Stuttgart-Degerloch Anwohner sammeln Argumente gegen Café

Von Tilman Baur 

Mit dem geplanten Panorama-Café können sich einige Haigst-Bewohner in Stuttgart-Degerloch bekanntlich nicht anfreunden. Sie fürchten sich vor einer verbauten Sicht und Parkplatzproblemen. Nun kommen auch noch Sorgen wegen der Sicherheit dazu. Zu Recht?

Es gab schon einmal ein Café auf dem Haigst – nämlich gegenüber des nun geplanten Panorama-Cafés. Foto: privat
Es gab schon einmal ein Café auf dem Haigst – nämlich gegenüber des nun geplanten Panorama-Cafés. Foto: privat

Degerloch - Anfang November hat die Polizei von einem Unfall auf dem Haigst berichtet. Die Zahnradbahn war mit einem Auto kollidiert. „Dabei stürzte ein Fahrgast und verletzte sich leicht“, hieß es in dem Bericht. Bei der leichten, aber schmerzhaften Verletzung handelte es sich um einen Rippenbruch, bei dem Fahrgast um den Haigst-Bewohner Albert Groß. Der Grund für den Zusammenstoß: Das Auto hatte, vom Haigst auf dem Weg Richtung Neue Weinsteige, die rote Ampel missachtet und die Zacke von links viel zu spät kommen sehen.

Vor dem Hintergrund des Bauvorhabens auf dem Haigst fürchtet der 70-jährige Rentner nun, dass sich das Problem auf der ohnehin gefährlichen Kreuzung verschärfen könnte. Dann nämlich, wenn der Neubau oder bestimmte Elemente davon in die Spitze des Grundstücks hineinragen. Autofahrern und Zahnradbahnfahrern würde an der Kurve die Sicht genommen – mit der Folge von noch mehr Unfällen. „Ich glaube, dass die Planer das Thema Verkehrssicherheit nicht bedacht haben“, sagt Albert Groß.

Ist etwas dran an den Sorgen des Anwohners?

Allerdings ist auf den im Bezirksbeirat präsentierten Skizzen klar zu erkennen, dass auf dem spitz zulaufenden Teil des Grundstücks keine Bebauung geplant ist und der Status quo beibehalten wird. Albert Groß ist trotzdem skeptisch. Zumal der Vorstellwagen der Zahnradbahn mittelfristig 20 statt heute zehn Räder mitnehmen soll. „Das verlängert den Bremsweg zusätzlich“, glaubt Groß.

Mit seinem Misstrauen dem Projekt gegenüber ist der ehemalige Mesner der Marienkirche nicht allein. Auch Ute Franke und Peter Breidenbach hat die Präsentation von Architekt und Stadt in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats nicht überzeugt. Breidenbachs Gedanken kreisen um die Sicht, die der Bau ihm vor seinem Fenster nehmen könnte. Er beruft sich auf einen sogenannten Silhouettenschutz. So habe ihm das Denkmalamt bereits in den 1970er Jahren zugesichert, dass man die Häuserreihe direkt oberhalb des Behelfsbaus vom Schlossplatz aus sehen müsse. Diese Garantie gilt aber wohl nicht mehr, wie Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt andeutete und sich dabei auf eine Rücksprache mit dem Denkmalamt bezog.

Das Projekt sei eine Totgeburt

Außerdem sieht Breidenbach ein großes Parkplatzproblem auf den Haigst zukommen. Die Stadt hingegen glaubt daran, dass sich das Mobilitätsverhalten der Menschen ändert, dass viele Besucher des Cafés mit der Zahnradbahn kommen oder beim Wandern Rast machen werden. Ute Franke wiederum hält das Projekt schon jetzt für eine „Totgeburt“, wie sie sagt. Denn die hohen Investitionen zögen zwangsläufig eine hohe Pacht nach sich, diese werde ein Pächter niemals aufbringen können. „Dann stehen wir später ohne Versorgung da“, befürchtet Franke.

Dabei hatte Susanne Frucht betont, dass der Stadt die Nahversorgung der Anwohner ein wichtiges Anliegen sei. Franke kann darüber nur den Kopf schütteln. „Übernimmt die Stadt selbst den Laden, wenn der Pächter später einmal aufhört? Wohl eher nicht“, sagt sie. Auch bezweifelt sie, dass der angekündigte Lieferservice den älteren Bewohnern genau den Service bieten wird, den der Inhaber des derzeitigen Kiosks biete. Denn der trage den Kunden auch die schweren Sprudelkisten in den Keller. Obwohl Stadt und Architekt sich nach eigenem Bekunden bemüht haben, auf die Einwände der Anwohner einzugehen, überwiegt in direkter Nachbarschaft bei vielen die Skepsis darüber, ob das Projekt sinnvoll ist und die Situation vor Ort tatsächlich verbessern kann.

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