Stuttgart-Degerloch Das sind die Ideen gegen den lästigen Verkehr

Von Tilman Baur 

Parkraummanagement, mehr Rechte für Radler und Fußgäger und ein Ortsbus – das sind alles Ideen gegen den störenden Autoverkehr in Stuttgart-Degerloch. Auf der Wunschliste für den Dauerbrenner steht vor allem eine Straße im Fokus.

Der Bezirksbeirat will, dass die Albstraße in beide Richtungen geöffnet wird. Foto: Tilman Baur
Der Bezirksbeirat will, dass die Albstraße in beide Richtungen geöffnet wird. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Jahrelange kleinteilige Vorarbeit und eine große Portion Kompromissbereitschaft waren nötig, um das gemeinsame Verkehrskonzept auf den Weg zu bringen. In der letzten Sitzung des laufenden Jahres haben es die Fraktionen des Bezirksbeirats nun vollbracht. Sie übergaben einem Vertreter der Stadt das Papier, an dem auch der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) mitgewirkt hat. Die Wunschliste jedenfalls ist lang: neun Punkte und viele Unterpunkte umfasst der Maßnahmenkatalog.

Das oberste Ziel besteht laut Papier in einer „deutlichen Steigerung der Attraktivität der Ortsmitte Degerlochs für die gesamte Bevölkerung“. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll die Beschränkung auf Tempo 30 im gesamten Citybereich Degerlochs leisten. Die Einführung des Parkraummanagements soll den großen Parkdruck vermindern. Parkhäuser sollen Leitsysteme erhalten, für die an der Epplestraße wegfallenden Parkplätze sollen anderswo neue entstehen. Überhaupt steht die Epplestraße im Mittelpunkt des Papiers: Die um sie verlaufenden Einbahnstraßen will der Bezirksbeirat auf den Prüfstand stellen. Ein Shared-Space-Bereich, auf dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, soll zur Verkehrsberuhigung beitragen. „Davon wird auch der Einzelhandel profitieren“, so Wilfried Seuberth (SPD). Michael Huppenbauer (Grüne) sprach davon, die Straße als „Wohnzimmer“ für die Degerlocher zurückgewinnen zu wollen.

Es gibt auch Differenzen

Den Durchgangs- und Schleichverkehr, der den Bezirk seit Jahren plagt, soll die Stadt durch Pförtnerampeln, Kreisverkehre und bauliche Maßnahmen zur Entschleunigung und Verflüssigung erreichen. Weiter soll die Verwaltung prüfen, ob sich eine Öffnung der Albstraße in beide Fahrtrichtungen günstig auswirkt. In diesem Punkt gibt es Differenzen zwischen den Fraktionen – SPD-Beirat Wilfried Seuberth konnte dem Punkt nur „unter Bauchschmerzen“ zustimmen.

Die geforderte Auffahrt von der Tränke auf die B 27 in Richtung Tübingen hat der Gemeinderat bereits bewilligt. Das Papier nimmt sich außerdem dem öffentlichen Nahverkehr in Degerloch an, einem Sorgenkind im Bezirk. Für die vom ÖPNV vernachlässigten östlichen Gebiete soll ein Ortsbus her. Schließlich sollen auch Radler auf ihre Kosten kommen: sowohl von den Fildern als auch vom Talkessel kommend sollen bessere Verbindungen entstehen.

Nun ist die Stadt Stuttgart am Zug

Nun ist die Verwaltung am Zug. Wie viele Wünsche der Lokalpolitiker die Stadt erfüllt, wird die Zukunft zeigen. Mehr als ein „Input für die Fachverwaltung“, wie Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold sagte, ist das Papier zwar nicht. Bewegen wird sich aber auf jeden Fall etwas, denn im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat Haushaltsmittel für eine Verkehrserhebung und ein innerstädtisches Verkehrskonzept bewilligt.

Andreas Hemmerich vom Stadtplanungsamt machte den Beteiligten Mut.„Das Papier enthält viele sinnvolle Anregungen, die sich mit dem Verkehrsentwicklungsplan 2030 decken“, sagte er. Von der Arbeit der Lokalpolitiker zeigte er sich beeindruckt: „So ein Konsens innerhalb eines Bezirksbeirats ist außergewöhnlich. Das ist mir bislang aus keinem anderen Bezirk bekannt.“

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