Die Pläne zu dem S-21-Abschnitt (1.3b) wurden ausgelegt, Bürger äußerten Einwände. Das Regierungspräsidium (RP) konnte sie wegen der Coronapandemie noch nicht öffentlich abwägen. Eine Alternative müsse in die Abwägung einbezogen werden, wenn es „um eine ernst zu nehmende Lösung“ gehe, so die Behörde.
Keine Unterlagen für das Land
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zeigte sich am Donnerstag vor der Presse verärgert darüber, wie Bilger die Nachricht von der Wirtschaftlichkeit des Ausbaus platziert hatte, nämlich in einer reinen CDU-Veranstaltung. Das Land habe bisher weder vom Bund noch von der Bahn Konkretes erhalten. „Bei windigen Versprechungen bin ich sehr vorsichtig“, so Hermann. Er sei „sehr für den Deutschlandtakt“, werde aber nicht ins Hurra der CDU einstimmen, dazu habe er „zu viele Großprojekte scheitern sehen“. Mit dem Ausbau soll sich die Fahrzeit Stuttgart–Singen (heute 1:56 Stunden) um bis zu 20 Minuten reduzieren. Der Gäubahn-Ausbau sei ein nicht finanziertes Milliardenprojekt, zu dem es „billigere Alternativen“ wie die Direktanbindung der Gäubahn an den Tiefbahnhof gebe, so Hermann. Die Anrainerkommunen seien besorgt, weil sie über zehn oder mehr Jahre keine Direktverbindung zum Stuttgarter Hauptbahnhof mehr hätten. Er werde einem anderen Konzept nicht zustimmen, „wenn unsere Vorschläge gleichzeitig ignoriert werden“. Alles gehöre auf den Tisch. Der Bund, der sich bisher „bei Stuttgart 21 schlank gerechnet hat“, müsse dann einsteigen. Ähnlich hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann 2020 argumentiert, als erste Pläne bekannt wurden: Der Bund sei gefragt, wenn man S-21-Pläne umwerfe.
Flughafen: Kein neues Geld
Der Flughafen und der Verband Region Stuttgart (VRS), beide S-21-Projektpartner, zeigten sich „offen für Verbesserungen“. Die neue Lösung habe Vorteile, hieß es am Airport, die alte werde man nur aufgeben, wenn man „keine Mehrkosten zu tragen habe“. Die Äußerung ist insofern interessant, als der Flughafen bereits für den Anschluss bezahlt hat und wohl Geld rückfordern könnte, da Deutschlandtakt-Ausbauten der Bund bezahlt. Man sehe den Tunnel positiv, werde aber ohne Finanzierungszusage „1.3b nicht loslassen“, sagte VRS-Direktor Jürgen Wurmthaler. Bei der IHK heißt es, man bevorzuge „keine bestimmte Alternative“.
„Die Botschaft, dass der Tunnel wirtschaftlich ist, ist eine frohe Botschaft“, sagte Stuttgarts neuer OB Frank Nopper (CDU). Die Gäubahn müsse „schnellst- und bestmöglich an den neuen Bahnknoten angeschlossen werden“. Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen, sagte hingegen, der Tunnel an den Flughafen wäre „verkehrlich nicht notwendig, wenn die Gäubahn auf der bisherigen Trasse an den Hauptbahnhof angebunden werden würde“. Es solle „ein Problem gelöst werden, das man noch vermeiden könnte“. So argumentiert auch der Verkehrsclub VCD, der den Gäubahn-Ausbau aber grundsätzlich begrüßt.
Echterdingen begrüßt Pläne
Klaus-Peter Gussfeld vom BUND spricht vom „Desaster“ einer wohl bis zu zehnjährigen Unterbrechung der Gäubahn mit Umsteigen in Stuttgart-Vaihingen oder im Norden, die „fatale Nachteile für täglich 8000 Reisende brächten“. Das sei die Einladung, vermehrt das Auto zu benutzen. Der Fahrgastbeirat nannte die Unterbrechung gesetzeswidrig. Die Schutzgemeinschaft Filder sprach von einer „katastrophalen Fehlplanung“, sie will die heutige Streckenführung in die City erhalten. Die Kommune Leinfelden-Echterdingen sieht Vorteile. Der Tunnel entlaste die Bürger von Lärm, ein zuverlässiger S-Bahn-Takt in diesem Abschnitt werde gesichert, die Erweiterung um eine Linie bleibe möglich.