhn, Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Verkehrsminister Winfried Hermann und Regionalpräsident Thomas Bopp (v.r.) informieren nach dem Lenkungskreis. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Stuttgart 21 könnte im Abschnitt rund um den Flughafen zur Hängepartie werden. Der ohnehin schon zweigeteilte Bereich birgt zunehmend Unwägbarkeiten. Darauf machte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nach der Lenkungskreissitzung für Stuttgart 21 am Montag aufmerksam. „Das ist ein Problembereich. Und der macht den Partnern Sorge“, sagte Hermann nach dem Treffen mit Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Oberbürgermeister Fritz Kuhn sowie Regionalpräsident Thomas Bopp.

Finanzierungsvertrag für Regionalhalt fehlt noch

Die Projektgesellschaft könne für den im Bahnjargon 1.3b genannten Anschluss der Gäubahn an den Flughafen nebst dort um ein weiteres Gleis ergänzter S-Bahnstation keinen Fertigstellungstermin nennen. Da die Züge aus dem Süden des Landes aber wegen Bauarbeiten für S 21 nicht mehr in den Talkessel werden fahren können, gewinnt der Bahnhof in Vaihingen an Bedeutung, der zum Regionalhalt ausgebaut werden soll, wo Fahrgäste womöglich jahrelang von den Gäubahn-Zügen auf S-Bahnen umsteigen müssen. Der Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung sei für dieses Jahr vorgesehen, „aber auch ein Abschluss im neuen Jahr hätte keine negative Auswirkung auf den Zeitplan“, erklärt ein Sprecher Hermanns. Der ausgebaute Halt soll im Jahr 2020 in Betrieb gehen.

Womöglich könnten dann auch vier statt heute drei S-Bahnlinien von der Innenstadt auf die Filder fahren. Voraussetzung dafür ist aber der Einbau einer digitalen Sicherungstechnik, dem European Train Control System (ETCS), wie Regionalpräsident Thomas Bopp erklärte. Das S-21-Spitzengremium war sich einig, dass diese Technik Standard im kompletten neuen Stuttgarter Bahnknoten werden soll. Dafür braucht es aber eine Finanzierung durch den Bund. „Das werden in den kommenden zwölf Monaten spannende Verhandlungen“, prophezeite Bahnvorstand Pofalla. Die Bahn will die Technik nicht nur in Stuttgart implementieren sondern hat ein Programm „Digitale Schiene Deutschland“ ersonnen.

Kuhn sieht weiteren Ausbaubedarf

Die neuen Technologien sollen helfen, die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes ohne aufwendige Infrastrukturprojekte zu erhöhen. Nach Pofallas Worten ließe sich die Kapazität im Stuttgarter S-Bahnnetz um zehn Prozent erhöhen, im Netz der DB durchschnittlich um 20 Prozent. Das hat seinen Preis: Bis 2025 würden 1,7 Milliarden Euro fällig. Für OB Kuhn wäre die Umrüstung des Stuttgarter S-Bahnnetzes wie gemacht für ein „Leuchtturmprojekt der Digitalisierungsstrategie des Bundes“. Gleichwohl ersetze das weiteren Infrastrukturausbau nicht. „Zusätzliche Gleise von Feuerbach nach Zuffenhausen sind damit genauso wenig vom Tisch wie die T-Spange“, sagte Kuhn. Der OB wie auch Hermann zeigten sich zufrieden mit den Arbeiten in der schwierigen Geologie des Anhydrits. „Da ist Entwarnung angesagt“, so der Minister.

Noch keine Entspannung zeichnet sich hingegen in der Frage ab, wer für die Mehrkosten aufkommt. Derzeit sind 4,5 Milliarden Euro finanziert, kosten wird Stuttgart 21 aber womöglich bis zu 8,2 Milliarden Euro. Die Bahn klagt auf eine Beteiligung der Projektpartner. „Aber unsere Tür für Gespräche ist offen“, sagte Pofalla. „So offen die Tür der Bahn ist, so geschlossen ist der Kostendeckel“, konterte Minister Hermann.