Stuttgart-Album Vergessene Luxus-Oase - als man bei Breuninger über den Dächern Stuttgarts schwamm

Noch heute trauern viele dem Mineralbad Breuninger nach. Foto: Breuninger

Im Jahr 1971 waren Bauarbeiter am Marktplatz auf eine Mineralquelle gestoßen, weshalb Breuninger ein bis heute legendäres Bad betrieb. Das Stuttgart-Album erinnert sich.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die Marke Breuninger ist untrennbar mit Stuttgart verbunden. Gleichzeitig ist Stuttgart nach Budapest die Stadt mit den reichhaltigsten Mineralwasservorkommen in Europa. Bis 1988 betrieb das Kaufhaus Breuninger deshalb ein Mineralbad im obersten Stockwerk. Viele Stuttgarter trauern diesem trotz der damals schon gehobenen Preise noch heute nacht. Nach dem Schwimmen im 25-Meter-Becken konnte man auf der Dachterrasse auf Liegestühlen und sogar in Strandkörben entspannen – mit Blick auf die Innenstadt.

 

Eröffnung war im Jahr 1972

Mama probierte ungestört Hunderte von Schuhen an, während Papa mit den Kindern im selben Gebäude für das Schwimmabzeichen Seepferdchen trainierte. Durch Zufall waren Arbeiter beim Ausheben der Baugrube für den Breuninger-Markt am Marktplatz 1971 auf eine Quelle gestoßen. Da es sich um eine mineralhaltige Schüttung handelte, überlegte der Firmenchef Heinz Breuninger nicht lange und ließ das Mineralbecken mit Sauna und Freibereich bauen. Eröffnung war 1972.

Relaxen in der City. Foto: Breuninger

Sinn für Ausgefallenes zeichnete Heinz Breuninger aus, den Chef der dritten Generation. 1959 führte er die Kundenkarte ein, damals ein Novum im deutschen Handel. Bis in die früheren 1980er Jahre konnten die Kaufhausbesucher im Untergeschoss zwischen Mittelbau und Hochhaus zwei Aquarien an der Decke bestaunen, die den Lauf des Nesenbachs simulierten, der unter dem Kaufhaus verlief.


Echtes Nesenbachwasser konnte das freilich nicht sein. Denn der Bach floss zu dieser Zeit nicht in den Neckar, sondern aus gutem Grund direkt ins Klärwerk Mühlhausen.

Von 1972 bis 1988 gab es bei Breuninger ein bis heute unvergessenes Mineralbad mit Sonnendeck über den Dächern der Stadt. Foto: Kraufmann

1980 starb Heinz Breuninger mit 60 Jahren. Sein Nachfolger Willem G. van Agtmael ließ den Badespaß noch einige Jahre gewähren. Als die Besucherzahlen zurückgingen und das Defizit nach eigenen Angaben auf über eine Million Mark im Jahr anstieg, wurde die Badeoase 1988 geschlossen. Ein französisches Fitnessstudio zog ein, das sich aber auch nicht lange halten konnte. Das einstige Bad wurde zur Mitarbeiterkantine.

Das Mineralbad befand sich im obersten Stock des Kaufhauses. Foto: Breuninger

Fliesen aus der Mineralwasserzeit bei Breuninger

Seit dem Umbau des Mitarbeiterbereichs sind auch die letzten Reste des Bades für immer verschwunden. Im alten Fotostudio von Breuninger befanden sich noch lange Zeit Fliesen aus der Mineralwasserzeit. Heute dürfen Mitarbeiter des Kaufhauses in der Mittagspause auf der Terrasse in der Sonne liegen. Und können von der Zeit träumen, als man noch mitten in der Stadt über den Dächern schwimmen konnte.

Imbiss im Breuninger-Bad. Foto: Breuninger

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Seit mehreren Jahren gibt es das Stuttgart-Album als Serie. Dieser Artikel wurde erstmals am 13. August 2018 online veröffentlicht und am 22. August 2025 aktualisiert.

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