Stuttgart aktiv Glücklich ohne eigenes Vereinshaus

Von Kathrin Thimme 

Die Naturfreunde Stuttgart-West setzen auf eine nachhaltige Freizeitgestaltung.

Die Naturfreunde West bei einer Wanderung durch Plüderhausen. Foto: privat
Die Naturfreunde West bei einer Wanderung durch Plüderhausen. Foto: privat

S-West - Die Natur erleben, ohne die Natur zu schädigen – das ist der Anspruch, den die Naturfreunde haben und den sie leben. Die Ortsgruppe Stuttgart-West macht da keinen Unterschied. Im Gegenteil: „Wir versuchen, das Thema Umweltschutz stärker herauszuheben und setzen uns für eine nachhaltige Freizeitgestaltung ein“, sagt Ulrike Möhrle, die erste Vorsitzende der Ortsgruppe. Es gehe darum, Interesse für Umweltthemen und für einen nachhaltigen Lebensstil zu wecken. „Wir machen das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern zeigen, dass Nachhaltigkeit auch Spaß macht“, sagt sie.

Ulrike Möhrle ist seit 2004 Vorsitzende der Naturfreunde West, die 130 Mitglieder zählen. „Ich denke schon, dass wir eine der aktivsten Gruppen in Stuttgart sind“, sagt sie. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass die Ortsgruppe West kein eigenes Naturfreundehaus besitzt. „Die Häuser werden ehrenamtlich verwaltet und gepflegt und manche Gruppe ist ausschließlich mit der Instandhaltung ihres Hauses beschäftigt“, sagt Möhrle.

Vielfältiges Programm statt eigenes Naturfreundehaus

Diese Zeit können die Naturfreunde im Westen darauf verwenden, ein ausführliches Programm mit zahlreichen Angeboten auf die Beine zu stellen. So veranstalten sie jeden zweiten Freitag einen Vortragsabend im Bürgerzentrum. Die Themen für ein halbes Jahr werden in einem Ausschuss festgelegt, der aus acht Mitgliedern besteht. „Zusätzlich schlagen uns andere Mitglieder oft ihre Ideen vor, die wir dann aufnehmen.“ So gestaltet sich das Halbjahresprogramm recht vielseitig. Mal präsentieren Mitglieder Reiseberichte, mal lädt Möhrle zu Probierabenden ein, bei denen die Besucher Käse oder Kartoffeln testen können, oder ein Referent spricht über aktuelle Themen. Auch Musik- und Spieleabende gibt es. Hinzu kommen zahlreiche Wanderungen, welche die Naturfreunde West bis auf wenige Ausnahmen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestreiten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Naturfreunde ist die Kinderarbeit. „Aus dieser haben wir auch unsere heutigen Mitglieder gewonnen“, so Möhrle. Die meisten sind mittlerweile älter als 60 Jahre, ein Mitglied ist seit 58 Jahren bei den Naturfreunden West. „Durch unser Kletterangebot für Kinder ab zehn Jahren haben wir auch viele jüngere Mitglieder“, erzählt die Vorsitzende. „Wenn sie das Interesse am Klettern verlieren, ist es allerdings schwer, sie im Verein zu halten“, sagt Möhrle. Das Problem, Nachwuchs zu gewinnen, eint die Naturfreunde mit zahlreichen anderen Vereinen. „Uns fehlen vor allem Leute zwischen 30 und 50 Jahren.“

Schwere Suche nach Ehrenamtlichen

Umso bedauerlicher sei es beim Thema Nachwuchs, dass die Natur-Erlebnis-Gruppe, welche die Naturfreunde gemeinsam mit der Schwabschule vier Mal organisiert haben, in diesem Jahr nicht zustande kommt. „Es fehlt jemand, der das ehrenamtlich macht und auch ein bisschen Kenntnis von dem Wald hat“, sagt Möhrle. Die Gruppen waren ein Angebot für Drittklässler, die an vier bis acht Terminen mit der Leiterin den Wald besuchten, um die dortige Pflanzen- und Tierwelt kennenzulernen. Ulrike Möhrle sucht nach wie vor nach einer geeigneten Person, die diese Aufgabe übernehmen würde. „Aber das ist wirklich schwer.“

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