InterviewStuttgart deutschlandweit Spitze „So eine Ehrung tut richtig gut“

Von Michael Weier 

Das Hotel zur Weinsteige ist bekannt für guten Wein und gute Küche, nun haben sie es schriftlich, dass sie nicht nur gut, sondern spitze sind: Vom Deutschen Weininstitut gab’s die Auszeichnung für die beste Weinauswahl in einem Hotelrestaurant in der Republik.

Weinexperte Andreas Scherle in seinem exquisiten Weinkeller Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Weinexperte Andreas Scherle in seinem exquisiten Weinkeller Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Rückschläge in Zeiten von Corona treffen alle Gastronomen, Hotelbesitzer vielleicht noch ein bisschen mehr. Andreas Scherle ist beides, umso mehr freut er sich über einen kleinen Lichtblick: Vom Deutschen Wein­institut ist sein Lokal Zur Weinsteige (Hohenheimer Straße 28) für die beste Weinauswahl eines Hotelrestaurants in der gesamten Republik ausgezeichnet worden.

Guten Tag, Herr Scherle. Geht es Ihnen gut?

Sehr gut sogar! Gesundheitlich. Die Familie ist wohlauf.

Aber?

Wirtschaftlich ist die Situation natürlich eine Katastrophe. Gastronomisch läuft es inzwischen wieder einigermaßen, aber das Hotelgeschäft ist eine Katastrophe. Die Hotelgäste sind eben weg.

Wie gut tut da so eine Nachricht wie die vom Deutschen Weininstitut?

Sehr gut natürlich. Wir hoffen, dass uns das noch einmal einen Auftrieb gibt.

Auch der Drei-Sterne-Tempel Traube Tonbach liefe ja unter Hotelrestaurant?

Ja, deshalb ist das natürlich der Hammer. Wir haben uns aber schon länger intensiv den regionalen Weinen gewidmet. Wir haben allein 1000 Positionen aus Deutschland neben 350 aus dem Ausland.

Allein die Masse bringt aber kaum so eine Auszeichnung?

Man muss sich auch damit auseinandersetzen, klar. Wir können fast täglich Leute dafür begeistern, was vor der Haustür wächst. Viele Lokale haben sich inzwischen auf die Regionalisierung spezialisiert, aber wir haben das Ganze eben noch eine Stufe weiter ausgebaut. Immerhin liegen bei uns 10 000 Flaschen im Keller.

Warum braucht es so viele Weine? Täten es nicht auch ein paar weniger?

Weil ich finde, dass man die meisten der richtig guten Weine hier aus der Region erst in einigen Jahren trinken sollte. Die müssen erst noch in Ruhe reifen. Und das geht in diesem Keller hier perfekt. Das Gewölbe ist aus dem Jahr 1870 und bietet perfekte Bedingungen. Die Luftfeuchtigkeit stimmt, als die Hohenheimer Straße ausgebaut worden ist, haben wir den Keller aber trotzdem klimatisiert, damit die Weine die idealen Bedingungen haben.

Aber damit bindet man auch eine Menge Kapital?

In der Corona-Krise habe ich schon manches Mal gedacht, es wäre vielleicht besser gewesen, manches Geld anders anzulegen. Ich hatte bisher im Leben noch nie Existenzängste, aber bei dem Thema war es schon so, dass ich schlaflose Nächte hatte. Wichtig war uns eben, dass wir alle Mitarbeiter halten konnten. Das wird uns ein Vermögen kosten, aber wir kommen durch.

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