Stuttgart 21 verzögert sich Kritische Reaktionen: „Ein Projekt, mit dem sich Deutschland blamiert“

Kritiker sehen sowohl bei der Bahn wie auch beim Bund die Verantwortung für das Debakel bei Stuttgart 21. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Stuttgart 21 wird nicht vor 2029 in Betrieb gehen. Noch will sich die Bahn nicht äußern. Das übernehmen Politiker in Bund und Land. Sie sparen nicht an Kritik.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Die Eröffnung von Stuttgart 21 – oder erster Teile des umgestalteten Bahnknotens, wird nicht vor 2029 stattfinden. Die Bahn will sich zu den kursierenden Informationen nicht äußern und verweist auf ihren Auftrag, bis Sommer 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept zu entwickeln und mit den Projektpartnern Land, Region und Stadt abzustimmen.

 

Bestätigt sehen sich nun all jene, die das Projekt schon lange mit Argwohn betrachten oder es gänzlich ablehnen. Entsprechend fallen die Reaktionen aus, die von der Forderung nach einer Entschuldigung bis vom Vorwurf der Sabotage reichen.

Bundes-Grüner spricht von Sabotage bei der Digitalisierung

Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, erklärt, Stuttgart 21 entwickle sich immer mehr zu einem Desaster, „mit dem sich Deutschland in der Welt blamiert. Diejenigen, die damals bei Land, Stadt und Region verantwortlich waren und sich über alle Bedenken hinweggesetzt hatten, müssen sich jetzt mal dazu äußern“. Gastel nennt die Digitalisierung als einen Grund für die Hängepartie um den Eröffnungstermin. Auch Schuldige dafür hat er ausgemacht. Man müsse der „der Deutschen Bahn eine gewisse Lustlosigkeit und der Bundesregierung die gezielte Sabotage bei der Digitalisierung der Schiene“ vorwerfen.

Gastels Parlamentskollege, der Stuttgarter Luigi Pantisano, verkehrspolitischer Sprecher und Fraktionsvize der Partei Die Linke, sagt: „Die Verantwortlichen für das Projekt S 21 in Bund und Land haben versagt und sind unfähig, die Zukunft des Landes zu gestalten.“ Pantisano geißelt eine von ihm identifizierte Unaufrichtigkeit. „Seit Beginn des Projekts wurde von Seiten der Politik gelogen und betrogen. Die Rechnung zahlen die Menschen in Stuttgart und Baden-Württemberg, die seit Jahrzehnten unter der katastrophalen Situation am Stuttgarter Hauptbahnhof leiden.“

Vorwurf: Bahn hat Komplexität unterschätzt

Michael Joukov, Landtagsabgeordneter der Grünen, geht mit der Deutschen Bahn ebenfalls hart ins Gericht. „Die DB AG hat die Komplexität des Projekts sträflich unterschätzt! Nicht irgendwelche Eidechsen oder Fledermäuse sind das Problem, die sind längst umgesiedelt; sondern die fehlende Bereitschaft der DB, sich an Tatsachen statt Wunschträumen zu orientieren“. Er erwarte eine Entschuldigung.

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