Stuttgart-Bad Cannstatt Rosensteinbrücke muss abgerissen werden

Seit Montag weisen Warntafeln auf die Brückenschäden und das Lkw-Durchfahrtsverbot hin. Außerdem wird es von Sicherungsposten rund um die Uhr überwacht. Foto: Sebastian Steegmüller

Seit Anfang Mai dürfen keine Lastwagen mehr über die Rosensteinbrücke fahren. Eine umfassendere Untersuchung hat nun ergeben, dass das Stahlbetonbauwerk durch einen Neubau ersetzt werden muss.

Eigentlich dürfen aufgrund baulicher Mängel seit Montag, 2. Mai, keine Lastwagen mehr über die Rosensteinbrücke fahren – geschweige denn darauf stehen bleiben. Zu groß ist offenbar die Belastung für das knapp 70 Jahre alte Bauwerk. Vergangene Woche wurde für einen mobilen Baukran jedoch eine Ausnahme gemacht. Er ermöglichte es Experten, sich die Stahlbetonkonstruktion genauer anzuschauen – von unten und der Seite. Nach und nach kristallisiert sich bei der Untersuchung heraus, wie schlecht es um sie wirklich bestellt ist. Die 76 Meter lange Brücke, die von der Firma Ludwig Bauer in Zusammenarbeit mit Professor Fritz Leonhardt, dem Vater des Stuttgarter Fernsehturms, entwickelte wurde, ist wohl nicht mehr zu retten. Sie muss durch einen Neubau ersetzt werden.

 

Gewicht von der Brücke nehmen

Auslöser für die Überprüfung der Brücke, die bei ihrer Einweihung im Jahr 1953 eine bauliche Sensation war, da die Neckarquerung ohne Pfeiler ermöglicht wurde, waren neue Erkenntnisse des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zu Schäden an Spannbetonbrücken. In einem Schreiben wurde die Stadt Stuttgart Ende 2021 darüber informiert, dass auch die Rosensteinbrücke aufgrund des Bauverfahrens und des verwendeten Materials betroffen sein könnte. „Das Tiefbauamt hat daraufhin unmittelbar Untersuchungen durchgeführt“, sagt Stadtsprecher Oliver Hillinger. Dabei sei ein entsprechendes Schadensbild festgestellt worden. Vor allem in Richtung Schönestraße wurden „Schwachstellen“ ausgemacht, weshalb bereits am 18. Februar eine Fahrspur gesperrt wurde. Auf diese Weise sollte Gewicht von der Brücke genommen und „das Bauwerk entlastet werden“, so Hillinger.

Spannglieder stark beschädigt

Wie eingangs erwähnt folgte Anfang Mai eine umfassendere Analyse der Brücke, um weitere Aufschlüsse über den Zustand zu erhalten. Sie sollte auch zeigen, welche Maßnahmen erforderlich werden. „Diese Untersuchungen gehen über die übliche Bauwerksprüfung hinaus und kommen dann zur Anwendung, wenn wie im Fall der Rosensteinbrücke zum Beispiel der Verdacht auf Schäden an den Spanngliedern vorliegt.“ Sie seien teilweise freigelegt worden. „Dazu musste zunächst der Beton entfernt werden, anschließend wurden die Metallkanäle geöffnet, in denen sich die Spannglieder befinden. Bei diesen Stichproben wurden umfangreiche Schäden an ihnen festgestellt.“

Lastwagen besonders problematisch

Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde auch festgestellt, dass sich der Lkw- im Gegensatz zum Stadtbahnverkehr sehr ungünstig auf das Schwingungsverhalten des Bauwerks auswirkt. Um eine weitere Entlastung herbeizuführen, wurde die Brücke daher am 2. Mai für Lastwagen ab 3,5 Tonnen gesperrt. Weil das Durchfahrtsverbot jedoch häufig ignoriert wurde, verschärfte die Stadt die Regelung. Nach einer kurzzeitigen nächtlichen Vollsperrung stehen seit Anfang dieser Woche Sicherungsposten – jeweils in Zwölf-Stunden-Schichten – auf beiden Seiten der Brücke. Sie wurden von der Stadt beauftragt und sollen garantieren, dass kein Lkw über die Brücke fährt. „Eine gleichzeitige Nutzung durch Lastwagen, Stadtbahn, Busse und Autos ist nicht mehr möglich. Deshalb ist die Brücke für den Lkw-Verkehr gesperrt. Von der Sperrung ist der ÖPNV derzeit noch nicht betroffen. Da die Stuttgarter Straßenbahnen AG in der Pragstraße in den kommenden zwölf Wochen die Gleise erneuert, ist der Stadtbahnverkehr auf der Brücke aber dennoch unterbrochen – ein Busersatzverkehr ist eingerichtet.

Stadtbahngleise werden erneuert

Am Dienstag, 10. Mai, ist die Rosensteinbrücke auch Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik. Mitarbeiter des Tiefbauamts werden den Stadträten Rede und Antwort stehen. Es ist aber absehbar, dass viele Fragen offen bleiben werden. Denn in den kommenden Wochen werden die Materialproben der Spannstähle im Labor unter die Lupe genommen und statische Untersuchungen zum derzeitigen Zustand der Brücke durchgeführt. „Nach Vorliegen der Ergebnisse wird das Tiefbauamt gemeinsam mit den beauftragten Gutachtern beurteilen, ob weitere Verkehrseinschränkungen notwendig werden. Diese Erkenntnisse sollen möglichst bis zum Ende des Busersatzverkehrs vorliegen“, sagt Hillinger, der aber schon jetzt eine Hiobsbotschaft vom Tiefbauamt überbringen muss.

Ersatzneubau große Herausforderung

„Der aktuelle Stand der Untersuchungen zeigt, dass die Schäden, die sich bei der genannten Bauweise und des verwendeten Materials einstellen können, weit fortgeschritten sind. Bereits jetzt ist klar erkennbar, dass die Rosensteinbrücke durch einen Neubau ersetzt werden muss. Aufgrund der verkehrlichen Bedeutung, auch für den ÖPNV, ist der Ersatzneubau mit sehr großen Herausforderungen verbunden. Welche Sicherungsmaßnahmen bis zu einem Neubau der Brücke notwendig werden, muss in einem weiteren Planungsschritt ermittelt werden“, so der Stadtsprecher. „Derzeit können keine Aussagen zu den Kosten getroffen werden.“

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