Stuttgart-Botnang Weltladen feiert Eröffnung an neuem Standort

Haupt- und Ehrenamtliche sowie Fördervereinsmitglieder und Ehrengäste vor dem neuen Weltladen an der Griegstraße. Foto: Susanne Müller-Baji
Haupt- und Ehrenamtliche sowie Fördervereinsmitglieder und Ehrengäste vor dem neuen Weltladen an der Griegstraße. Foto: Susanne Müller-Baji

Der Eine-Welt-Laden ist ins Herzen des Stadtbezirks Botnang umgezogen. Am Samstag wurde die Eröffnung mit zahlreichen Helfern und Ehrengästen gefeiert.

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Botnang - Der Umzug fand sozusagen en passant statt. Unter anderem mit dem guten alten Leiterwagen beförderte man die Waren vom bisherigen Standort an der Franz-Schubert-Straße 40 in die Griegstraße 24 – ökologisch und publikumswirksam. Der neue Standort habe zwar nur wenig mehr Verkaufsfläche, sagte Werner Schiffer vom Leitungsteam des Weltladen-Fördervereins Pachamama bei der Eröffnung am Samstag. Dafür besteche er aber mit mehr Lagerraum und „mit einem richtigen Büro“. Das Wichtigste ist aber, dass der neue Weltladen nun quasi ins Herz des Stadtbezirks vorgerückt ist.

Das könnte für mehr Laufkundschaft sorgen, insbesondere, da nun auch der Markt wieder in der Nähe stattfindet, unterstrich Ulrike Wolf, hauptamtliche Leiterin des Weltladens. Es sorge aber auch für Präsenz in Botnang, das ja unlängst auch wieder als Fair-Trade-Bezirk zertifiziert wurde. Denn den Ehrenamtlichen gehe es ja nicht allein darum, die Waren zu verkaufen, sie wollten auch für Umdenken beim Konsum sorgen und für die Erkenntnis, dass auf dieser Erde alles und alle miteinander verbunden sind.

Pfarrerin bürgte 1995 für den ersten Laden

Dabei ist man seinen Weg beharrlich und stetig gegangen, wie Hans Blumenstein vom Förderverein bei seiner Begrüßung aufzeigte: Angefangen hatte alles mit einigen engagierten Frauen der Kirchengemeinde, die nach dem Gottesdienst fair gehandelte Waren verkauften. Die Pfarrerin Bärbel Wartenberg-Potter bürgte 1995 schließlich für den ersten Laden in der Franz-Schubert-Straße 54. Weitere Umzüge später ist man nun in der Ortsmitte angekommen. Blumenstein wies auch darauf hin, wie wenig Bio-Lebensmittel einst akzeptiert waren: „Heutzutage werben sogar Discounter mit ihrer Bio-Produktpalette – so etwas würde ich mir für den fairen Handel auch wünschen.“

Waren diese Läden zunächst als Dritte-Welt-Läden bekannt, spricht man heute von Eine-Welt-Laden oder kurz von Weltladen. Und längst geht es nicht nur um vermeintlich weit entfernte Länder: Einerseits beginnt man zu verstehen, wie schlechte Produktionsbedingungen in den armen Ländern die Menschen in einer Elendsspirale festhalten, die Umwelt zerstören und so zur Fluchtursache werden. Andererseits, so berichtet Wolf, unterstütze man auch Projekte in der Umgebung wie das Feuerbacher Behindertenzentrum bhz oder das Trossinger Nudelhaus, das vormals wohnsitzlosen Frauen eine Perspektive gibt.

Knapp 60 Ehrenamtliche engagieren sich

Ulrike Wolf koordiniert das Team von derzeit knapp 60 Ehrenamtlichen, die nicht nur verkaufen, sondern bei Vorträgen und Filmvorführungen auch darüber informieren, wie bewusster Konsum die Welt verbessern kann. Dass dieses Engagement allmählich Früchte trägt, zeigte auch die Zahl der Ehrengäste, die zur Eröffnung den Weg nach Botnang gefunden hatten – darunter die Bundestagsabgeordneten Karin Maag, Ute Vogt und Anna Christmann, aber auch Bürgermeister Werner Wölfle und Fairhandels-Beraterin Elena Muguruza. Gemeinsam stimmte man das Lied der Weltläden an, zur Melodie von „Auf de schwäbsche Eisebahne“.

Am Baum vor dem neuen Laden wurde unterdessen präsentiert, was in den kommenden Wochen zum Verkaufsschlager werden könnte: Ein fair produzierter Fußball. Denn in ihrer Vorfreude auf die Weltmeisterschaft vergessen viele, dass solche Bälle oft unter unsäglichen Bedingungen und vor allem in Kinderarbeit genäht werden, was mangels Schulbildung gleich die nächste Generation in die Abhängigkeit schickt. Die Partnerfirmen des Weltladens schließen dies aus und schaffen auch Bildungsprojekte und Infrastruktur vor Ort.

Ulrike Wolf zeigte sich glücklich über die neuen Räumlichkeiten. Eine Wunsch hat sie dennoch: „Dass noch mehr im Bewusstsein der Leute ankommt, dass es bei uns nicht nur Fair Trade-Kaffee und ähnliches gibt, sondern viel mehr.“ Hans Blumenstein hofft auf mehr Unterstützung seitens der Politik, die endlich sicherstellen müsse, dass Herkunft und Entstehungsprozess von Waren transparenter werden.

Info Der Weltladen, Griegstraße 24, ist montags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet und samstags von 9 bis 13 Uhr.




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