Vorfall in Stuttgart Unbekannte zünden Regenbogenfahne an

Das Feuer hat mehrere große Löcher in den Stoff gebrannt. Foto: z
Das Feuer hat mehrere große Löcher in den Stoff gebrannt. Foto: z

Unbekannte haben an der Kulturinsel im Neckarpark das Symbol für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung zerstört. Das Fachdezernat für Staatsschutzdelikte hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Bad Cannstatt - Nach Polizeiangaben haben Unbekannte im Zeitraum zwischen Samstag, 20 Uhr, und Sonntag, 9 Uhr, eine Regenbogenfahne von der Hauswand der Kulturinsel Stuttgart gerissen und angezündet. Ganz verbrannt ist das Symbol, das seit den 1970er-Jahren für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung sowie die schwul-lesbische Community steht, nicht, im Stoff sind jedoch mehrere große Löcher zu finden. „Es ist keine normale Fahne“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn. Weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden könne, habe das Fachdezernat für Staatsschutzdelikte der Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Zeugenhinweise nehmen die Beamten unter der Telefonnummer 0711 / 89 90 57 78 entgegen.

Breites Täterspektrum

Joachim Petzold, der Geschäftsführer der Kulturinsel, wurde von einer Nachbarin am nächsten Morgen informiert und hat den Vorfall anschließend angezeigt. Angaben zu den Tätern kann er jedoch nicht machen. „Ich will auch auf keinen spekulieren. Dazu ist das Täterspektrum viel zu breit.“ Die Tat zeige ihm, dass der Weg zu einer offenen Gesellschaft noch weit ist. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass jeder so sein darf, wie er will.“ Trotz vieler Anfeindungen, die der Kulturinsel-Gründer regelmäßig erhalten würde, werde er weiter für eine offene Gesellschaft werben. „Und vor der Bundestagswahl Gesicht zeigen. Gerade in Bad Cannstatt, wo zahlreiche Kulturen aufeinandertreffen und viele Menschen mit Migrationshintergrund leben“, so Petzold.

Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl

Die Kulturinsel macht das bereits am Mittwoch, 15. September. Am Abend findet in der Güterstraße 4 eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl statt. Veranstalter ist das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart (DTF). „Gerade in der heutigen Zeit, in der populistische Tendenzen in der Politik und in unserer Gesellschaft verstärkt greifbar geworden sind, ist es wichtig, dass wir für kulturelle Vielfalt, Teilhabe und ein friedliches Miteinander Partei ergreifen und wählen gehen“, schreibt die Bürgerinitiative, die 1999 zur Förderung der kulturellen Begegnung, Verständigung und Zusammenarbeit gegründet wurde, auf der DTF-Homepage. „Jeder fünfte Bewohner in Deutschland besitzt einen Migrationshintergrund – da kommt den Themen Migration, gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit eine besondere Bedeutung zu.“

Kandidaten stellen integrationspolitische Positionen vor

In einem Podiumsgespräch stellen Stuttgarter Kandidatinnen und Kandidaten die integrationspolitischen Positionen ihrer Parteien vor. Danach stehen sie dem Publikum Rede und Antwort. Gäste sind Stefan Kaufmann (CDU), Cem Özdemir (Die Grünen), Judith Skudelny (FDP), Dejan Perc (SPD) und Johanna Tiarks (Die Linke). Die Veranstaltung wird von Maria Tramountani moderiert. Sie ist Mitglied im Internationalen Ausschuss des Stuttgarter Gemeinderats.

Die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl beginnt in der Kulturinsel um 18.30 Uhr. Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, wie üblich gilt aber die 3-G-Regel. Außerdem ist eine Anmeldung über die Internetseite des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart erforderlich. Weitere Infos gibt es unter www.dtf-stuttgart.de.




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