Stuttgart 21 und das Coronavirus Pofalla: 2024 rollen erste Züge bei S 21

Von Konstantin Schwarz 

Neue positive Testergebnisse zeigen gefährliche Schwächen bei den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zum Coronavirus auf. Die S-21-Partner einigen sich auf Digitaltechnik für den neuen Bahnknoten.

Auch auf Baustelle für Stuttgart 21 kommen sich die Arbeiter sehr nahe. Das Risiko für eine Ausbreitung des Coronavirus steigt daher. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auch auf Baustelle für Stuttgart 21 kommen sich die Arbeiter sehr nahe. Das Risiko für eine Ausbreitung des Coronavirus steigt daher. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Um den Bahnknoten Stuttgart 21 und alle Züge mit einer digitalen Steuerung auszustatten, ändern die Projektpartner erstmals den umstrittenen S-21-Finanzierungsvertrag. Die darin vereinbarten 160 Millionen Euro für ortsfeste Signale und herkömmliche Stellwerke sollen als Pauschalsumme für Digitales gelten. Das sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Freitag nach der Videokonferenz des politisch besetzten S-21-Lenkungskreises.

Die Digitalisierung sei eine „Investition in die dringend notwendige Verkehrswende“, so Pofalla, er spricht von „deutschlandweit 20 Prozent mehr Kapazität“. Bahn und Bund sollen bis Herbst eine Finanzierungsvereinbarung aushandeln, also ihre Anteile festschreiben. Summen wurden der Presse bei der Telefonkonferenz nicht genannt. Im November 2019 hatte Jens Bergmann, Vorstand Netzplanung und Großprojekte bei der DB Netz AG, von 490 Millionen Euro gesprochen. Land und Verband Region Stuttgart erwarten Zuschüsse für ihre Flotte. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) zeigten sich sehr zufrieden mit der Einigung.

Seit 2014 kämpft Region für Digitalisierung

„Wir setzen uns seit 2014 dafür ein, das ist ein Zeichen für die Region als innovatives Schaufenster der Republik“, so Bopp. „Es wäre ein Treppenwitz, wenn Stuttgart 21 mit alter Technik in Betrieb ginge“, so Hermann. „Wir alle wissen, dass ein solches Pilotprojekt auch ein Risiko beinhaltet“, so Hermann weiter. Das Land hatte mit seinen neuen Nahverkehrszügen extreme Anlaufschwierigkeiten, die Region vor Jahren mit den neuen S-Bahnen mit Schiebetritt ebenfalls. Das S-Bahn-Netz soll bis 2030 komplett digitalisiert werden, S-Bahnen und auch die Nahverkehrszüge werden daher mit zwei Systemen ausgestattet sein. „Wir werden in der Zukunft zuverlässiger und pünktlicher“, so Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne). Der Deutschlandtakt, der Zentren in je 30 Minuten verbinden soll, ist damit allerdings noch nicht erfüllbar. Um die Verbindung Mannheim–Stuttgart in dieser Zeit zu schaffen, müsse es zwei weitere Gleise im Nordzulauf auf den Tiefbahnhof geben, so Bopp.

Pofalla: Großzügiger Testzeitraum

Laut Pofalla besteht bei Stuttgart 21 genügend Puffer, um bei der Digitalisierung „mit kleineren Systemanpassungen auf die Software zu reagieren“. Die Inbetriebnahme im Dezember 2025 sei „weiter total realistisch“. In wenigen Wochen werde die zweite Röhre des Fildertunnels im Talkessel ankommen, Ende 2022 die ICE-Strecke Wendlingen–Ulm in Betrieb gehen, dort lägen bereits auf 30 Kilometern Gleise und stünden 800 Masten für die Oberleitung. 2024 solle es die ersten Versuche mit digital gesteuerten Zügen auf der S-21-Infrastruktur geben. „Wir werden über zwölf Monate haben, um testen zu können, das ist unter heutigen Gesichtspunkten eher großzügig bemessen“.

Auch das Coronavirus war bei der Sitzung des Lenkungskreises ein Thema. Die Stadt hatte am Vortag nach Tests 43 Arbeiter, die in zwei Wohnheimen untergebracht waren, isoliert. 13 Männer sind sicher infiziert, sechs hätten die Infektion entweder schon durchgemacht oder das Ergebnis sei unsicher, so Stadtsprecher Sven Matis auf Anfrage.

Kein Test für Arbeiter vorgesehen

Der erneute Corona-Fall bei S 21 offenbart ein erhebliches Risiko, das durch die bisherigen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und die bisherige Praxis gegeben ist. Die Arbeiter waren, da sie zuvor direkten Kontakt zu Kollegen mit einer Covid-19-Erkrankung hatten, die vorgeschriebenen 14 Tage in Quarantäne. Keiner der Männer wies nach Ablauf dere Frist Symptome der Krankheit auf, also hätten alle wieder auf die Baustelle gehen können. „Nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts hätte gar kein Test stattfinden müssen“, so Matis. Bahn-Vorstand Jens Bergmann erläuterte, dass die Bahn AG sich an die Allgemeinverfügungen der Länder und die Empfehlungen der Berufsgenossenschaften halte. Diese Vorgaben müssten alle beauftragten Unternehmen erfüllen. „Die Abläufe in Stuttgart entsprachen absolut den Vorgaben“, so Bergmann. Verbindliche Test nach dem Ende der Quarantäne gehören nicht dazu.

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