Stuttgart-Degerloch/Süd Illegale Downhill-Strecken bevorzugt

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An der Konzeption und Wartung des Woodpecker-Trails zwischen Stuttgart-Degerloch und Stuttgart-Süd wird Kritik laut. Manche Biker wünschen sich einen Verein, der sich der Strecke annimmt – andere wollen genau dies verhindern.

Michael Och (li.) und Nikolas Hein sind passionierte Biker. Der Woodpecker-Trail zwischen Degerloch und Stuttgart-Süd gefällt ihnen jedoch nicht.Foto: Julia Bosch

Degerloch/S-Süd - Eine Sache ist Michael Och und Nikolas Hein wichtig: Sie wollen auf keinen Fall undankbar klingen: „Die Stadt hat mit dem Woodpecker-Trail etwas Tolles erschaffen. Es ist super, dass es in Stuttgart eine legale Downhillstrecke gibt.“ Sie sind jedoch der Meinung, dass Stuttgart eine bessere Strecke verdient hat, „eine, die im Rahmen des beim Biken sowieso hohen Verletzungsrisikos sicher zu fahren ist und den Fahrern aller Klassen Spaß macht“, sagt Nikolas Hein (39). Sie sagen, dass nach wie vor fast alle Downhiller aus Stuttgart und Umgebung auf illegalen Strecken im Wald unterwegs sind, weil sie unzufrieden mit dem Woodpecker-Trail seien.

Konkret ärgert die zwei Downhill-Biker die ihrer Meinung nach schlechte Wartung und die mangelhafte Konzeption der Strecke zwischen Degerloch und Heslach. Nikolas Hein erinnert sich: „Als der Trail neu eröffnet wurde, wollte ich ihn mir unbedingt anschauen. Etwa sechs Wochen nach der Eröffnung bin ich die Strecke gefahren und sofort gestürzt, weil in dem Landungsbereich eines Sprungs ein fetter Matschhaufen lag.“ Er brach sich das Schlüsselbein und zog sich mehrere offene Wunden zu. Ein Kumpel von ihm stürzte an exakt derselben Stelle.

Kritiker wünschen sich Verein hinter der Strecke

Michael Och (32) bestätigt dies: „Die Sprünge funktionieren nicht. Bei guten Sprüngen ist die Landung etwas höher gebaut als der Absprung. Man sieht bei der Anfahrt das Ziel des Sprungs. Das ist ein sicherer Sprung, der Spaß macht. Auf dem Woodpecker sind aber alle Absprünge höher als die Landungen.“ Der 32-Jährige kennt sich aus; er fährt seit seinem sechsten Lebensjahr BMX, mittlerweile hat er sich auf Downhill und Enduro spezialisiert. Er hat auch schon mit echten Profis zusammengearbeitet und Hindernisse für Downhill- und Snowboardstrecken gebaut.

Neben ihrem Wunsch nach einer neuen Konzeption wünschen sich die beiden eine bessere Pflege der Strecke. „Es ist schade, dass die Stadt etwas geschaffen hat, das nun vergammelt“, sagt Nikolas Hein. Die Kritiker wollen, dass ein Verein die Pflege des Trails übernimmt – so wie es auch bei vielen anderen Downhill-Strecken der Fall ist, etwa beim Canadian Trail in Freiburg, der vom Verein Mountainbike Freiburg gepflegt wird oder beim SWU-Trail Blaustein, der von der Ulmer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) getragen wird.

Downhill-Biker streiten sich auf Facebook

Die beiden Männer sehen ein Problem darin, dass stellvertretend für alle Fahrer die AG Downhill zuständig sei: „Anfangs war das eine Gruppe von mehreren Bikern, mittlerweile muss der Sprecher der Gruppe, Jannick Henzler, fast alles allein machen.“ Die beiden haben den Eindruck, dass Henzler überfordert sei. „Als kürzlich ein Fahrer auf Facebook geschrieben hat, dass er und der Fahrer nach ihm wegen eines Lochs in einer Landung schwer gestürzt waren, bekam er von Jannick Henzler den Hinweis, doch fahren zu lernen“, sagt Nikolas Hein. „Das regt mich auf.“

Jannick Henzler sieht das völlig anders: „Der angesprochene Fahrer wollte seinen Sturz auf eine mangelnde Streckenwartung schieben, dabei war ich sieben Stunden vor seinem Sturz noch auf der Strecke und habe den Trail gepflegt. Sein Vorwurf war reiner Blödsinn.“ Seit diesem Vorfall reagiere er „allergisch“ auf entsprechende Klagen: „Die Strecke ist in einem Top-Zustand. Und der Großteil der Rückmeldungen ist absolut positiv. Ich finde es schade, wenn es so wirkt, als wären die meisten Biker unzufrieden, und die Stadt dann vielleicht über eine Schließung nachdenkt.“ Er sei zweimal die Woche vor Ort und kümmere sich.

Stadt steht hinter der AG Downhill

Den Vorschlag, dass ein Verein die Strecke pflegen soll, lehnt Henzler ab: „Ich bin stolz drauf, dass die Strecke von der Stadt getragen wird und für jedermann zugänglich ist. Darüber sollten eigentlich auch die Fahrer froh sein. Wäre ein Verein zuständig, wäre das an Vereinsbeiträge gekoppelt und andere Verpflichtungen.“

Die Stadt ist offener: „Bereits vor der Eröffnung der Strecke wurde überlegt, dass ein entsprechender Verein den Betrieb der Downhill-Strecke übernimmt“, schreibt das Sportamt in einer Stellungnahme. Damals habe sich kein bestehender Verein gefunden, jedoch habe sich die AG Downhill stark in der Konzeptionsphase eingebracht: „Grundsätzlich würde das Amt für Sport und Bewegung die Gründung eines Vereins für die Downhill-Strecke noch immer begrüßen und ist diesbezüglich zu Gesprächen bereit, sollte es dafür Interessenten geben.“ Die Zusammenarbeit mit Jannick Henzler laufe jedoch hervorragend: „Er ist der erste Ansprechpartner für uns. Die Kommunikation zwischen der Stadt und der AG Downhill ist aus unserer Sicht sehr konstruktiv.“

Fahrer wünschen sich Extreme

Jannick Henzler ärgert es, dass sich Biker über die Strecke öffentlich beklagen, statt sich bei ihm zu melden oder sich zu engagieren. Erst kürzlich habe er sich mit einem Fahrer, der mit einer bestimmten Stelle am Woodpecker-Trail nicht zufrieden war, getroffen, und die beiden hätten gemeinsam umgebaut. „Ich habe auch schon zur gemeinschaftlichen Streckenpflege aufgerufen, bei der wir zu dreißigst an der Strecke gefeilt haben.“ Zur Konzeption des Woodpecker-Trails sagt er: „Es war von Anfang an klar, dass die Strecke für jedermann konzipiert ist, also für Anfänger und für Profis.“ Er räumt ein, dass zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung bei mehreren Fahrern – inklusive ihm – der Wunsch nach Extremen aufkomme: „Wir würden einerseits gerne mehr Elemente einbauen für Kinder, die mit Fahrrädern aus dem Baumarkt unterwegs sind. Und zugleich wünschen wir uns mehr Sprünge für die Profis.“ Doch bis die Veränderungen möglich sind, soll die Strecke weiter bestmöglich gepflegt werden, verspricht Henzler: „Einige problematische Stellen sind uns bekannt. Es steht fest, dass wir diese im Spätsommer und Herbst angehen wollen.“