ICE-Tunnel am Aichelberg Eine Meisterleistung im Verborgenen

Von  

„Nur“ 253 Meter lang ist der ICE-Tunnel, der zudem auch noch unter dem Autobahnrastplatz „Am Aichelberg“ verschwinden wird. Und doch ist er das Herzstück eines Bauabschnitts, der die Ingenieure vor große Herausforderungen gestellt hat.

Der ICE-Tunnel Rastplatz Aichelberg  – hier der Blick aus dem  Ostportal  auf die Schwäbische Alb – ist im Rohbau fertig. Foto: Horst Rudel 7 Bilder
Der ICE-Tunnel Rastplatz Aichelberg – hier der Blick aus dem Ostportal auf die Schwäbische Alb – ist im Rohbau fertig. Foto: Horst Rudel

Weilheim - Es liegt in der Natur eines Tunnels, dass er sich den Blicken der Öffentlichkeit entzieht. Für die jetzt im Rohbau fertig gestellte 253 Meter lange unterirdische Röhre entlang der Autobahn 8 gilt das in zweifacher Hinsicht. 26 Tunnelblöcke und die beiden Portale sind in den vergangenen 15 Monaten ausbetoniert und neben der sanft in Richtung Schwäbische Alb ansteigenden Schnellstraße im Boden versenkt worden. Um dem in naher Zukunft zwischen Ulm und Stuttgart verkehrenden ICE eine Geschwindigkeit von 250 Kilometern in der Stunde zu ermöglichen, sind 1700 Lastwagenladungen Beton in die Posidonienschieferschichten des Albvorlands eingebaut worden.

Eine Meisterleistung – und trotzdem blickt Peter Wer, der für den Bau des Tunnels mit dem Namen Rastplatz am Aichelberg zuständige Teamleiter, ein bisschen neidisch auf seine Kollegen in den angrenzenden Abschnitten. Die beiden jeweils mehr als acht Kilometer langen Tunnelbohrungen unter dem Albvorland und unter dem Boßler hindurch werden als großes Kino verkauft, während „seine“ Baustelle, die zu allem Überfluss ohnehin bald wieder unter dem darüber neu angelegten Autobahnrastplatz verschwinden wird, jenseits der Fachwelt kaum wahrgenommen worden ist.

Hohe Ingenieurskunst gefragt

Zu Unrecht, wie Peter Wer findet. „Durch einen bergmännisch vorangetriebenen Tunnel bohrt sich die Maschine, einmal angesetzt, von alleine“, sagt er. Auf dem mit 1,6 Kilometer langen Teilstück, das die beiden Röhren im Albvorland und unter dem Boßler miteinander verbindet, ist dagegen hohe Ingenieurskunst gefragt gewesen. Denn nicht nur das Herzstück, der 253 Meter lange, 12,30 Meter breite und 7,70 Meter hohe Tunnel, sondern auch die östlich und westlich anschließenden Abschnitte haben es in sich gehabt.

In den Spitzenzeiten waren mehr als 140 Arbeiter damit beschäftigt, eine Eisenbahnüberführung über den Seebach, eine Bahnbrücke über die Holzmadener Straße, eine Grundwasserwanne für das Gleisbett, ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 80 000 Kubikmeter inklusive einer elf Meter hohen Staumauer, eine Lärmschutzwand und eine Reihe von Stützwänden entlang der Autobahn zu bauen. Zusätzlich standen die Ingenieure vor dem Problem, beim Bau der Trasse nicht nur die durchschnittlich 2,5 Prozent Steigung zu berücksichtigen, sondern auch den leichten, 2305 Meter Radius messenden Rechtsbogen, in dem sich der Schienenstrang in Richtung Schwäbische Alb zieht. „Die beiden Vorgaben aufeinander abzustimmen, war eine knifflige Aufgabe“, sagt Jörg Wüst, der Projektleiter der mit dem Bau beauftragten Arbeitsgemeinschaft Leonhard Weiß/Fischer.

3,6 Sekunden zwischen rein und raus

Und als ob das der Herausforderungen noch nicht genug gewesen wären, musste über die gesamte Bauzeit hinweg auch noch sichergestellt werden, dass die Lastwagen mit dem Aushub aus dem benachbarten Boßler-Tunnel über die Tunnelschneise hinweg zu der Behelfsauffahrt zur Autobahn abfahren konnten.

Selbst dann, wenn der ICE irgendwann einmal mit seiner Höchstgeschwindigkeit Anlauf auf die Schwäbische Alb nimmt, wird die Arbeit von Wüst und Wer von den Reisenden kaum wahrgenommen werden. Gerade Mal ganze 3,6 Sekunden dauert es, bis ein einfahrender ICE auf der anderen Seite der Röhre wieder herauskommt.

Kosten
Rund 39 Millionen Euro kostet der 1,6 Kilometer lange ICE-Streckenabschnitt, dessen Herzstück, der in offener Bauweise hergestellte, 253 Meter lange Tunnel, bald wieder unter dem Autobahnrastplatz am Aichelberg verschwinden wird. Um ein Aufschwimmen der Röhre im Grundwasser zu verhindern, ist die Tunnelsohle mit einer 2,5 Meter dicken Betonschicht ausgelegt.

Nutzen
Der rund 250 Stundenkilometer schnelle ICE benötigt für die Strecke zwischen Tunneleingang und Tunnelausgang gerade mal 3,6 Sekunden.