Die jeweiligen Interessenvertreter haben am Donnerstag beim Gäubahngipfel im Rathaus ihre Positionen in aller Deutlichkeit vertreten. Bringt ein Faktencheck eine Einigung?

Die Kommunen entlang der Gäubahn, die Stadt, die Region Stuttgart und das Land haben sich bei ihrem Krisentreffen am Donnerstag im Stuttgarter Rathaus in einer nichtöffentlichen Sitzung auf einen vom Verkehrsministerium vorgeschlagenen „Faktencheck“ verständigt. Der Begriff erinnert an alte Stuttgart-21-Kampfzeiten mit dem verstorbenen Schlichter Heiner Geißler.

Wie groß ist der Aufwand für zwei Gleise?

Geklärt werden soll, welcher Aufwand damit verbunden wäre, wenn auf der heutigen Bahnanlage in Stuttgart für eine gewisse Zeit nach 2025 noch zwei Gleise für die Gäubahn erhalten blieben. Und welche Einschränkungen auf Zeit die Landeshauptstadt bei dem von ihr geplanten Wohnungsbau hinnehmen müsste. Das genaue Format und die Federführung des Faktenchecks sind unklar. „Als betroffene Anrainer erwarten wird, dass wir mit am Tisch sitzen“, sagte der Böblinger OB Stefan Belz (Grüne) auf Anfrage. Die geplante langjährige Unterbrechung der Gäubahn mit Zeit- und Anschlussverlusten sei den Fahrgästen nicht zuzumuten, so OB Belz.

Tunnelbau dauert wohl bis 2035

Ende 2025 soll das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit dem Durchgangsbahnhof in Betrieb gehen, die Gäubahn wird wenige Monate zuvor in der Stuttgarter City gekappt, weil die S-Bahngleise neu verlegt werden. Bisher ist für Reisende auf der Strecke Singen-Stuttgart ein Zwangsumstieg auf die S- und Stadtbahn im Vorortbahnhof Stuttgart-Vaihingen geplant. Später, vielleicht ab 2035, soll die Gäubahn über den Flughafen zum Hauptbahnhof fahren. Dazu müsste der neue Pfaffensteigtunnel gebaut werden. Der ist unstrittig, er wird vom Bund finanziert.

Klagen kann nur ein Verband

Für die Mitglieder des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn (IG) sei wichtig, „dass wir uns nicht in juristischen Auseinandersetzungen verheddern“, erklärte der Vorsitzende Guido Wolf nach der Sitzung per Presseerklärung. Die IG oder einzelne Städte können allerdings gar nicht auf den Erhalt des Direktanschlusses klagen. Das könnte der Landesnaturschutzverband (LNV), der das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) um eine Entscheidung gegen die kalte Stilllegung der Gäubahnstrecke gebeten hat.

Man prüfe den Eilantrag, so das Eba am Donnerstag auf Anfrage. Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU) erklärte, „Ziel sollte es sein, einen Gäubahnfrieden zu halten“. Regionalpräsident Thomas Bopp verwies darauf, dass die Region die Interimszeit positiv gestalten wolle und zusätzliche S-Bahnen nach Vaihingen und Böblingen fahren lasse.