Stuttgart-Album zur Ölkrise 1973 Erinnerungen an den Lockdown für Autos

Radfahrer hatten vor genau 47 Jahren  Landesstraßen und Autobahnen  für sich allein. Foto: dpa 6 Bilder
Radfahrer hatten vor genau 47 Jahren Landesstraßen und Autobahnen für sich allein. Foto: dpa

Die Autobahn gehörte den Radfahren, die Königstraße in Stuttgart einer Pferdekutsche: Genau 47 Jahre ist es her, da gab’s einen Lockdown für Autos. Am 25. November 1973 erlebte Deutschland das erste Sonntagsfahrverbot in der Ölkrise.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Verzicht mussten die Menschen vor genau 47 Jahren in Deutschland üben. Von einer Pandemie ahnte man nichts. Die Wirtschaft drohte, krank zu werden. Denn die Scheichs hatten dem Westen den Ölhahn zugedreht. Der 25. November 1973, der Totensonntag, war der erste von vier autofreien Sonntagen in Deutschland. In Stuttgart zogen vier Pferde zwei Kutschen über die leere Königstraße, die noch keine Fußgängerzone war. Sigrid Vollmer hat unserem Stuttgart-Album Fotos aus dieser denkwürdigen Zeit geschickt. Pferde hatten Vorfahrt!

Wer trotzdem fuhr, zahlte 500 D-Mark Strafe

Die Öl-Förderländer setzen ihre Ressource im israelitisch-arabischen Konflikt erstmals als politisches Druckmittel ein. Die Ölkrise versetzt der florierenden deutschen Wirtschaft einen nicht unerheblichen Dämpfer. Bundeskanzler Willy Brandt erklärte daraufhin den autovernarrten Deutschen, sie müssten nun sonntags auf ein motorbetriebenes Fahrzeug verzichten. Ausgenommen waren Busfahrer, Rettungskräfte, Ärzte, Diplomaten, Milchlaster-Fahrer und ähnlich wichtige Personen. Wer sich an den vier autofreien Sonntagen trotzdem ans Steuer setzt, musste eine Strafe von 500 D-Mark bezahlen. An den Werktagen sollte überdies mit einem Tempolimit Benzin gespart werden.

„War toll, mitten auf der Straße zu laufen“

Den einzigen Verkehrstoten, schreibt Franz Hillenbrand in unserem Facebook-Forum, habe es an einem autofreien Sonntag im Raum Stuttgart gegeben: „Ein wartender Fahrgast kam unter einen Linienbus.“ Für Barbara Haag war’s eine „tolle Erfahrung“, dass es auch ohne Autos geht.

Gisela Salzer-Bothe notiert: „Wir (die Jazzer der Dixieland Hall) hatten eine Sondergenehmigung, unterschrieben von Verkehrsdirektor Peer-Uli Faerber. wegen eines Jazzerfrühschoppens zum Transport der Instrumente. Aber den Verkehr kann man nicht mehr vergleichen mit heute.“ Irmgard Abt gefiel es, „mitten auf der Straße zu laufen“.

Am 25. Dezember meldete Kuwait das Ende der Ölproduktionskürzungen. Damit war auch die Krise beendet. Am 8. Januar 1974 sprach sich Willy Brandt gegen weitere Fahrverbote aus – damals wusste man freilich noch nichts von Feinstaub.

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