Stuttgart-Degerloch Bürger halten Treppe für lebensgefährlich

Von Tilman Baur 

Zwischen Weinsteige und Meistersingerstraße in Stuttgart-Degerloch verläuft eine baufällige Stiege. Es heißt, es seien sogar schon Passanten gestürzt. Bewohner fordern, dass sich die Stadt schnellstens kümmert. Offenbar hat dies aber keine Priorität.

Das Geländer an der Treppe zwischen Meistersingerstraße und Oberer Weinsteige  ist so niedrig, dass sich Fußgänger bücken müssen, um sich daran festzuhalten. Das ärgert Hartmut Alt. Foto: Tilman Baur
Das Geländer an der Treppe zwischen Meistersingerstraße und Oberer Weinsteige ist so niedrig, dass sich Fußgänger bücken müssen, um sich daran festzuhalten. Das ärgert Hartmut Alt. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Schiefe Treppenstufen, in denen Löcher klaffen. Holpriger Asphalt, aus dem das darunter liegende Wurzelwerk herausquillt. Ein schiefes Geländer, das weit vom Weg absteht, und ein umgefallener Baum, der in ihn hineinragt: Wer vom Ende der Meistersingerstraße rauf zur Neuen Weinsteige will, braucht gute Nerven und sollte sportlich sein. Diese verkommene Treppe hat das Zeug zur Kulisse in einem Schauerroman, der in einem verlassenen Nest einer abgelegenen englischen Grafschaft spielt. Aber weit gefehlt, das verwahrloste Bauwerk befindet sich mitten im gut situierten Degerloch.

Trotz ihres verheerenden Zustands wird sie trotzdem rege genutzt. Vermutlich auch deshalb, weil es nicht viele Alternativen gibt, um zu Fuß von der betriebsamen Weinsteige runter auf den Haigst zu gelangen. Eine Mutter mit zwei Kindern an der Hand läuft an jenem Nachmittag hinab. Im unteren Abschnitt stolpert eines der Kinder über den unebenen Beton.

Hartmut Alt kann darüber nur den Kopf schütteln. Der Rentner wohnt an der nahe gelegenen Parsifalstraße. Die Treppe werde seit Jahren nicht in Stand gesetzt. „Ich benutze den Weg fast täglich und habe wiederholt erlebt, dass ältere Menschen große Probleme haben. Einige sind schon gestürzt, und einmal mussten wir Erste Hilfe leisten“, berichtet der Degerlocher. Zusammen mit einem Anrainer habe er den Rettungswagen alarmiert.

Ungutes Gefühl auf der Treppe

Auch er selbst habe ein ungutes Gefühl, wenn er hier auf der wackeligen Stiege unterwegs sei. „Ich bin mir nie sicher, ob ich gesund unten ankomme“, sagt er und zeigt auf das Geländer. Es ist so niedrig, dass Fußgänger sich bücken müssten, um sich überhaupt daran festhalten zu können. „Das Geländer hier ist völlig sinnlos“, sagt Hartmut Alt.

Mindestens drei Jahre dauere dieser Zustand nun schon an, sagt der Degerlocher. Hartmut Alt kann sich überhaupt nicht erklären, warum die Stadt Stuttgart den beliebten und seiner Meinung nach „stark frequentierten“ Durchgangsweg so hat verkommen lassen. „Vielleicht ist es Nachlässigkeit, vielleicht fehlen die Gelder“, spekuliert er. „Sie können jeden fragen, der hier runter läuft, Sie werden die gleiche Auskunft erhalten.“

Eine Stichprobe beim nächsten Fußgänger bestätigt Alts These. „Für ältere Leute ist das fast lebensgefährlich“, sagt der Passant, der auf dem Weg runter Richtung Haigst ist, „die Stadt müsste dringend etwas machen“. Obwohl es für ihn selbst einen Umweg bedeuten würde, plädiert Hartmut Alt dafür, dass die Stadt den Weg aus Sicherheitsgründen vorübergehend sperrt, bis er repariert ist.

Es gibt so gut wie keine Alternative

Die Alternative für Haigst-Bewohner, die vom Degerlocher Ortszentrum aus nach Hause laufen wollen, ist die Josefstraße, ein schmaler Weg, der an einem kleinen Park vorbeiführt. „Die ist auch nicht ohne für Ältere, da sie sehr steil ist“, sagt Hartmut Alt, „aber das hier müsste man zumachen und renovieren“. Auch Ursula Becker, die ihren echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, kann nicht nachvollziehen, warum sich an der Treppe nichts tut. Schon im Herbst hatte sie die gefährliche Situation im örtlichen Bezirksbeirat geschildert.

Neben den baulichen Schäden sei der Weg auch düster, die Beleuchtung funktioniere nicht, sagt Becker. Ältere Haigst-Bewohner hätten zunehmend Probleme, zur Epplestraße und wieder zurück zu kommen. Hoch müssten sie aber, denn Einkaufsmöglichkeiten gebe es auf dem Haigst kaum mehr.

Stadt will die Treppe nächstes Jahr sanieren

Eine Besserung ist offenbar erst einmal nicht in Sicht. Vor Kurzem hat ein Vertreter des Tiefbauamts im Bezirksbeirat die Baumaßnahmen für dieses Jahr präsentiert. Dabei hat er unter anderem angekündigt, eine Treppenanlage zu sanieren – allerdings eine andere, die zwischen Kiefern- und Eibenweg liegt. Und auf neuerliche Nachfrage unserer Zeitung teilt Ann-Katrin Gehrung, eine Sprecherin der Stadt, mit: „Die Treppe an der Meistersinger Straße haben wir im Blick. Bäume und Sträucher haben wir bereits roden lassen. So konnten wir uns auch den baulichen Zustand nochmals intensiv ansehen.“ Offenbar sieht die Stadt keine akute Gefahr: „Die Arbeiten an der Treppe können wir im kommenden Jahr angehen. Im Herbst dieses Jahres werden wir eine Ausschreibung veröffentlichen und voraussichtlich ab Frühjahr 2020 mit den Arbeiten beginnen.“ Bis es so weit ist, können sich die Fußgänger zumindest vorab überlegen, ob sie sich auf die Treppe trauen: Schilder warnen oben und unten vor den Schäden.

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