Stuttgart-Degerloch Bis zu 45 Müllwagen in Degerloch geplant

Von Tilman Baur 

Im Gewerbegebiet Tränke soll ein großer AWS-Betriebshof entstehen. Die Meinungen der Betreuungsstadträte dazu gehen auseinander.

Die Degerlocher Bezirksbeiräte befürchten einen Verkehrskollaps, wenn die Abfallwirtschaft  mit 45 Fahrzeugen und 155 Mitarbeitern  ins Gewerbegebiet Tränke zieht. Foto: Tilman Baur, dpa
Die Degerlocher Bezirksbeiräte befürchten einen Verkehrskollaps, wenn die Abfallwirtschaft mit 45 Fahrzeugen und 155 Mitarbeitern ins Gewerbegebiet Tränke zieht. Foto: Tilman Baur, dpa

Degerloch - Der Plan der Stadt, eine Betriebsstelle der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) am Bruno-Jacoby-Weg in Degerloch anzusiedeln, ist umstritten: Der Bezirksbeirat fürchtet einen Verkehrskollaps durch die vielen Müllfahrzeuge, Lärm und Gestank. Im Juli hatte das Gremium den entsprechenden Plänen der Stadt eine einstimmige Absage erteilt.

Die AWS-Sprecherin Annette Hasselwander erklärt auf Anfrage, was in der Betriebsstelle geplant ist: „Es sollen Sozial- und Büroräume für die Mitarbeiter sowie Stellplätze und Garagen für die Fahrzeuge entstehen. Dazu kommen Lagerflächen für Behälter, Mulden und Container und – falls der Platz reicht – ein Salzsilolager.“

Wie der Geschäftsführer der AWS, Thomas Heß, bereits in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung angedeutet hatte, wird die Betriebsstelle in Degerloch erheblich größer als die an der Liebknechtstraße in Vaihingen. Dort sind derzeit 21 Müllfahrzeuge und 80 Mitarbeiter stationiert. Durch die Einführung der Pflichtbiotonne und die Auflösung des Betriebshofs Nord an der Türlenstraße könnten künftig bis zu 45 Müllfahrzeuge und 155 Mitarbeiter am Bruno-Jacoby-Weg in Degerloch unterwegs sein. Derzeit ist dort noch die Feuerwache 5 stationiert, sie soll mittelfristig nach Möhringen umziehen.

Betrieb soll keinen großen Lärm machen

Immerhin: Ein Schallgutachten habe ergeben, dass der geplante Betrieb keinen erwähnenswerten Lärm verursache, versichert Hasselwander. Und Gestank werde sich auch nicht ausbreiten, weil auf dem Betriebsgelände in der Tränke nur leere Fahrzeuge stationiert werden – gewaschen würden sie anderswo. Beim Thema Verkehr – der größten Sorge der Degerlocher Bezirksbeiräte – verweist die AWS auf eine Machbarkeitsstudie, die derzeit erstellt werde.

Joachim Rudolf, der Betreuungsstadtrat der CDU, bezweifelt, dass die Machbarkeitsstudie zu einem für die Abfallwirtschaft günstigen Ergebnis kommen wird. Rudolf sieht ein Verkehrsproblem auf den Bezirk zukommen. „Man muss zunächst regeln, wo die Mitarbeiter parken können und wie man die Zufahrt gestaltet“, so Rudolf.

„An der Sigmaringer Straße staut es sich schon jetzt“

Bis zu 45 Fahrzeuge könnten ein „massives Problem“ darstellen, denn an der Sigmaringer Straße staue sich der Verkehr schon jetzt unter der Woche jeden Morgen sowie zur Feierabendzeit. Natürlich müsse man auch über den Tellerrand hinausschauen, sagt er. „Ob es aber nötig ist, hier gleich mehrere Standorte zusammenzufassen, ist die Frage“, so Rudolf, der dafür plädiert, doch noch über eine dezentrale Lösung nachzudenken.

Beate Schiener, Betreuungsstadträtin der Grünen und Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Technik (UTA), sieht das anders. Einen Ort für den Betriebshof auf den Fildern suche man schon länger. Die angestrebte Lösung hält sie für vertretbar. „Der Standort ist nicht der schlechteste. Er ist verkehrlich gut erschlossen. Zumal es um eine Lösung für die Allgemeinheit geht.“

Nächste Sitzung bereits Mitte September

So sieht es auch Maria Hackl, Betreuungsstadträtin der SPD: „Sowohl in Sachen einer möglichen Geruchsbelästigung als auch einem Verkehrskollaps teile ich die Bedenken nicht“, so Hackl. Zum einen würden die Müllfahrzeuge in der Tränke weder repariert noch gewaschen. Zum anderen rechtfertige die gute Verkehrsanbindung durch die nahe B 27 den Standort. Durch die frühe Ausrückzeit der Fahrzeuge werde der Verkehr nicht beeinträchtigt, argumentiert Hackl. Man müsse die Bedenken der Bezirksbeiräte zwar ernst nehmen, generell sei die Ansiedlung der AWS in der Tränke aber legitim.

Die Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold hofft darauf, dass die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die als Entscheidungsgrundlage dienen sollen, bis Mitte September vorliegen. Die nächste Sitzung des Bezirksbeirats hat sie auf Wunsch von Baubürgermeister Peter Pätzold auf Montag, 18. September, vorverlegt.

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