Stuttgart 21 Wohin mit dem Stuttgart-21-Abraum?

Von Thomas Braun 

Es gibt viele Konfliktpunkte zwischen den Projektpartnern beim Bau des geplanten Tiefbahnhofs und seiner Tunnels. Bei der jüngsten Sitzung des S-21-Lenkungskreises sind sich Bahn, Stadt und Land nun auch wegen des Baustellen-Abraums in die Haare geraten.

Wohin mit dem Bauschutt von Stuttgart 21? Deponien wie der Froschgraben in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) sind der Bahn zu teuer. Foto: Kuhnle 34 Bilder
Wohin mit dem Bauschutt von Stuttgart 21? Deponien wie der Froschgraben in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) sind der Bahn zu teuer. Foto: Kuhnle

Stuttgart - Dass sich die Projektpartner Land, Stadt und Bahn bei dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht grün sind, ist bei der jüngsten ­Sitzung des S-21-Lenkungskreises im Juli offen zu Tage getreten. Während die Bahn „behördlichen Schwergang“ für Verzögerungen und Verteuerungen des Milliardenvorhabens verantwortlich macht, werfen die Landesregierung und die Rathausspitze dem Schienenkonzern mangelhafte Planung vor. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung ist inzwischen auch ein heftiger Streit über die Frage entbrannt, wo und zu welchem Preis die Bahn den Tunnelaushub und Baustellenabraum entsorgen kann.

Nach Angaben eines Sprechers des S-21-Kommunikationsbüros rechnet man allein bei den innerstädtischen Baustellen mit rund acht Millionen Tonnen; weitere 13 Millionen Tonnen aus dem Filder- und Neckarbereich kommen hinzu, die dezentral entsorgt werden sollen. Die ursprünglichen Pläne der Bahn sahen vor, das Material vor allem im sächsischen Braunkohletagebau endzulagern.

 

Da wird die Stimmung eisig

Bei der Schlichtung Ende 2010 kündigte Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer dann an, es kämen nun vor allem Deponien in Baden-Württemberg zum Zug. Die Erddeponien und für eine Verfüllung geeigneten Steinbrüche in der Region und im Land wittern seither das große Geschäft mit dem Bauschutt. Das treibt die Preise nach oben und belastet den mittlerweile ohnehin auf bis zu 6,8 Milliarden Euro angestiegenen Projektetat. Zugleich müssen die Deponien im Großraum Stuttgart Reserven für das Entsorgungsmaterial aus den eigenen Landkreisen vorhalten – die Kapazitäten sind also begrenzt.

„Bei dem Thema wurde die Stimmung regelrecht eisig“, berichteten verschiedene Teilnehmer der Lenkungskreissitzung vom 23. Juli. Volker Kefer habe von den Projektpartnern verlangt, ihren Einfluss auf die in öffentlicher Hand befindlichen Deponien geltend zu machen, um den Preisanstieg zu bremsen und mehr Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Doch bei Land und Stadt habe der Bahnmanager damit „auf Granit gebissen“. Auch das Argument, es handele sich um Stuttgarter Erde, die die Bahn entsorgen müsse, habe nicht gestochen. Schließlich sei die Bahn der Bauherr und daher auch allein verantwortlich für das Entsorgungskonzept, habe es bei Stadt und Land geheißen.