Stuttgart-Degerloch Rote Fähnchen prangern Hundehaufen an

Von Caroline Holowiecki 

Bernd Spellenberg hat die Nase gestrichen voll: Er geht regelmäßig im Ramsbachtal bei Stuttgart-Degerloch spazieren – und ärgert sich über massenhaft Hundekot. Deshalb hat er sich nun etwas ausgedacht, um seinem Frust Luft zu verschaffen.

Nah dran am Gestank und trotzdem noch freundlich: Bernd Spellenberg markiert einen Hundehaufen mit einem seiner Fähnchen. Foto: Caroline Holowiecki
Nah dran am Gestank und trotzdem noch freundlich: Bernd Spellenberg markiert einen Hundehaufen mit einem seiner Fähnchen. Foto: Caroline Holowiecki

Degerloch/Sillenbuch - Hier sitzt ein Fähnchen, dort noch eines, und ein paar Meter weiter ein ganzes Fähnchenmeer. Entlang des Eugen-Kucher-Wegs leuchten viel rote Flecken auf. Im Sonnenschein, bei strahlend blauem Himmel, sehen die Farbtupfer im idyllischen Ramsbachtal bei Degerloch auf den ersten Blick irgendwie nett und festlich aus. Der Hintergrund der Markierungen ist aber so gar nicht festlich. Jedes Fähnchen kennzeichnet einen Hundehaufen.

Auf manchen Fähnchen wird er mehr als deutlich

Bernd Spellenberg stinkt der Zustand entlang des Weges gewaltig. Er hat die Fähnchen in den Boden gesteckt und auf manche der roten Papiere geschrieben, was er von dem hält, was er vorgefunden hat, hält: Scheiße. Der Sillenbucher geht regelmäßig im Ramsbachtal spazieren, daher weiß er: Das Kot-Problem ist im Landschaftsschutzgebiet kein neues. „Es ist schon immer so, es ist schon heftig“, sagt er. Teilweise lägen die Tretminen direkt vor den Eingangstörchen zu den Gärten, erzählt er und schüttelt den Kopf. Deswegen hat sich der ehemalige Berufsschullehrer die Fähnchenaktion überlegt. Er hofft auf einen Erkenntniseffekt. „Ich will drauf aufmerksam machen, dass manche Hundehalter sich hier komisch verhalten“, sagt er. 20 der kleinen Wimpel hat er privat gebastelt und verteilt. Weit gekommen ist er mit ihnen nicht, und in einen Haufen getreten ist er zu allem Überfluss auch noch.

Nutztiere könnten auch krank werden

Nicht nur den Spaziergänger Bernd Spellenberg ärgern die Hundehaufen. Auch die Landwirte, die auf den verkackten Feldern im Ramsbachtal Tierfutter anbauen, sind nicht nur aus ästhetischen Gründen aufgebracht: Sie fürchten, dass ihre Nutztiere durch die Verunreinigungen krank werden. Deshalb haben im Jahr 2017 der Bauernverband und die Landeshauptstadt Verbotsschilder an den Hauptzugängen des Ramsbachtals angebracht. Die Schilder waren bewusst dezent gehalten, man wollte informieren, nicht aber belehren. Dass sich seither offenbar nichts verbessert hat, beweist: Die Hunde lesen die Schilder nicht, ebenso wenig ihre Herrchen und Frauchen.

Bernd Spellenberg ist ein Tierfreund. „Ich mag Hunde“, stellt der 73-Jährige klar, vielmehr ärgere er sich über die Gedankenlosigkeit mancher Tierbesitzer. An Alternativen mangelt es nämlich nicht. Direkt am Eingang zum Eugen-Kucher-Weg steht ein Tütchenspender samt Mülleimer. Doch selbst die werden nicht selten samt Inhalt in die Pampa geworfen. Bernd Spellenberg findet deutliche Wort für solch ein Verhalten: „Das ist Sch . . ., was die machen.“

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