Stuttgart-Degerloch Die Raumnot an den Schulen verschärft sich

Von Tilman Baur 

Das Wilhelms-Gymnasium in Stuttgart-Degerloch kann im Herbst wohl 30 neue Fünftklässler weniger aufnehmen als bisher. Das hängt damit zusammen, dass es der Schule an Platz fehlt. Ein Lösungsvorschlag steht im Raum, doch den lehnt die Stadt ab.

Am Wilhelms-Gymnasium ist zu wenig Platz vorhanden. Feste Klassenzimmer haben schon jetzt nur noch die Schüler der Stufen fünf bis zehn. Foto: Tilman Baur
Am Wilhelms-Gymnasium ist zu wenig Platz vorhanden. Feste Klassenzimmer haben schon jetzt nur noch die Schüler der Stufen fünf bis zehn. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Die Raumnot an den weiterführenden Schulen in Degerloch wird immer prekärer. Wie aus einer Stellungnahme des Schulverwaltungsamts hervorgeht, soll das Wilhelms-Gymnasium (WG) vom kommenden Schuljahr an nur noch zwei neue Klassen aufnehmen können. Das heißt, dass künftig 30 Schüler aus Degerloch – also zwei Schulklassen – auf Schulen in anderen Stadtbezirke, zum Beispiel das Königin-Charlotte-Gymnasium in Möhringen, ausweichen müssen.

Neu ist das Problem nicht. Das WG hat als eines von nur drei Gymnasien in Stuttgart, die das Abitur nach Klasse 13 (G9) anbieten, seit Langem Probleme mit seinen Kapazitäten. In einem Eilantrag hatte der Bezirksbeirat deshalb im Dezember Container gefordert, die interimsmäßig als Klassenzimmer dienen sollten. Fundamente dafür sind auf dem Grundstück der angrenzenden „International School of Stuttgart“ (ISS) vorhanden“.

Aufstellung von Containern würde zwei Jahre dauern

Das sei jedoch nicht rechtzeitig machbar, urteilt Philipp Forstner vom Schulverwaltungsamt. Er weist darauf hin, dass für die Aufstellung von Containern ein Vorlauf von bis zu zwei Jahren für Planung, Baugenehmigung, Ausschreibung und Realisierung nötig sei – unabhängig davon, welche Fundamente vorhanden seien.

Peter Hoffmann, Schulleiter des Wilhelms-Gymnasiums, kennt die Haltung des Amts. Einverstanden ist er damit nicht. „Einfach zu sagen: Jetzt haben wir keine Räume, dann machen wir eben nur noch zwei Klassen, das kann nicht die Lösung sein“, sagt er. Als Stadtteilschule müsse man mindestens den Kindern aus dem Einzugsbereich Platz bieten. „Das können wir nicht, wenn wir nur zwei Klassen bilden dürfen“, so Hoffmann. Die Stadt müsse eine Lösung finden. Wenn nicht durch Container, dann eben auf eine andere Art und Weise, verlangt er.

Aus seiner Sicht hat das Gymnasium zwei Hauptprobleme: Zum einen habe man bereits jetzt zu wenig Räume. Feste Klassenzimmer hätten nur die Klassen zwischen Stufe fünf und zehn. „Die oberen Klassenstufen schieben wir immer irgendwie dazwischen“, so der Schulleiter. Das sei kein tragbarer Zustand. Zweitens könne die Tatsache, dass das Gymnasium Kinder aus Degerloch ablehnen müsse, schwere Folgen für die Schullandschaft in dem Stadtbezirk haben. Peter Hoffmann spricht von einem „schwierigen Einschnitt“, der bevorstehe.

Hoffnung liegt auf Ergebnis aus dem Bürgerhaushalt

Hoffnung setzt der Schulleiter auf die Initiative „Platz da für Schüler – Räume für Fritz-Leonhardt-Realschule und Wilhelms-Gymnasium schaffen“, die beim diesjährigen Bürgerhaushalt mit mehr als 3000 Stimmen den fünften Platz belegt hat. „Dadurch wird der Politik zumindest die Dringlichkeit des Problems klar“, glaubt Hoffmann. Wichtig sei nun vor allem, das Bewegung in die Sache komme. „Momentan habe ich eher den Eindruck, dass unser Anliegen nicht ernst genommen wird“, so der Schulleiter.

Auch Karin Grafmüller, Rektorin der Fritz-Leonhardt-Realschule, setzt auf die Signalwirkung aus dem Bürgerhaushalt. In ihrer Schule fehlt es an Technikräumen. Politik und Bürgerschaft stünden hinter den Erweiterungsplänen für beide Schulen, sagt sie. „In unserem Fall gibt es außerdem seit Jahren fertige Baupläne.“ Die Initiative aus dem diesjährigen Bürgerhaushalt, hofft Grafmüller, könnte das Zünglein an der Waage sein, das die Verwaltung zum Handeln bewegt.

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