Erhaben regelten die Beamten den Verkehr von einem „Elefantenfuß“ aus. So nannten Polizisten ihr Podest, das sich etwa am Königsbau oder Bahnhof befand. Irgendwann bekamen sie ein Dächle dazu. Erinnerungen an die Anfänge der Verkehrsregelung.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Sie regelt die Wege für Milliarden von Menschen weltweit, hilft mit, dass der Verkehr nicht zusammenbricht -  und leiht unserer  Regierung in Berlin  ihren Namen.  Die Ampel  feiert in diesem Monat ihren 101. Geburtstag. In Hamburg ist die erste Lichtzeichenanlage im Januar 1922 aufgestellt worden – zunächst nur für  den Schienenverkehr.

Stuttgart musste etwas länger warten. Am  25. Juli 1939 gingen der ersten Ampel beim Königsbau drei Lichter auf  – dort, wo  heute  Fußgängerzone  und Bolzstraße aufeinandertreffen.  Die Signalanlage unweit des Marquardt-Ecks hat  7500 Reichsmark gekostet. Die  Verkehrslawine rollte  damals schon:  Zu jener Zeit waren in der Königstraße laut einer Zählung an einem Samstagvormittag binnen zwei Stunden 1414 Fahrzeuge Richtung Hauptbahnhof und 1166 Fahrzeuge Richtung Schlossplatz unterwegs.

Die Geburtsstunde der Ampel schlug 1868 in London

Die meisten Kreuzungen wurden einst per Hand geregelt, Ampeln waren die Ausnahme.  Heute gibt es in Stuttgart weit über  800 Lichtsignalanlagen. Eine Ampel ist kein Ort, an dem man sich lange aufhalten will. Das Schönste an ihr ist das Grün, auf das man, so scheint es, ständig warten muss. 

Die Geburtsstunde der Ampulla, dem Gefäß für Öle, schlug im Dezember 1868 in London. In der Nähe des Big Ben gab es eine mit Gas betriebene Leuchte in Rot und Grün. Die Zahl der Unfälle sank. Doch nach  drei Wochen explodierte das Ding, ein Polizist wurde verletzt, was dazu führte, dass die Leuchte abgeschaltet wurde. Der Durchbruch kam dann 1914 – in Cleveland in den USA leuchtete die erste elektrische Ampel in Grün und Rot. Das menschliche Auge mit seinen Rezeptoren ist besonders sensibel für diese Farben.

Bis sich die Ampel durchsetzte, hatten menschliche Wegweiser viel zu tun. Beim Stuttgarter Hauptbahnhof stand bis  Anfang der 1950er  ein Polizist  auf seinem „Elefantenfuß“. Wenn es regnete, wurde er nass. Der Mann war Wind und Wetter ausgeliefert. Doch dann bekam der Mann vom „Elefantenplatz“ eine  Dächle über den Kopf. Der Regenschutz stammte aus  Kornwestheim. Michael Rauser hat  uns großartige Beweisfotos geschickt. In der Flaschnerei Otto Rauser seines Vaters ist 1949 das Dach für das Podest hergestellt worden.  „Warum mein Vater den Auftrag aus Stuttgart bekam, kann ich mir nur so erklären, dass er Unterauftragnehmer für Stahlbau Conrad in Kornwestheim war“, erklärt der Sohn. Und noch eine schöne Geschichte erzählt Michael Rauser: In der Stuttgarter Meisterschule hatte sein Vater, der im Krieg in Russland beide Beine verloren hatte, seine  Frau kennengelernt, die dort Rektoratssekretärin war.  Ihr Jawort gaben sie sich 1950 in der Kirche St. Josef in Stuttgart. Mit den Trauzeugen fuhr der Vater im Auto dorthin.  Fast wäre er zu spät gekommen. Schon damals gab es Staus  – in diesem Fall lag es am Volksfestumzug. „Die Polizei hatte ein Einsehen, stoppte den Zug kurz und winkte die Hochzeiter durch“, berichtet Michael Rauser.

An Weihnachten danken die Autofahrer mit Aufmerksamkeiten

An Weihnachten dankten die Autofahrer mit kleinen Aufmerksamkeiten den Verkehrspolizisten. Mit Vorliebe  platzierten sie Weinflaschen am „Elefantenfuß“.  Was eine „Geste der Menschlichkeit“ war, heißt es beim Stuttgarter Polizeimuseum, würde heute den Staatsanwalt beschäftigen: „Er müsste der Frage nachgehen, ob  es Vorteilsnahme nach § 331 StGB ist.“

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