Stuttgart-Degerloch Gefahr durch unübersichtliche Kreuzung?

Von Tilman Baur 

Die Waldschule in Stuttgart-Degerloch wird zur Grundschule erweitert. Die Degerlocher SPD fürchtet, dass künftig mehr Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden und sich die Verkehrssituation auf der Waldau zuspitzt. Die SPD hat deshalb eine konkrete Idee – doch die Stadt ist wenig begeistert.

Vor der Waldschule in Degerloch geht es mitunter umtriebig zu. Bezirksbeiräte befürchten, dass es durch die neue Grundschule noch hektischer werden könnte. Foto: Tilman Baur
Vor der Waldschule in Degerloch geht es mitunter umtriebig zu. Bezirksbeiräte befürchten, dass es durch die neue Grundschule noch hektischer werden könnte. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Waldau, Montagmorgen, 8.30 Uhr: An der Kreuzung Löwenstraße/Georgiiweg/Königsträßle herrscht Hochbetrieb. Im Fünf-Sekunden-Takt rauschen Autos heran: von Süden aus Schönberg, von Westen aus der Löwenstraße, von Osten aus dem Georgiiweg und von der Jahnstraße. Radfahrer und Fußgänger mischen ebenfalls mit. Die Kreuzung liegt mitten auf der Filder-Rad-Runde. Eine Lehrerin winkt eine Gruppe Schüler eilig über das Königsträßle Richtung Wald. Kurz kommt der Verkehr zum Stillstand, dann geht es weiter im Takt.

Auf dem Königsträßle gilt eine Tempo-30-Regelung; ein „Achtung, Kinder!“-Verkehrsschild weist Autofahrer auf die Gefahr kreuzender Schüler hin. Der SPD im Bezirksbeirat gehen die Regeln jedoch nicht weit genug. In der jüngsten Sitzung hat sie beantragt, einen Zebrastreifen einzurichten, der das Königsträßle direkt an der Kreuzung queren soll. „Das Verkehrsaufkommen ist vor allem aus Richtung Jahnstraße hoch. Es gibt viele Fußgänger, die zur Haltestelle Waldau laufen“ sagte Ulrich-Michael Weiß zum Antrag seiner Fraktion. Das entscheidende Argument für den Antrag liefert die Entwicklung der Waldschule: „Sie wird zur Grundschule erweitert, und dann werden viele Schüler mit dem Auto gebracht“, glaubt Weiß.

Die Stadt dämpft die Erwartungen

Die SPD sähe den Zebrastreifen gern in unmittelbarer Nähe zur Kreuzung. Grundsätzlich gilt die Regel, dass es einen Abstand von fünf Metern dazwischen geben muss. Dies mache aber keinen Sinn, sagt SPD-Beirat Wilfried Seuberth, denn fast alle Passanten queren die Straße direkt an der Kreuzung. Bei den Kollegen im Bezirksbeirat stößt das Ansinnen auf offene Ohren. CDU-Sprecher Götz Bräuer plädierte gar dafür, den Antrag um weitere Verkehrssicherheitsmaßnahmen zu ergänzen: „Die Löwenstraße mit der hohen Hecke und der 90-Grad-Kurve ist auch sehr gefährlich.“

Der Leiter der Waldschule, Kai Buschmann, sieht die Pläne positiv. „Wir haben die Initiative selbst noch nicht ergriffen, haben aber in den letzten Tagen intensiv diskutiert, ob wir das nicht zum Schuljahresende machen.“ Buschmann bevorzugt einen Zebrastreifen, der über den Georgiiweg führt. Denn der Spielplatz an der Ecke Georgiiweg/Königsträßle habe sich zu einem großen Anziehungspunkt entwickelt. „Wir haben schon erlebt, dass Kinder da auf die Straße stürzen, ohne nach links und rechts zu schauen.“ Die Befürchtung, dass viele Eltern ihre Grundschulkinder ab September mit dem Auto bringen werden, teilt Buschmann indes nicht: „Die Eltern verpflichten sich durch eine Schulvertragsklausel sogar, die Kinder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bringen.“

Die Stadt dämpft die Erwartungen. Die Straße stehe nicht im Fokus und sei ebenso wenig als Gefahrenquelle bekannt, heißt es aus dem Ordnungs- und Stadtplanungsamt. Ob sich diese Meinung zum Schulanfang ändert, bleibt abzuwarten.

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