Stuttgart 21 Tiefbahnhof von Stuttgarter Firma

Von Markus Heffner 

Die Bahn hat am Dienstag im Rahmen von Stuttgart 21 die Aufträge für zwei Tunnel und den Bahnhofstrog im Schlossgarten vergeben.

Zwei Bauunternehmen aus der Region haben Großaufträge erhalten. Foto: FACTUM-WEISE 24 Bilder
Zwei Bauunternehmen aus der Region haben Großaufträge erhalten. Foto: FACTUM-WEISE

Stuttgart - Nach dem mehrfach korrigierten Zeitplan der Deutschen Bahn hätten die beiden Großaufträge für den Bau des neuen Tiefbahnhofs sowie die Tunnelröhren nach Feuerbach und Bad Cannstatt spätestens im Herbst des vergangenen Jahres vergeben sein sollen, nun ist es Mitte März 2012 geworden. Über beide Abschnitte, also die Planfeststellungen 1.1 und 1.5, hat die Bahn laut Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Montag in der Zentrale in Berlin entschieden. Zeitverzögernder Faktor war neben technischen Fragen offenbar vor allem der Preis, über den bis zuletzt verhandelt wurde.

Den Zuschlag für den Rohbau des Tiefbahnhofs hat, für die Landeshauptstadt erfreulich, eine Bietergemeinschaft unter der Führung der Stuttgarter Firma Züblin erhalten. Teil dieses Bauabschnitts sind zudem die Verbindungsröhre zwischen Bahnhof und Fildertunnel, der viel diskutierte Nesenbach-Düker, der unter den Bahnhofstrog verlegt werden muss, sowie ein weiterer Düker.

800 Millionen Euro für die beiden großen Aufträge

Eine Firma aus der Region Stuttgart ist zudem auch bei der zweiten großen Vergabe zum Zug gekommen: Die Baresel GmbH, deren Firmenzentrale an der Ulmer Straße in Leinfelden-Echterdingen steht, hat federführend für eine weitere Bietergemeinschaft den Auftrag für den Bau der Tunnelröhre nach Feuerbach erhalten. Den zweiten Tunnel nach Bad Cannstatt, der ebenfalls zu diesem Planfeststellungsabschnitt gehört und in einem zweiten Los zugeteilt wurde, wird unter Führung des Essener Unternehmens Hochtief gebaut. Zudem wurden nach Informationen der Stuttgarter Zeitung die Firmen Fischer aus Weilheim und Keller Bau aus Süssen mit dem Bau des Technikgebäudes beauftragt.

Auf zusammen 800 Millionen Euro beläuft sich das Volumen für die beiden großen Vergaben, die europaweit ausgeschrieben werden mussten. Mit gut 300 Millionen Euro ist dabei der gesamte Abschnitt Tiefbahnhof veranschlagt, 500 Millionen Euro entfallen auf die beiden Tunnelbauwerke. Insgesamt seien nun 50 Prozent des Bauvolumens und 90 Prozent der Tunnel für Stuttgart 21 vergeben, sagt Infrastrukturvorstand Volker Kefer. „Die Kostensituation für das Projekt hat sich damit weiter stabilisiert.“

Kaum Spielraum für weitere Kostensteigerungen

Viel Spielraum für weitere Kostensteigerungen gibt es allerdings auch nicht mehr. Bereits bei der letzten Sitzung des Lenkungskreises im September vergangenen Jahres hatte die Bahn einräumen müssen, nach Vergabe der Hälfte des Bauvolumens rund 240 Millionen Euro über dem kalkulierten Budget zu liegen – weshalb der Gesamtwertumfang von 4,1 auf 4,3 Milliarden Euro erhöht werden soll. Die Projektpartner müssen dafür allerdings noch grünes Licht geben, was auf der nächsten Lenkungskreissitzung am 23. März passieren soll. Ein weiteres Thema werden außerdem jene 80 Millionen Euro sein, die von der Bahn als Folgekosten aus der Schlichtung angegeben werden. Die Bahn fordert, dass für diesen Posten eine zusätzliche Finanzierungsvereinbarung zwischen den Projektpartnern abgeschlossen wird.

Bahn hinter ihrem Zeitplan

Zudem wird wohl auch über die weitere Terminplanung zu reden sein, insbesondere über das nach wie vor offiziell veranschlagte Bauende im Dezember 2019. Nach ursprünglichem Zeitplan hatte die Bahn bereits im Juni 2011 mit den zentralen Hauptbaumaßnahmen beginnen wollen, diese Terminierung wurde aber erst jüngst auf Anfang des nächsten Jahres verschoben. Um im Januar tatsächlich in die Tiefe graben zu können, muss zuvor allerdings die Grundwassermanagementanlage in Betrieb gehen. Auch das sollte eigentlich noch dieses Jahr passieren, musste aber ebenfalls verschoben werden. Zum einen wartet die Bahn noch auf den Abschluss eines ergänzenden Artenschutzverfahrens, um die restlichen Rohre im Schlossgarten verlegen zu können. Zudem muss das Eisenbahnbundesamt noch eine weitere Planänderung genehmigen, damit die Bahn mehr Grundwasser als geplant abpumpen darf.

Update: Im ersten Satz hatten wir zunächst angegeben, die Aufträge seien im April vergeben worden. Wir haben den Fehler korrigiert.