Stuttgart-Degerloch Ulrich Demeter hört gezwungenermaßen auf

Von Tilman Baur 

Vereine und er, das gehört zusammen. Doch nun hat sich der 68-jährige Uli Demeter aus Stuttgart-Hoffeld (Degerloch) entschlossen, kürzer zu treten. Weil es das Beste für ihn ist.

Uli Demeter hat trotzdem noch das eine oder andere Ehrenamt. Foto: Tilman Baur
Uli Demeter hat trotzdem noch das eine oder andere Ehrenamt. Foto: Tilman Baur

Hoffeld/Degerloch - Es gibt Menschen, die sich damit brüsten, Prominente zu kennen. In diese Kategorie will Uli Demeter nicht gehören – obwohl er es könnte. Denn beim VfB Stuttgart ging er als A-Jugendtrainer ein und aus – und das Anfang der 1990er Jahre, einer Zeit, die zu den erfolgreichsten des Klubs überhaupt zählt. Beim VfB war der heute 68-Jährige zwischen 1990 und 1994 Teil des Trainerteams der A-Jugend, hatte spätere Profis wie Ante Covic und Eyjólfur Sverisson unter seinen Fittichen. Das Foto, das ihn neben dem damaligen Chef-Jugendcoach Ralf Rangnick zeigt, schiebt Demeter während des Gesprächs eher beiläufig über den Tisch. Erinnerungen hat er viele an diese Zeit. „Beim VfB wird natürlich anders gearbeitet. Bei den Kickers war das eine Familie, beim VfB ein Business“, erinnert sich Demeter.

Besonders gern denkt der Mann aus dem Hoffeld an ein Turnier in Japan zurück, ein Land, das Anfang der 1990er Jahre vom Fußball-Fieber erfasst wurde und europäische Stars vergötterte. Zum Endspiel eines internationalen Jugendcups mit Beteiligung des VfB kamen 40 000 Zuschauer, das japanische TV berichtete quasi rund um die Uhr vom Turnier. Uli Demeter lacht, wenn er an damals denkt.

Er wurde bei den Kickers abgeworben – vom VfB

Vier Jahrzehnte lang hat Demeter allerlei Jugend- und Amateurmannschaften trainiert. Die meisten davon höchst erfolgreich. So führte er Mannschaften aus Mühlhausen, Kemnat, Ruit und Hoffeld jeweils in die nächsthöhere Liga. Die Jugendmannschaften der Stuttgarter Kickers trainierte er von 1984 bis 1990 dann so erfolgreich, dass ihn der große Rivale aus Bad Cannstatt abwarb.

Die Episode war im Grunde aber ein Ausreißer, denn der Demeter, der hauptberuflich lang in der Werbebranche tätig war, hat seine Wurzeln in Hoffeld und ist dem Degerlocher Stadtteil fast sein ganzes Leben lang treu geblieben. Bereits sein Vater bekleidete einen Posten im Vorstand des Siedlervereins und war Mitbegründer des SV Hoffeld, der 1951 entstand.

Uli Demeter setzt sich bis heute auf verschiedene Art und Weise für den seinen Stadtteil und Stadtbezirk ein. So hat er dafür gesorgt, dass Sitzbänke für ältere Menschen aufgestellt werden. Bereits in den 1970er Jahren setzte er zusammen mit einem befreundeten Redakteur der Bild-Zeitung durch, dass auch Rettungswagen von Degerloch aus ausrücken dürfen. Vorher hatten die Degerlocher sie aus dem Kessel anfordern müssen – eine Tatsache, die viel Zeit und manchmal auch Leben gekostet habe.

Verbundenheit über den Platz hinaus

Heute fährt Uli Demeter täglich Essen für alte Menschen aus. Er kann nicht anders, sagt er. Viele Alte seien vereinsamt. „Die Leute brauchen die persönliche Ansprache“, so Demeter. Darauf hat sich der Hoffelder als Fußballtrainer immer gut verstanden. Große Reden zu schwingen, das sei nicht sein Ding gewesen. „Grundlage für den Erfolg war immer die gute Beziehung zu den Spielern, die Freundschaft. Ich konnte mit den Leuten umgehen“, sagt er. Die Verbundenheit mit den Spielern ging über den Platz hinaus. Als zum Beispiel einer der Jungs arbeitslos wurde, nutzte Demeter seine Kontakte und brachte ihn als Fahrer bei einem großen Getränkekonzern unter.

Seiner Leidenschaft ging Demeter bis vor Kurzem nach. Beim TuS Stuttgart leitete er die Fußballabteilung, seit 2015 trainierte er die Bambinis. Doch jetzt ist damit Schluss. Der Weiße Hautkrebs, im Oktober 2018 diagnostiziert, fordert seinen Tribut. Die Kraft fehlt. Operationen stehen an. Zumal aufgrund der Corona-Pandemie die Saison eh gelaufen sei, wie Demeter glaubt. An der Entscheidung sei nicht zu rütteln, so der Trainer. Demeter macht etwas ganz und mit vollem Einsatz – oder er lässt es bleiben.

Es gebe trotzdem viel zu tun

Die Aufgaben werden ihm trotzdem nicht ausgehen, an einen kompletten Rückzug denkt Uli Demeter nicht. Neben seinem Ehrenamt für die Senioren ist er weiterhin im Bezirksbeirat aktiv, seit 2009 setzt er sich dort für die Zukunft Degerlochs ein. Den neuen Bezirksvorsteher Marco-Oliver Luz habe er erst neulich drei Stunden lang mit dem Hoffeld bekannt gemacht. Auch wenn manches in der Lokalpolitik oft nur langsam voranschreitet, lohne sich der Einsatz.

„Es gibt viel zu tun“, sagt er. Auch die fünf Enkel seiner zwei Kinder halten ihn auf Trab. „Alles Jungs“, sagt Demeter knapp. Seine Tochter lebt mittlerweile auch im Hoffeld und führt damit die Familientradition fort. Damit schließt sich ein Kreis. Demeter gefällt das gut. „Alles kann ich also nicht falsch gemacht haben“, sagt er und schmunzelt.

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