Der Kompromiss der Projektpartner kommt in Leinfelden-Echterdingen gut an. OB Roland Klenk sieht einige Probleme der bisherigen Planung auf den Fildern „entschärft“.

Filder-Zeitung: Norbert J. Leven (njl)

Leinfelden-Echterdingen - Kommunalpolitiker aus L.-E. kommentieren den in Berlin zwischen den Projektpartnern vereinbarten Kompromiss zur Anbindung des Projekts Stuttgart 21 an den Flughafen überwiegend positiv. Auch an der von der Bahn bekannt gegebenen Auftrennung des Genehmigungsverfahrens in zwei Abschnitte entzündet sich derzeit keine Kritik.

Oberbürgermeister Roland Klenk sagt auf Nachfrage: „Die Stadtverwaltung sieht das Ergebnis der Verhandlungen in Berlin positiv. Alles ist besser als die bisherige Antragstrasse.“ Persönlich habe er sich zwar die Variante „Filderbahnhof plus“ am Flughafen gewünscht. Der Kompromiss sieht stattdessen die Erweiterung der bisherigen S-Bahn-Station um ein drittes Gleis für den Regional- und Fernverkehr vor. „Man muss mit dieser Lösung zufrieden sein“, sagt Klenk.

Noch keine detaillierten Informationen

Insgesamt sieht der OB „einige Probleme der bisherigen Planung entschärft“. So entwickle beispielsweise die Rohrer Kurve nun weniger Störpotenzial für den S-Bahn-Verkehr, auf dessen Verlässlichkeit die Stadt L.-E. großen Wert lege. Die von der Bahn neu ins Spiel gebrachten Gleisüberleitungen in Leinfelden will Klenk noch nicht bewerten. Dazu lägen der Stadt noch keine detaillierten Informationen vor.

Auf dem Gleisabschnitt zwischen dem S-Bahnhof in Leinfelden und der Unterführung Stuttgarter Straße plant die Bahn nun den Einbau von Weichen. Diese sollen Regional- und Fernverkehrszügen die Option für einen Wechsel auf das Gegengleis eröffnen. „Wir wollen damit die betriebliche Flexibilität und Stabilität verbessern“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Durch einen Gleiswechsel können S-Bahnen, die auf ihrem Gleis bleiben, sowohl auf dem Abschnitt zwischen der Rohrer Kurve und Leinfelden als auch zwischen Leinfelden und Flughafen überholt werden. Der Sprecher weist aber ausdrücklich darauf hin, dass von dieser Möglichkeit „nur im außerplanmäßigen Betriebsfall“ Gebrauch gemacht werden solle. Weitere Überleitungsstellen seien zurzeit nicht vorgesehen.

Wahrnehmbare Anstrengungen

Die Gemeinderatsfraktionen begrüßen die nun wahrnehmbaren Anstrengungen zur Stabilisierung des S-Bahn-Takts. Mehrere Lokalpolitiker führen dies auf die von der Stadt L.-E. veranlassten Untersuchungen des Verkehrswissenschaftlers Uwe Steinborn zurück. Auch wenn ihnen die Ergebnisse der Nachuntersuchung noch nicht bekannt sind, sagt Eberhard Wächter (Freie Wähler): „Mithilfe von Dresden ist es uns gelungen, die Sache ins Rollen zu bringen.“ Der Vize-Fraktionschef der LE-Bürger/FDP, Jürgen Kemmner, kommentiert es so: „Wir müssen dankbar sein, dass die Stadt diesen von allen Seiten geachteten Experten beauftragt hat.“

Für die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch ist der Kompromiss der Projektpartner am Flughafen „eine Verbesserung, aber nicht das Optimum“. Der Nachweis der Zukunftsfähigkeit dieser Lösung müsse noch erbracht werden. „Der Kompromiss ist eine gute Basis für die Fortsetzung der Erörterung“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko und zieht für sich das Fazit, dass „die Antragstrasse wohl doch nicht so toll war, wie man uns immer glauben gemacht hat“. Nichts Positives mag die Einzelstadträtin Claudia Moosmann (Filderpiraten) dem Verhandlungsergebnis abgewinnen: „Für L.-E. verändert sich nichts. Der Mischverkehr durch die Stadt bleibt. Weitere Regionalzüge verschlechtern die Situation zusätzlich.“

OB will Gremien so schnell wie möglich informieren

Die Stadt bemüht sich zurzeit bei der Bahn um eine Freigabe des aktuellen Steinborn-Gutachtens. L.-E. war zwar Auftraggeber, aber die Bahn trägt die Kosten der nach der Erörterung im Herbst notwendig gewordenen Untersuchung. Über den Kompromiss zur Flughafenanbindung und die daraus folgenden Auswirkungen auf Lärm und Erschütterungen entlang der Bahnstrecke will OB Klenk die Gremien so schnell wie möglich informieren. Eventuell könne man im Gemeinderat schon in der Sitzung am 24. März „eine Grobbewertung abgeben“.