Stuttgart-Degerloch Das Panorama-Café wirft weiterhin Fragen auf

Von Tilman Baur 

Ein Investor, der sich nicht als solcher verstanden wissen will, plant etwas Neues auf dem Haigst in Stuttgart-Degerloch: ein Aussichtscafé mit Lebensmittelladen und Bäckerei. Die Bedenken von Anwohnern haben sich nach wie vor nicht zerstreut.

Diesen Blick auf den Stuttgarter Talkessel sollen die künftigen Besucher das Panorama-Cafés genießen. Foto: Tilman Baur
Diesen Blick auf den Stuttgarter Talkessel sollen die künftigen Besucher das Panorama-Cafés genießen. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Mit dem Arbeitstitel Panorama-Café sind in Degerloch nicht alle einverstanden. Es geht um ein Bauprojekt auf dem Haigst, das die Meinungen spaltet. Einige verbinden damit wohl eine hoch gelegene Aussichtsplattform, die es aber so nicht geben wird. Anderen kommt bei dem Begriff zu kurz, dass es dort neben dem Café einen Lebensmittelladen und eine Bäckerei geben soll. Wie auch immer man das Projekt Auf dem Haigst 37 nennen will: Fest steht, dass es langsam konkreter wird.

Investor will sich als Nachbar verstehen

Die Stadt hat das 371 Quadratmeter messende Mini-Grundstück mittlerweile an den Investor verkauft, der sich aber gar nicht als solcher verstanden wissen will, sondern als Nachbar, dem die Entwicklung auf dem Haigst am Herzen liegt. Aktuell steht an der Stelle ein Behelfsbau aus dem Gründungsjahr der Republik, es dient als Lebensmittelgeschäft und sozialer Treff im Ortsteil. Am 3. Dezember, wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik über den Aufstellungsbeschluss entscheiden. Es ist der erste von mehreren nötigen Schritten des vorhabenbezogenen Bebauungsplans, den die Stadt für das Grundstück vorsieht.

Diese Form des Bebauungsplans sei wichtig, betonte die Stadtplanerin Susanne Frucht jüngst im Bezirksbeirat, sie garantiere der Stadt die Planungshoheit. „Das heißt, dass Planungsrecht nur dann geschaffen wird, wenn dieses konkrete Vorhaben umgesetzt wird“, sagte sie. Das Projekt selbst bezeichnete sie als „klein, aber fein“. Zwar habe es keine Priorität vor anderen Vorhaben, da kein Wohnraum entstehe. Doch sei der Verwaltung wichtig, dass die Versorgung der Bewohner auf dem Haigst weiter gedeckt sei, sagte sie.

Die Terrasse sei „sehr klein“

Angesichts der Größe des Grundstücks ist es beachtlich, was Architekt Martin Stoll dort alles unterbringen will: ein Lebensmittelladen im Untergeschoss, eine Bäckerei mit Stehtischen im Mittelgeschoss, die barrierefrei von der Straße Auf dem Haigst erreichbar sein soll. Und im Obergeschoss schließlich ein kleines Café auf einer Fläche von nicht mehr als 70 Quadratmetern. Eine „sehr kleine Terrasse“ sei das, betonte Stoll, von einer Aussichtsplattform könne keine Rede sein.

Anwohner hatten die Sorge geäußert, dass ihnen Café-Besucher in die Wohnung stieren könnten. „Es wäre schlimm, wenn die Café-Besucher ins Schlaf- oder Wohnzimmer reinschauen könnten“, sagte eine Anwohnerin jüngst im Bezirksbeirat. Diese Bedenken haben die Planer bedacht: Hohe Gewächse sollen die Sicht schützen. „Intensivbegrünungen“, auch Dachgärten genannt, sind aufwendige Begrünungen, oft mit Stauden und Sträuchern, die viel Pflege brauchen.

Im Gebäude sollen sich Kunden mit einem Aufzug bewegen können. Auch ein Lieferservice ist vorgesehen. Ein Transporter könnte in einer Nische rechts des Gebäudes parken, die Ein- und Ausfahrt über die Gleise der Zahnradbahn haben die Stuttgarter Straßenbahnen bereits abgesegnet. An der Straße Auf dem Haigst planen die Verantwortlichen Fahrradstellplätze und eine Ladestation für E-Bikes.

Das Partyvolk vom Wildpinkeln abhalten?

Im Bezirksbeirat fand das Vorhaben wie bereits vor einem Jahr Anklang. Doch entscheidende Fragen sind noch offen. So etwa zu den Toiletten. Zwar hat die Stadt den Investor verpflichtet, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Noch unklar ist zu diesem frühen Zeitpunkt aber, zu welchen Tageszeiten. Will man das Partyvolk am Santiago-de-Chile-Platz vom Wildpinkeln abhalten, dann müsste das WC auch nachts offen sein. Skeptisch betrachten viele die bereits angespannte Parkplatzsituation, die Café-Besucher noch verstärken könnten. „Auf dem Grundstück sind keine neuen Stellplätze möglich, es entfallen aber auch keine“, sagte Frucht und wies darauf hin, dass viele Besucher wohl mit der Zahnradbahn kommen oder beim Wandern Rast machen würden.

Die Pläne liegen vom 13. Dezember bis zum 24. Januar zur Ansicht im Stadtplanungsamt Stuttgart und im Bezirksrathaus Stuttgart-Degerloch aus.

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