Stuttgart-Bad Cannstatt Die meisten Wohnungseinbrüche stadtweit

Von Sebastian Steegmüller 

Die Zahl der Delikte im Stadtbezirk ist jedoch seit Jahren rückläufig.

Meistens stemmen Einbrecher Türen oder Fenster auf. Foto: dpa
Meistens stemmen Einbrecher Türen oder Fenster auf. Foto: dpa

Bad Cannstatt - Die gute Nachricht für Bad Cannstatt: Seit 2014 – damals war die Zahl der Straftaten in Stuttgart generell auf einem Höchststand – werden im größten Stadtbezirk seither Jahr für Jahr weniger Einbrüche registriert. Eine Trendumkehr ist definitiv erreicht. Die schlechte jedoch: Die Sauerwasserstadt führt die Tabelle im negativen Sinn erneut an. 77 Mal hebelten Unbekannte laut der aktuellen Kriminalstatistik Fenster oder Türen auf. Weshalb sich die Täter auf Bad Cannstatt konzentrieren, kann Rüdiger Winter, Leiter der Kriminalpolizei, nicht genau sagen. „Sie achten nicht auf Stadtbezirksgrenzen.“

Serieneinbrecher aus Bad Cannstatt geschnappt

Bestes Beispiel ist ein Serieneinbrecher, der im vergangenen Dezember geschnappt wurde. Der Mann, der schon zuvor polizeibekannt gewesen ist, habe in Bad Cannstatt gewohnt, er sei jedoch über Jahre im gesamten Stadtgebiet im Einsatz gewesen. 50 bis 60 Fälle gehen auf sein Konto. Beachtlich: „Er wusste im Detail über die Anwohner Bescheid. Beispielsweise, wer einen Hund hat “, sagt Winter. Um an diese Infos zu kommen, sei er morgens mit einem Komplizen ins Auto gestiegen und verschiedene Viertel abgefahren. Die beiden Einbrecher machten sich dabei offenbar die Anonymität der Großstadt zunutze. „Soziale Kontrolle in der Nachbarschaft gibt es oft nicht.“ Dies spiegelt sich auch in der aktuellen Kriminalstatistik wider. „Im Frauenkopf fällt ein Fremder eben mehr auf, wenn er Häuser auskundschaftet als in anderen Stadtteilen.“

33 Einbrüche in drei Stadtteilen

In Bad Cannstatt stechen drei heraus: Im Geiger (13), Steinhaldenfeld (11) und Sommerrain (9) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 33 Einbrüche angezeigt. „Sie sind aus Tätersicht offenbar gut gelegen“, sagt Winter. Eine Gemeinsamkeit sind die umliegenden Felder. „Sie bieten entsprechende Fluchtwege.“ Außerdem könne man von dort aus Grundstücke ausspähen, gekippte Fenster und offene Balkontüren würden eine Einladung darstellen.

Um sich vor unbekannten Eindringlingen zu schützen, sei die Prävention nach wie vor das A und O, betont Winter. Bei fast jedem zweiten Wohnungseinbruch ist es im vergangenen Jahr beim Versuch geblieben. Hierzu ist es wichtig, Fenster und Türen zu sichern. Meistens hebelten die Täter eben diese auf, um in die Wohnung zu gelangen. Andere Methoden, wie das Einschlagen von Scheiben, sei sehr selten registriert worden. Auch an den Schließzylindern machen sich die Einbrecher kaum noch zu schaffen.

Mehrfamilienhäuser beliebtes Ziel

59 Prozent der Wohnungseinbrüche fanden in Mehrfamilienhäusern statt. „Die Täter wissen, dass dort die Haustüren nicht abgeschlossen werden.“ Weil mehrere Parteien unter einem Dach leben, würden sie aus Brandschutzgründen nur ins Schloss gezogen. „Teilweise sind sie tagsüber sogar ganz offen oder werden für Paketboten ohne Nachfrage geöffnet.“ Ein Viertel der Einbrüche wurden indes in Einfamilienhäusern registriert, elf Prozent fanden in Doppel- /Reihenhäusern statt.

Darüber hinaus ist ein saisonaler Einfluss mit steigenden Fallzahlen in der „dunklen Jahreszeit“ erkennbar. In den Monaten Mai bis Juli wurden mit Abstand die wenigsten Einbrüche begangen, die meisten im Dezember. Darüber hinaus zeigt sich eine Konzentration der Taten auf die Wochentage Donnerstag bis Samstag, auf die 53,6 Prozent aller Wohnungseinbrüche entfallen. Deutlich unterrepräsentiert ist der Sonntag mit lediglich 8,6 Prozent. Grundsätzlich sei die Landeshauptstadt nach Polizeiangaben mit vielen lukrativen Tatobjekten auf einer vergleichsweise kleinen Fläche für Einbrecher ein verlockendes Ziel. Und dennoch haben die Maßnahmen, die die Beamten ergriffen haben, Wirkung gezeigt.

Zahl der Delikte seit 2014 halbiert

Im vergangenen Jahr wurden 619 Einbrüche angezeigt, 51,5 Prozent weniger als noch im Rekordjahr 2014. „Dies stellt den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre dar“, so Winter. Neben Bad Cannstatt – zwei Fälle weniger – wurden für fast alle Stadtbezirke Rückgänge verzeichnet. Nur in Weil-imdorf und Stuttgart-Süd kam es zu einer Erhöhung der Fallzahlen. Die wenigsten Wohnungseinbrüche ereigneten sich in den Stadtbezirken Plieningen, Stammheim und Obertürkheim mit jeweils vier Fällen. Polizeipräsident Franz Lutz nimmt die Entwicklung mit Freude zur Kenntnis: „Der erneute Rückgang der Wohnungseinbrüche zeigt, dass unsere Anstrengungen, insbesondere im Bereich der Prävention, aber auch die hoch motivierte Arbeit unserer Ermittler, in den letzten Jahren sehr erfolgreich waren. Bei uns greifen alle Räder richtig ineinander.“

Schaden geht zurück

In der Mehrzahl der Wohnungseinbrüche entwendeten die Täter Schmuckgegenstände, Uhren, Bargeld sowie technische Geräte wie Laptops und Mobiltelefone. Der Wert der in Stuttgart erbeuteten Gegenstände lag im vergangenen Jahr bei 1,7 Millionen Euro – 2017 war es mehr als doppelt so viel. Die durchschnittliche Schadenshöhe reduzierte sich um drei Viertel von 10 740 auf 2583 Euro.

Trotz der positiven Entwicklungen – auch die Aufklärungsquote stieg 2018 um 5,3 Prozentpunkte auf 22,1 Prozent (137 Fälle) – stellt die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs weiterhin einen Handlungsschwerpunkt der Polizei Stuttgart dar, betont Winter. „Wohnungseinbrüche beeinträchtigen das Sicherheitsempfinden der Bürger ganz besonders. Jeder Fall ist ein Eingriff in den höchstpersönlichen Bereich. Es würde mich auch nicht begeistern, wenn Unbekannte in meinen Unterhosen rumwühlen würden.“

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