Stuttgart - Pendler in den Zügen der Gäubahn gewinnen seit einigen Tagen bei der Fahrt über die Panoramastrecke ganz neue Einblicke in die Stadt. Anwohner entlang der Strecke auch, nur fällt deren Blick nun auf die Züge. Ursache sind umfangreiche Rückschnitte, die die Bahn vornimmt. Die „Vegetationspflege“ geht manchen Anwohnern deutlich zu weit. Von „brutaler Waldvernichtung“ ist die Rede, die auf Vögel keine Rücksicht nehme. Der gesamte Baumbestand werde entfernt, selbst wenn er geschützt sei. Übrig blieben Kahlflächen, auf denen sich künftig angeblich Eidechsen ansiedeln sollen.
Man schneide die Vegetation grundsätzlich entlang von Bahntrassen in regelmäßigen Abständen zurück, um einen sicheren Eisenbahnverkehr gewährleisten zu können, hier nun entlang der Panoramabahn zwischen Stuttgart Nord und Süd, teilt ein Bahnsprecher auf Anfrage mit. Dazu brauche man auf bahneigenen Grundstücken keine gesonderte Genehmigung. Der Rückschnitt könne „überdies hilfreich sein, um im Zuge von Artenschutzmaßnahmen für den Bau des Abstellbahnhofs Untertürkheim Ersatzlebensräume vorzubereiten“. In Untertürkheim müssen hochgerechnet 4350 erwachsene Mauereidechsen weichen, ein Teil, so der Vorschlag der Bahn, könnte entlang der Gäubahngleise eine neue Heimat finden. Letztlich wird das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) darüber befinden.
CDU: Stadt soll Flächen für Eidechsen nutzen
Die CDU im Gemeinderat hatte Ende Januar beantragt, dass die Stadt selbst die Bahndämme für Eidechsen nutzt, die aus dem neuen Baugebiet Hofen/Mittlere Wohlfahrt umgesiedelt werden müssten. Im Rahmen von Eisenbahn-Infrastrukturprojekten könne das Eba Flächen für den Artenschutz belasten oder enteignen. Für die Zauneidechsen aus Hofen sei die Gäubahn nicht vorgesehen, sagt die Stadt.
Eidechsen waren auch schon mit hohem Aufwand auf den Killesberg gebracht worden. Damals habe die Effektivität des Artenschutzes im Mittelpunkt gestanden. Die Killesberg-Wiesen seien von Mauereidechsen unbesiedelt gewesen, die entlang der Gäubahn aber nicht, so die Begründung der Stadt.
Arbeiten zur Sicherung des Bahnverkehrs müssen von der Stadt nicht genehmigt werden, soweit keine größeren Bäume (mindestens 80 Zentimeter Stammumfang in einem Meter Höhe) betroffen sind. So regelt es die Baumschutzsatzung, die entlang der Strecke vom Westbahnhof bis zur Heilbronner Straße gelte.