Stuttgart-Dürrlewang und Stuttgart-Fasanenhof Zusammen ist man weniger allein

Am 24. Dezember bieten die Begegnungsstätten Weihnachtsfeiern für alleinstehende Menschen und solche, deren Verwandtschaft zu weit weg wohnt, an. Foto: Jacqueline Fritsch
Am 24. Dezember bieten die Begegnungsstätten Weihnachtsfeiern für alleinstehende Menschen und solche, deren Verwandtschaft zu weit weg wohnt, an. Foto: Jacqueline Fritsch

Für ein Weihnachten ohne Familie bieten die Begegnungsstätten in Dürrlewang und Fasanenhof am Heiligen Abend Programme an.

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Dürrlewang/Fasanenhof - An Heiligabend liegen in der Begegnungsstätte Dürrlewang zwar keine Päckchen unter dem Weihnachtsbaum, aber Geschenke gibt es trotzdem. Nele Bonner hat sich dafür ein Spiel ausgedacht. Jeder soll seinem Sitznachbarn ein fiktives Geschenk machen. Ein kleines Kompliment zum Heiligabend. Doch das eigentliche Geschenk an die Besucher ist ein ganz anderes. Nämlich Weihnachten nicht alleine verbringen zu müssen.

„Die Weihnachtszeit ist die härteste Zeit im Jahr“, sagt Bonner, Leiterin der Awo-Begegnungsstätte Dürrlewang an der Osterbronn-straße. „Und natürlich stellt sich dann jeder die Frage: Was mache ich an den langen, dunklen Tagen?“ Um Alleinstehenden, die ihren Partner verloren haben oder deren Verwandte zu weit weg wohnen, ein Weihnachtsfest in Gesellschaft zu ermöglichen, organisieren die Begegnungsstätten in Dürrlewang und Fasanenhof eine Feier am 24. Dezember. „Jeder braucht an Weihnachten seinen Platz und es hilft, wenn man merkt, dass es eigentlich allen so geht“, sagt Bonner.

In der Begegnungsstätte in Dürrlewang feiern rund 60 Leute gemeinsam den Heiligabend. „Es ist schon etwas, was den Leuten Spaß macht. Mit mehreren zu feiern ist einfach schöner als Zuhause allein durchs Fernsehprogramm zu zappen“, sagt Bonner. Deshalb gibt es ordentlich Programm in der Begegnungsstätte – von Kaffee und Kuchen bis zum abendlichen Drei-Gänge-Menü. Das Programm wird durch musikalische Einlagen komplettiert. „Das Singen aktiviert die Leute zum Mitmachen“, sagt Bonner. Das Programm überlegen sich die Ehrenamtlichen, aber jeder der Gäste ist zum Mitmachen eingeladen. „Jeder kann etwas dazu beitragen und macht auch zu einem Teil mit“, sagt Bonner. So habe eine Besucherin im vergangenen Jahr kleine Engel als Tischdekoration gebastelt und mitgebracht.

Weihnachten im familiären Rahmen

Der Mitmachgedanke wird auch auf dem Fasanenhof groß geschrieben. „Es gibt schon Sinn, dass die fitteren Besucher sich auch an dem Programm beteiligen“, sagt Matthias Winterhagen, Leiter der Begegnungsstätte am Solferinoweg. Somit erhalte das geplante Programm immer einen Funken Spontaneität. Es gibt neben Kuchen, Glühwein und dem Abendessen viele Gedichte und Geschichten rund um Weihnachten. Mit etwa 25 Besuchern ist die Feier auf dem Fasanenhof etwas kleiner gehalten. „Ich habe schon den Anspruch, es so familiär wie möglich zu halten“, sagt Winterhagen. „Die Feier hier soll ja die Familienfeier ersetzen und deswegen einen geborgenen Rahmen bieten, in dem sich jeder wie Zuhause fühlt.“ Einige Stammgäste, die schon seit Jahren zur Weihnachtsfeier kommen, kennen sich bereits – darunter zwei 96-jährige Frauen. Doch auch alle anderen Gäste werden von der Gruppe aufgenommen: „Insgesamt herrscht immer ein guter Umgang in der Gruppe und alles ist sehr harmonisch“, sagt Winterhagen.

Bereits während des Jahres lädt Nele Bonner Besucher der Begegnungsstätte zur gemeinsamen Weihnachtsfeier ein. „Heiligabend verbindet die Menschen, deswegen erlebe ich es hier als ein sehr fröhliches Fest“, sagt die Leiterin der Dürrlewanger Begegnungsstätte. Emotionale Ausbrüche von Trauer oder Sentimentalität habe sie bisher eher selten erlebt. Stattdessen werde viel gemeinsam gelacht, geredet und gesungen. „Ich weiß schon im Voraus, wer mal einen Arm oder eine starke Schulter neben sich braucht, weil manche zu Rührung neigen“, sagt Bonner. Wenn sie die Besucher gut kennt, weil sie regelmäßig in der Begegnungsstätte sind, wählt sie danach den passenden Sitznachbarn aus. „Wir wollen als Begegnungsstätte einen Ort gestalten, der für jeden ein Zuhause sein kann“, sagt Bonner.

Die Feiern werden weit im Voraus vorbereitet

Die Heiligabendfeier bereitet Matthias Winterhagen schon lange vor. Während der Vorbereitungszeit überlegt er sich, welche Gedichte und Geschichten er vorträgt; ob lustig, sentimental oder eher fürs Herz. „Die Auswahl ist dann eine Bauchentscheidung, je nachdem, welche Leute sich so angemeldet haben“, sagt Winterhagen. Bis ins kleinste Detail bereitet er am 23. Dezember schon alles für den gemeinsamen Abend vor. Sogar das Kaffeepulver wartet schon in der Maschine. „Die Leute sollen zufrieden und glücklich sein und wenn sie das sind, bin ich es auch“, sagt Winterhagen. Viele fragen frühzeitig bei dem Leiter nach, ob es wieder eine Heiligabendfeier geben wird. „Dann wissen sie, dass sie gut aufgehoben sind“, sagt Winterhagen. „Und diese ritualisierte Feier ist das Schönste daran.“

Wenn Nele Bonner und Matthias Winterhagen mit ihren ehrenamtlichen Helfern alle Gäste nach Hause gefahren und die letzten Spuren der Feier beseitigt haben, fahren sie nach Hause und feiern Weihnachten mit ihren eigenen Familien. Nele Bonner kann sich ihren Heiligabend nicht anders vorstellen. Denn wenn sie nicht an Weihnachten für diejenigen da sein kann, die nicht mit ihrer Familie feiern können, wann dann?

Termine und Anmeldung

Auch die Begegnungsstätte Salzäcker, Widmaierstraße 137, bietet eine Heiligabendfeier von 15 bis 19 Uhr an. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie ein gemeinsames Abendessen. Anmeldungen werden unter Telefon 69 39 68 62 entgegengenommen.


In der Begegnungsstätte Dürrlewang, Osterbronnstraße 64 B, sind noch einige Plätze für die Feier von 14 bis 19 Uhr frei. Interessierte können sich noch bis zum 21. Dezember telefonisch unter der Nummer 74 98 30 anmelden. Auch die Begegnungsstätte Fasanenhof, Solferinoweg 7, nimmt noch Anmeldungen unter 46 92 96 27 für das Fest von 15 bis 18.30 Uhr an. Die Kosten für die Teilnahme für die Feiern liegen bei sieben Euro.

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