Stuttgart Bad Cannstatt Die „Führerscheinretter“ hören auf

Von Edgar Rehberger 

52 Mal bot die Heimweghilfe auf dem Cannstatter Volksfest ihren Service, 10 330 Fahrten seit 1965 durchgeführt und viele Führerscheine dadurch gerettet. Jetzt stellt der Verein die Fahrten ein.

Die Heimweghilfe hat  52 Jahre ihren Dienst auf dem Cannstatter Volksfest angeboten. Foto: Rehberger
Die Heimweghilfe hat 52 Jahre ihren Dienst auf dem Cannstatter Volksfest angeboten. Foto: Rehberger

Bad Cannstatt - Die Heimweghilfe hat 52 Mal beim Cannstatter Volksfest ihren Service angeboten und Wasengäste sicher in ihren eigenen Fahrzeugen nach Hause gebracht. 10 330 Fahrten kamen zusammen. Doch jetzt stellen die „Führerscheinretter“ den kostenlosen Dienst – bezahlt werden musste nur die Rückfahrt des Heimbringers mit dem Taxi – ein. „Es tut mir schon sehr weh“, gibt Peter Erb zu. Der Vorsitzende des Vereins Heimweghilfe ist von Anfang an dabei. Zunächst war er Fahrer, seit 1991 steht er in der Verantwortung. „Die Zeiten und Voraussetzungen sind andere geworden“, begründet er den Rückzug. Viele kleine Punkte seien zusammengekommen.

Es sei immer schwieriger geworden, Fahrer zu gewinnen, die bereit sind, sich Abende und meist auch Nächte ehrenamtlich zu opfern. „Fahrten gingen bis nach Freudenstadt. Da waren die Fahrer um halb Drei morgens erst wieder zurück.“ Das wolle er seinem Team nicht mehr zumuten. Zudem wollte Erb in der Organisation kürzer treten. „Es wurde kein Nachfolger gefunden.“ Für jemanden, der noch im Berufsleben stehe, sei es schon aufwändig. Erb, inzwischen 81 Jahre alt, wusste, wie der Hase läuft. Und als im vergangenen Jahr wegen des Volksfest-Jubiläums und Landwirtschaftlichen Hauptfestes (LWH) die in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft der Heimweghilfe keinen Raum anbieten konnte, wurde die Zeit zum Nachdenken genutzt. „Die Mitgliederversammlung war sich einig, lieber jetzt auszusteigen. Das ist der richtige Zeitpunkt.“ Erb sei auch immer froh gewesen, wenn die 17 Tage Volksfest vorbei waren. „Es sind bei den Heimfahrten nie Personen zu Schaden gekommen. Es gab nur kleinere Blechschäden.“

Zweimal pausiert seit 1965

Das Angebot ist deutschlandweit einmalig. Auf anderen Festplätzen wurde es ebenfalls versucht – vergeblich. „Wir hatten in Stuttgart ein Sonderkonstrukt. Heute würde keine Versicherung das mehr machen.“ Das lag an der Gründung der Heimweghilfe. Amtsrichter Klaus Mickschick hatte zusammen mit Rolf Moll die Idee zur Heimweghilfe. Mickschick wollte verhindern, dass Wasenbesucher alkoholisiert Auto fahren. 1965 wurde die Heimweghilfe auf solide Beine gestellt und der Heimbringservice gestartet. Lediglich 2006 und 2018 wurde pausiert, weil es wegen LWH keinen Platz gab. Die Heimweghilfe braucht ein kleines Büro zur Koordination und einen Raum, in dem sich die Fahrer aufhalten können.

Das Fahrerteam war bunt gemischt, vom Studenten bis zum Rentner. „Wir hatten eine ganz tolle Truppe“, schwärmt Erb, der Wirte, Brauereien und die Fahrer schriftlich über das Aus informierte. „Ich habe viele Dankesbriefe erhalten und Bedauern, dass es vorbei ist.“ Auch der Volksfest-Veranstalter ist voll des Lobes. „Unser Dank gilt der Heimweghilfe, die so viele Jahrzehnte für die Wasenbesucher da war und sie immer gut nach Hause gebracht hat“, sagt in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll. „Das war ein wirklich einmaliger Service auf dem Cannstatter Volksfest.“

Damit endet auf dem Cannstatter Wasen eine Ära. „Es gab viele schöne Begegnungen“, blickt Erb zurück. Über die Kunden hüllt er sich in Schweigen. Nur so viel: Politiker, Manager und VfB-Kicker waren darunter – und einige Stammkunden.

Sonderthemen