Stuttgart 21 Zum Jahrestag sagt nicht nur Bahn-Chef Grube ab

Bahn-Chef Rüdiger Grube zählt nicht zu den Teilnehmern der Konferenz. Foto: Steinert
Bahn-Chef Rüdiger Grube zählt nicht zu den Teilnehmern der Konferenz. Foto: Steinert

Wenn sich kritische Bahnexperten am Wochenende in Stuttgart treffen, dann fehlen zwei prominente Vertreter, die auf eine Einladung nach Angaben der Veranstalter mit einer Absage reagiert haben.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)

Stuttgart - Wenn sich kritische Bahnexperten am Wochenende in Stuttgart treffen, dann fehlen zwei prominente Vertreter, die auf eine Einladung nach Angaben der Veranstalter mit einer Absage reagiert haben: der Bahn-Chef Rüdiger Grube oder ein anderer Vertreter aus der Führungsetage und der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Dabei will sich die Konferenz nicht nur mit der Bahnreform und Stuttgart 21, beide werden in diesem Jahr 20 Jahre alt, beschäftigen, sondern auf Workshops und Podiumsdiskussionen auch Wege für eine andere Bahnpolitik und für Alternativen zu Stuttgart 21 aufzeigen. Am Samstagnachmittag findet auf dem Marktplatz von 16 bis 18 Uhr eine Kundgebung statt.

Veranstalter der „Kopfmachen“-Konferenz sind das Bündnis Bahn für Alle, der Expertenkreis Bürgerbahn statt Börsenbahn, das Aktionsbündnis gegen S 21 und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke im Gemeinderat. Sie werden – auch finanziell – unterstützt von den Grünen, dem BUND und dem Verkehrsclub VCD, die alle drei Anfang des Jahres das S-21-Aktionsbündnis verlassen haben. „Das zeigt, dass ihr Ausscheiden nicht der beginnende Zerfall der Bewegung war, sondern dass die Kooperation auf anderer Basis weitergeht“, sagte Werner Sauerborn vom Aktionsbündnis. Die Konferenz beschäftige sich zwar auch mit Stuttgart 21, etwa mit der Kapazität des Tiefbahnhofs oder mit der Frage, wie ein ­S-21-Ausstieg aussehen könne, sie thema­tisiere aber vor allem, welche Bahnpolitik hinter einer solchem Projekt stehe.

Marode Schieneninfrastruktur wird kritisiert

Für die Veranstalter ist es „kein Zufall“, dass sowohl die Bahnreform als auch S 21 auf eine 20-jährige Geschichte zurückblickten. „Beides sind Projekte aus der Zeit des neoliberalen Sturm und Drang und entstammen dieser Geisteshaltung“, sagte Sauerborn. Daran erinnerte auch Winfried Wolf vom Bündnis Bahn für Alle. Die 21er-Projekte, zu denen auch der Stuttgarter Tiefbahnhof gehörten, hätten sich allein durch Grundstücksverkäufe finanzieren sollen: „Am Anfang war bei S 21 von zwei Milliarden Mark Kosten die Rede, jetzt spricht die Bahn von 6,8 Milliarden Euro.“

Für Heiner Monheim, Professor an der Universität Trier und Vertreter des Expertenkreises Bürgerbahn, haben die hohen Kosten für S 21 Auswirkungen auf Investitionen in andere Projekte. „Deshalb klemmt es im Bahnnetz überall“, sagte er. Die Bahnreform habe wegen ihrer Ausrichtung auf Gewinnerzielung zu einer maroden Schieneninfrastruktur und Kapazitätsengpässen geführt und den Güterverkehr massiv verschlechtert. „Die Anteile der Bahn am Verkehrsaufkommen sind marginal“, sagte Monheim, „die Ziele der Reform wurden verfehlt.“ Er kritisierte scharf die Abwesenheit offizieller Bahn-Vertreter, er wisse aber, dass Mitarbeiter aus der mittleren Ebene inkognito kämen.

Die Bahn – nur ein Männerthema?

Die Konferenz beginnt am Freitag um 18 Uhr im Rathaus mit einer Podiumsdiskussion zu 20 Jahre Bahnreform, an der auch Peter Conradi teilnimmt. Am Samstag im Rathaus und am Sonntag im Kunstverein stehen ab 10 Uhr die Workshops im Mittelpunkt, darunter auch einer zur Frage, warum Bahnthemen als Männerthemen behandelt werden – auch auf der Pressekonferenz waren auf Referenten- und Journalistenseite fast nur Männer.

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