Stuttgart aktiv Netzwerken in der Verlagsbranche

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Die Bücherfrauen vertreten die Interessen ihres Geschlechts und fördern weiblichen Nachwuchs.

Isabell Fischer, Katrin Schroth und Anne Betten Foto: Barbara Scholz
Isabell Fischer, Katrin Schroth und Anne Betten Foto: Barbara Scholz

S-West - Sich mit anderen Frauen aus ihrer Branche zu vernetzen, war Irene Ferchl schon immer wichtig. Früher war sie deshalb im Journalistinnenbund. Als Herausgeberin und Chefredakteurin des Literaturblatts für Baden-Württemberg kam sie aber vor mehr als zehn Jahren mit den BücherFrauen in Kontakt. „Da habe ich gemerkt, dass es für mich das passendere Netzwerk ist“, erzählt Ferchl. Sie sei sowohl Journalistin als auch Autorin. „Deshalb bin ich etwas exotisch“, findet die 58-Jährige. Bei den Bücherfrauen habe sie sich besser aufgehoben gefühlt. Seit mehr als zehn Jahren ist sie nun eine Städtesprecherin des Regionalverbands Stuttgart.

Gemeinsam sind wir stark“, lautet die Devise der Bücherfrauen. Kontakte schaffen, einander Jobs und Aufträge vermitteln, Erfahrungen austauschen, frauenspezifische Interessen in der Buchbranche vertreten, und immer wieder Kontakte knüpfen. Das alles passiert in dem in ganz Deutschland vertretenen Branchennetzwerk. „Frauen brauchen ebenso wie Männer gute Netzwerke“, sagt Irene Ferchl, die allerdings ihre Pressesprecherfunktion aufgeben möchte.

Die Stuttgarter Gruppe gilt als die Engagierteste

Die Stuttgarter gelten als die Engagiertesten im Verein, mit 126 Mitgliedern stellen sie auch die größte Gruppe. Die Frauen arbeiten als Autorinnen, Buchhändlerinnen und Lektorinnen. Mindestens einmal im Monat treffen sie sich in den Räumen des Landesverbands des Börsenvereins und diskutieren über Themen wie neue Medien, Arbeitsorganisation, Gehaltsverhandlungen und Altersvorsorge. „Wir sitzen nicht nur am Stammtisch“, betont Anne Betten, die in der Verlagsauslieferung tätig und ebenfalls Städtesprecherin der Stuttgarter Gruppe ist.

Für die Kommunikation nach innen und außen nutzen die Bücherfrauen ihr „Blaues Buch“. In dem Mitgliederverzeichnis finden sich Profile der Frauen und ihres Arbeitsbereichs. „Das Buch erscheint noch immer gedruckt“, sagt Ferchl stolz. „Im Blauen Buch finde ich zum Beispiel auch Autorinnen für meine Zeitschrift.“

Die Bücherfrauen-Akademie bietet Weiterbildungskurse an

Mit Mentoring-Projekten bringen die Bücherfrauen Führungskräfte und den Nachwuchs zusammen. Derzeit gibt es in Stuttgart 17 Paare. „Das ist ein streng strukturiertes Programm“, erklärt Anne Betten. Eine Mentorenphase dauere ein Jahr und beinhalte regelmäßige Treffen zwischen der Mentorin und ihrer Mentee, sagt Betten. „Viele Frauen suchen gezielt nach diesem Programm“, ergänzt Anne Betten. Interessierte Nachwuchskräfte können sich bewerben, für das Programm zahlen sie 240 Euro an den Verein. Mit dem Geld werden die Kosten des Programms bezahlt, die durch Workshops und gemeinsame Veranstaltungen entstehen. Die Mentorinnen bekommen kein Geld, betont Betten. Weiterbildung und Qualifizierung bietet zudem die Bücherfrauen-Akademie an, die jedes Jahr im Sommer und im Winter stattfindet. Die Seminare stehen auch Nicht-Mitgliederinnen offen.

Das Branchennetzwerk Bücherfrauen wurde 1990 in Deutschland nach dem Vorbild der englischen „Women in Publishing“ gegründet. Mittlerweile sind mehr als 900 Frauen aus der deutschen Buchbranche Mitglied. Die Themen der Regionalgruppen führen deren Sprecherinnen und die Vorstandsfrauen überregional zusammen. Einmal jährlich findet eine deutschlandweite Vollversammlung statt. Auch ein gemeinsames Jahresthema hat der Verein. Dieses Jahr drehte sich alles um „Arbeitsmodelle der Zukunft“.

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