Stuttgart-Birkach Birkach soll ans Stadtbahnnetz

Von Götz Schultheiss 

Die Stuttgarter Straßenbahnen planen, den schlecht angebundenen Stadtbezirk Birkach ans Stadtbahnnetz anzuschließen. Die Birkacher sind von dieser Idee wenig begeistert. Denn sie haben eine ganz andere Idee.

Falls Birkach eine Stadtbahnverbindung in die Stuttgarter Innenstadt bekommt, würde der Möhringer Bahnhof zum Herzstück werden. Foto: Alexandra Kratz
Falls Birkach eine Stadtbahnverbindung in die Stuttgarter Innenstadt bekommt, würde der Möhringer Bahnhof zum Herzstück werden. Foto: Alexandra Kratz

Birkach - Wer eine Direktverbindung der Stadtbahn U 5b ohne Umsteigen von der Innenstadt auf die Filder nach Plieningen, Birkach und an die Universität Hohenheim haben will, muss sich wohl noch etwas gedulden. „Das Projekt steht bei uns in der mittelfristigen Planung und wird zwischen 2020 und 2025 verwirklicht“, sagt Volker Christiani, der Chefplaner der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).

In ihrer Stellungnahme zum Regionalverkehrsplan des Verbands Region Stuttgart hatte die Stadt Stuttgart jüngst gefordert, diese Strecke unter der Kategorie „höchste Dringlichkeit“ einzustufen. Der Grund: Das Ergebnis einer Mobilitätsbefragung vor einigen Jahren belegte, dass Birkach von allen Stadtteilen am schlechtesten an die Innenstadt und die anderen Stuttgarter Stadtbezirke angebunden ist.

Die SSB will spätestens im kommenden Jahr untersuchen, ob die Strecke wie gewünscht machbar ist und was sie kostet. „Das Herzstück wäre die Eckverbindung am Möhringer Bahnhof“, sagt Volker Christiani. Die SSB hätten schon bei der Gebäudeplanung darauf geachtet, dass dort zwischen dem Kaufland und einem Studentenwohnheim genügend Platz für eine Stadtbahn-Trasse sei: „Man glaubt das nicht, weil der Platz so schmal ist, aber das passt alles.“

Birkacher sind nicht begeistert von den Stadtbahnplänen

Allerdings, sagt Christiani, gebe es für die Verkehrsplaner einiges zu untersuchen, weil am Möhringer Bahnhof die Stadtbahnlinien U 3, U 5, U 6 und U 12 verkehren. „Wenn eine neue Verbindung entsteht, entsteht eine Art Gleisdreieck, es gibt dann zwei neue Einmündungen, die andere Linien blockieren, wenn ein Zug kommt. Deshalb müssen wir schauen, dass wir uns mit der neuen U 5b nicht selbst aussperren und Verspätungen produzieren.“

Wenn die neue Linie machbar sein sollte, dann, sagt der SSB-Chefplaner, habe man zwei Möglichkeiten: „Man kann die Linie an der jetzigen Haltestelle in Plieningen enden lassen oder aber nach Birkach verlängern.“ Letzteres sehe der Flächennutzungsplan vor. „Aber wir müssen ebenfalls untersuchen, ob sich dies lohnt“, sagt Christiani. Bei den Birkachern stößt das Konzept der SSB auf wenig Gegenliebe. In der Vergangenheit hatten die Bezirksbeiräte die Stadtbahnverlängerung abgelehnt. Kein Birkacher werde sich in die Stadtbahn setzen und nach Plieningen fahren, um dann von dort in die Innenstadt zu fahren. Stattdessen solle der Busverkehr ausgebaut werden, vor allem mit einer schnellen Verbindung über die Linie 65 zum Flughafen.

Ende 2019 kommt die Verlängerung ins Herz Leinfeldens

Sehr viel schneller als die Verbindung nach Birkach kommt die Stadtbahnverbindung ins Herz Leinfeldens. Die rund 500 Meter lange Strecke ist im Regionalverkehrsplan ebenfalls unter „höchster Dringlichkeit“ priorisiert. Schon Ende 2019 soll die U 5 bis zur Markomannenstraße fortgesetzt werden. Die Haltestelle nennt sich dann „Neuer Markt“. Sie liegt genau gegenüber des künftigen Wohn- und Gewerbegebiets Schelmenäcker, auf dem die Stadt bis zu 200 Wohnungen, zu einem Teil auch für wenig begüterte Menschen, bauen lassen will. Sie wären dann direkt an den Schienenverkehr angeschlossen.

Die etwa zwei Kilometer lange Weiterführung der Strecke vom „Neuen Markt“ aus zum Hinterhof in der Nähe des Zeppelinplatzes in Echterdingen ist im Plan der Region nur mit „hoher Dringlichkeit“ festgeschrieben und wird wohl noch etwas auf sich warten lassen. „Hinter den Einstufungen ,hohe Dringlichkeit‘ und ,höchste Dringlichkeit‘ verbirgt sich kein exakter Zeitplan“, sagt Volker Christiani.

Keine Haltestelle an der Uni Hohenheim

Die SSB arbeiteten erst die Linien mit höchster Dringlichkeit ab, danach beginne man mit den anderen Linien. Keine Perspektive im Plan der Region hat die Stadtbahnlinie U 3 auf den Campus der Uni Hohenheim. Dort war bis Dezember 1967 die Endstation der Filderbahn, und zwar genau neben der heutigen Mensa. Der Betrieb wurde eingestellt, weil sich die neuen Züge nicht wie bisher umsetzen ließen, um dann in der Gegenrichtung fahren zu können. Auch der neuerliche Anschluss der Universität wurde jedoch in der Kategorie „nicht weiterverfolgen“ aufgenommen. Selbst die Hochschule hält die Verlängerung aus technischen Gründen für nicht umsetzbar.

Stattdessen wünscht die Stadt mit „hoher Dringlichkeit“ eine Linie der U 3 von der Stadtmitte aus über Degerloch, Hoffeld, Asemwald und Birkach bis nach Plieningen. Die Trasse soll entlang der B 27 und am westlichen Rand von Birkach entlang und durch die dortige Osumstraße führen.

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